Japan (2013/14) – Tokyo – Rush Hour & Sumo Live

20131220_014053_IMG_7524_ji Als wir am Morgen dieses Tages unsere Unterkunft verließen, ahnte ich noch nicht was mich in kürze Ereilen würde. Aktuell freute ich mich auf die Aussicht an einem Sumo Training teilhaben zu können.

Es fiel schon auf dem Weg zum Bahnhof auf, dass die Straßen deutlich voller waren, als wie ich es an den Tagen zuvor erlebt hatte. Es zeichnete sich wirklich ab, dass wir in die Rush Hour gekommen waren.

Meinen Schock bekam ich, als wir schließlich am Bahnsteig der Metro standen und sich dort neben uns durchaus eine kleine Menschenmenge dort mit uns eingefunden hatte. Doch so schlimm fand ich es nicht.

Als schließlich der Zug einfuhr und sich die Türen öffneten, war der Zug einfach nur voll. Bis knapp hinter der Tür, standen die Menschen dicht an dicht gedrängt. Ich fragte mich, wie wir hier einsteigen sollten, besonders, da niemand Anstalten machte den Zug zu verlassen.

20131220_014407_PC201018_ji Den ersten Schock verdauend, warteten wir auf den nächsten, den nächsten und den nächsten Zug. Sie kamen schließlich im Minuten Tackt. Doch keiner der Züge war nur im Ansatz weniger mit Menschen gefüllt.

Schließlich quetschten wir uns einfach gegen die Menschenmenge und wurde langsam in die Masse auf Menschen gesaugt, bis wir irgendwo zum Stehen kamen. An Umfallen war wahrlich nicht zu denken, denn wir standen dicht an dicht. Nicht einmal meinen Arm konnte ich heben, der war zwischen den Menschen eingequetscht.

Wenn wir eine Haltestelle erreicht, verließen vereinzelt Leute den Zug, doch zumeist hatte ich den Eindruck, dass mehr einstiegen. Während sich weitere Leute in den Zug quetschten, wurden wir so lange hin und her geschoben, bis alle drin waren. Dass ich irgendwie Einfluss auf meine Position oder wohin ich getrieben wurde – das konnte man schlicht vergessen.

 

Als ob dies nicht gereicht hätte. Stoppte der Zug plötzlich ziemlich abrupt und es die Masse an Menschen hin und her riss, ohne dass man irgend etwas selber unternehmen konnte, um sich zu schützen oder festzuhalten.

Es folgte gleich eine Ansage, die ich natürlich nicht verstehen konnte. Eri klärte mich auf, dass man mit einem Erdbeben rechnete  und deshalb der gesamte Zugverkehr eingestellt worden war.

Nun hieß es warten, warten … warten … nicht dass es tierisch eng war, die Temperaturen schienen minütlich anzusteigen und nachdem sich die ersten Schweißperlen auf meiner Stirn bildeten, begann der Schweiß langsam in kleineren, später größeren Rinnsalen an mir herunter zu laufen.

Es dauerte einige Minuten bis es eine Entwarnung gab. Das Erdbeben war wohl gekommen, doch war ich mit dem Gedränge mehr beschäftigt, so dass ich nicht wirklich etwas gemerkt hatte. Doch die Fahrt begann noch nicht sofort, erst wurde ein Systemweiter Funktionstest durchgeführt, der auch einige Zeit in Anspruch nahm. Erst dann ging es weiter und ich war froh, dass die nächste Haltestelle, die wir nach weniger als  1 Minute erreichten, jene war, wo wir aus steigen konnten.

Ich muss gestehen, ich war froh der Enge entronnen zu sein und wusste, dass ich so etwas für meinen täglichen Weg zur Arbeit nicht brauchen würde. Mir taten die Leute, die dies Tag für Tag, Jahr für Jahr über sich ergehen ließen, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass es irgendjemanden Freude bereitete die zu ertragen.

Ach was war ich froh, dass die nächste Bahn bei weitem nicht so voll war wie die letzte, doch man soll hier bitte nicht glauben, es wäre nicht eng gewesen. Es waren einfach nur weniger.

