Deutschland (2015) – Lutherstadt Wittenberg – Ein Tagesausflug

Stadtkirche Sankt Marien
Stadtkirche Sankt Marien

Bislang schreckte ich vor Ausflügen ins Umland von Berlin mit der Bahn zurück, denn wenn ich mich bezüglich Fahrscheinen einmal mit den Preisen für die Fahrt auseinandersetzte, wurde mir auf Grund der Höhe immer etwas schwindelig. So hatte ich auch nicht wirklich einen Überblick welche Ziele so möglich wären.

Durch einen Zufall fand ich heraus, dass es ohne Probleme möglich war mit dem Zug von Berlin nach Wittenberg zu fahren. Nun war die Idee geboren doch einmal diesen Ort besuchen zu wollen. Doch schreckte mich noch immer der Fahrscheinpreis.

Um so erfreuter war ich, als mir zugetragen wurde, dass es für den Bahnverkehr mögliche Einsparmöglichkeiten gab. So begann ich meine Erkundungen und fand die Möglichkeit die Reise für nur 29 Euro durchführen zu können. Damit war das letzte Hemmnis aus dem Wege geräumt und ich suchte mir einen Reisetag aus und buchte einen Ausflug für meine Frau und mich in die Lutherstadt Wittenberg.

Um das Fazit der Reise schon vorweg zu nehmen, muss ich sagen, dass es ein schöner Ausflug war und ich würde ihn wieder unternehmen. Jedoch wäre diese Wiederholung nicht vor 2017, denn akt. bereitet sich Wittenberg auf 500 Jahre Luther vor und deshalb waren einige der spannenden Gebäude teilweise oder vollständig ein-gerüstet und gesperrt.

Die Fahrt von Berlin nahm gerade mal 90 Min. in Anspruch und war, da der Zug durchaus als leer bezeichnet werden konnte, angenehm.

Bahnhof in Wittenberg
Bahnhof in Wittenberg

Etwas verdutzt schauten wir, als der Zug in den Bahnhof von Wittenberg einfuhr, denn wir sahen nur eine große Zeltkonstruktion, die ein paar Container und Haltestelle überspannte. Dies als Bahnhof zu bezeichnen, fanden wir durchaus als verwegen. Doch fand ich Nachhinein heraus, dass es auf der gegenüberliegenden Seite auch noch ein Bahnhofsgebäude gab. Was mich aber kaum aus meiner ersten begeisterten Verwunderung bezüglich des Zeltes heraus riss.

Der Fußweg in die Altstadt ließ Anfangs kaum vermuten, welch ein hübsches Örtchen wir im Begriff waren zu besuchen. Als wir jedoch nach etwa 10-15 Min. Fußweg die Altstadt erreichten, stieg unsere Begeisterung und Vorfreude merklich an.

Das erste spannende Gebäude, welches erreicht wurde war die Luther-Gedänkstätte, die aber, wie schon angedeutet, hinter Baugerüsten versteckt war. So konnten wir uns nicht spontan für einen Besuch aufraffen, sondern wir setzten unseren Fußweg  in die Altstadt fort. Wir verwarfen den Besuch nicht gänzlich, verschoben ihn aber weiter nach Hinten, um nun ersteinmal den Flair des Ortes zu erleben und nicht auf einer Baustelle herumzustehen. So ging es durch eine Art Fußgängerzone weiter in die Altstadt.

Collegienstraße
Collegienstraße

Der Straßenzug gefiel mich wirklich gut und ich blieb oft stehen, um mir alles genau anzusehen. Ich empfand es als wirklich angenehm, dass es zwar in fast jedem Gebäude Geschäfte oder ähnliches gab, diese aber nicht so aufdringlich waren und das Stadtbild störten.

Auch wenn es mittlerweile etwa 11 Uhr war, war die Straße angenehm leer und das erlaubte einen wirklichen Genuss der Umgebung.

Neben wirklich vielen hübschen Häusern, bei denen es auch allerlei Details zu entdecken gab, stach das Melanchthonhaus hervor. Seine schlichte Eleganz fiel mir gleich ins Auge. Leider hatte sich hier eine Besuchergruppe fest gebissen und sie machten keinerlei Anstalten den Weg fortzusetzen. So wurde der Versuch das Gebäude ansprechend fotografisch einzufangen eine kleine Herausforderung.

Als Herausforderung den Ort gut fotografisch einzufangen, erwiesen sich nicht die Menschen, Fahrzeuge, Bauzäune oder ähnliches, sondern Leinen mit Wimpeln daran, die in regelmäßigen Abständen über die Straße gespannt worden waren. Natürlich verliehen diese Wimpel dem Straßenzug einen historischen Touch, was das Einbauen in die Bildkomposition aber trotzdem nicht leichter machte.

Markt & Rathaus
Markt & Rathaus

Richtige Begeisterung erfasste mich, als der Marktplatz und das Rathaus erreicht wurde. Dieser offene Platz, umrahmt von hübschen Häusern, zog uns sofort in seinen Bann und wir konnten uns kaum entscheiden, wo wir zuerst hinsehen sollten.

Wir nutzen diesen Ort für eine kleine Rast, bei der wir uns zu Füßen der Luthers Statue in den Schatten setzte, eine Kleinigkeit aßen und die Umgebung in uns aufnahmen. Allerdings war mein Drang den Ort weiter zu erkunden groß und deshalb war die Pause nicht all zu lang.

Kunsthof
Kunsthof

Durch Zufall hatte Eri einen Zugang zu einem Kunsthof entdeckt. Auch wenn sich dieser als weniger unspektakulärer herausstellte, als wir erhofft hatten, gab es ein grandioses Highlight. Man hatte einen große orangen Drachen zwischen die Häuser gespannt und so wirkte es, als würde der Hof von einem wilden Drachen bewacht und er würde hier unruhig herum fliegen.

Der weitere Weg brachte uns zu den Cranach-Höfen, wo Lucas Cranach der Ältere und seine Familie lange lebten und wirkten. Mit dem Betreten der Höfe fühlten wir uns tatsächlich in eine andere Zeit versetzt, denn man spürte nichts von dem Gewusel von der Fußgängerzone, oder dass wir uns schon im Jahr 2015 befand.

Cranach-Höfe
Cranach-Höfe

Wirklich ruhig ging es im Hof jedoch nicht zu, denn mittlerweile hatten sich etliche Schulklassen eingefunden. Sie sollten Geschichte mehr zum Anfassen erleben, doch so recht mochte ich Begeisterung auf den Gesichtern nicht ablesen wollen. Waren die Lehrer nicht in der Nähe, wurde auch lauthals gejammert und protestiert.

Ich konnte es verstehen, denn wenn ich an meine Ausflüge dieser Art dachte, war es für mich meist mehr eine Qual als eine Freude gewesen. Da half es auch kaum, dass man den Schulräumen entronnen war.

Als nächstes lag die Schlosskirche auf dem Programm. Doch schon von weitem sahen wir, dass es eine große Baustelle war. Der geheime Wunsch