Irgendwie war ich froh, als wir schließlich die Bahn verließen und wir uns auf zum Sumo Training machten.

Es bedurfte einigen Suchens, beim sich der Tokyoer als sehr hilfsbereit zeigte. Ohne, dass wir groß fragten, wurde uns Hilfe angeboten und so konnten wir schließlich das Gebäude, welches sich sehr unauffällig in die Häuserfront einreihte, finden.

Für den Besuch hatten wir bestimmte Regeln einzuhalten. Natürlich Schuhe ausziehen. Wir mussten uns ganz leise verhalten, hatten uns auf den angewiesenen Platz zu hocken und schon durften wir das Training verfolgen.

20131220_012940_IMG_7439_ji Mein Sitzplatz erwies sich als etwas schwierig, denn ich hockte direkt hinter dem Trainer, der durchaus meine Dimensionen hatte, also die Sicht auf das Geschehen nicht ganz einfach machte.

Erfreulicherweise durften wir auch fotografieren, doch war die Verwendung des Blitzes nicht erlaubt. Dies erwies sich als Herausforderung, denn es war nicht wirklich hell im Raum. Wieder einmal war ich froh einen neuen Fotoapparat zu besitzen, mit dem man auch in deutlich verminderten Lichtverhältnissen noch fotografieren konnte.

Bei dem Training handelte es sich um das Training von Jugendlichen. Zugang zu Profis würde man nie erhalten, aber ich erfand es ohnehin etwas erfrischender den Nachwuchs bei seinem Training beobachten zu können.

Ich muss gestehen, dass ich zu wenig über Sumo wusste, als dass ich die Rituale und alles fachgerecht nachverfolgen zu können. Trotzdem fand ich es spannend, wie die verschiedenen Szenarien für einen Kampf durchgespielt und praktiziert wurden.

Aus meiner Sicht war es auch spannend zu sehen, dass sich die Schwergewichte in die Hocke setzen konnten, und dann ohne Probleme aufstehen konnten. Davon war ich wirklich so weit entfernt, dass ich den Jungs wirklich Respekt hatte.

Ich musste ja in Japan oft, wenn wir nicht gerade in einem Hotel waren, auf dem Boden schlafen. Aus dieser Lage mich auf die Beine zu bekommen, machte wirklich keinen eleganten oder leichtfüßigen Eindruck. Es war eher immer eine Qual und ich war immer froh, wenn ich in der Nähe einen Gegenstand fand, auf dem ich mich abstützen konnte. Was nicht immer der Fall war und somit das hochkommen noch anstrengender wurde.

Während des Trainings hatte ich einmal Glück, denn der Trainer zog sich für kurze Zeit zurück und ich konnte freie Sicht auf die Geschehnisse erhaschen und ich genoss es.

 

In der Reihe vor mir saß ein Mann, dem alle hier großen Respekt entgegen brachten. Ich realisierte dies erst nicht wirklich. Eri klärte mich später auf, dass dies einer der bekanntesten und wohl erfolgreichsten Sumo Ringer des Landes war.

Es fiel scher sich es vorzustellen, denn er schien nicht sonderlich groß und wirkte nicht wirklich kräftig, ich würde ihn eher als schmächtig bezeichnen.

20131220_015111_IMG_7609_ji Gegen Ende des Trainings verwirrten die anderen Touristen ein wenig die Trainierenden, denn zum Ende Danken sie ihrem Gott und klatschen dazu in die Hände. Dies nahmen einige der Zuschauer zum Anlass auch kräftig zu klatschen. Ich stelle mir vor, wir wären in einer Kirche, würden Gott preisen und auf einmal fangen Zuschauer unvermittelt an zu klatschen. Ich muss geben ich musste schmunzeln.

Vom Training ging es mit der Bahn, die super leer war, eine Station den Stadtbezirk Sumida und dort nach “Sumo Town” (Ryōgoku (engl. Link)). Dieser Bezirk gilt als die Wiege des professionellen Sumo in Japan und deshalb hat der Bezirk sicherlich die Bezeichnung “Sumo Town” verdient.

Unser Spaziergang durch den Bezirk, brachte uns erst zu einer Gedenkstätte der Opfer von Erdbeben und der Weltkriege. Es war ein eindrucksvolles Gebäude und es war spannend sich umzusehen.

20131220_025935_IMG_7718_ji Im Kontrast zu diesem Denkmal, folgte der Besuch eines japanischen Gartens. Ich bedauerte es ein wenig, dass jetzt im Winter viel von der Pracht nicht zu sehen war, denn die Bäume hatten sich ihrer Blätter entledigt. Dennoch eröffnete die Gartengestaltung viele herrliche Einblicke, die sich genießen ließen.

Bevor wir den Park verließen trafen wir auf gleich zwei Hochzeitspaare, die hier ihre Erinnerungsfotos erstellen wollten. Ich war sehr froh, sie zu treffen und ich schaute ihnen eine ganze Weile nach.

20131220_034058_IMG_7833_ji Auf dem weiteren Wege kamen wir an einer ganz bekannten Sumo Halle (Ryōgoku Kokugikan) vorüber. Gerne hätten wir mal hinein geschaut, doch die Möglichkeit existiere heute nicht. Auch gab es akt. keine Wettkämpfe. Wir waren außerhalb der Saison hier.

Etwas enttäuscht, entschieden wir uns, die Mittagszeit zu nuten, um uns ein echtes Sumo Mahl zu können. Es sollte zwar etwas ins Geld gehen, doch dieses Essen wollten wir uns nicht entgehen lassen. Es gab Chankonabe (Nabemono), eine Art Eintopf.

Hierzu bekam man auf einem Kocher einen großen Topf vorgesetzt. In diesem köchelten viele Sorten an Gemüse , Fisch, Fleisch usw. Man fischte das, auf was man gerade Appetit hatte heraus und ließ es sich schmecken.

20131220_041115_IMG_7874_ji Als wir den Topf fast geleert hatten, wurden noch Nudeln in die Suppe gegeben und kurz gekocht und konnten dann auch verspeist werden.

Eri und ich kämpften gemeinsam an dem Topf und waren wirklich voll als wir dass Essen beendeten. Wir erkundigten uns was so ein Sumo Ringer denn verspeisst. Man erklärte uns, dass es wohl als nur einer dieser Töpfe pro Mahlzeit waren. Puhhh … das war viel. (Artikel .. Speiseplan eines Sumo)

20131220_054209_IMG_7945_ji Gut gefüllt streiften wir noch etwas durch die Umgebung und erreichten ein Bekleidungsgeschäft, in dem wir es tatsächlich schafften ein besonderes Bekleidungsstück für mich zu erwerben. Zumist scheiterten wir kärglich an der Größe die ich so benötigte. Doch hier in Sumo Town, gab es Läden die auch Kleidung für mich feil boten.

Bei dem Gegenstand meines Wunsches handelte es sich um ein Jinbei (englsicher Link). Es ist eine leichte traditionelle Hausanzug. Es ist aber auch möglich dieses Kleidungsstück unter bestimmten Umständen außerhalb der Wohnung zu tragen.

Ich mochte die Jinbei sehr und war somit wirklich froh, mal wieder einen gefunden zu haben in den ich auch hineinpasste.

20131220_080152_PC201027_ji Mit dem Einkauf verließen wir diesen Stadtbezirk und machten uns auf nach Akihabara, dem Elektronik und Technik-Narren Viertel in Tokyo. Leider fing es an zu hageln und regnen, als wir in Akihabara ankamen. Somit konnte man nicht wirklich davon regen, dass wir den Bezirk ausgiebig erkundeten oder genossen. Unser Aufenthalt beschränkte sich auf das Ablaufen von ein paar Straßen und dann  waren wir so nass, dass wir es vorzogen uns in Richtung Hotel auf zu machen.

Bevor endgültig Heim fuhren, nutzen wir ein besonderes Angebot an einem der Bahnsteige. Dort gab es eine Milchbar. So ziemlich jede Geschmacksrichtung konnte man erstehen und sich schmecken lassen. Es war in der Tat lecke rund einmal etwas anderes.

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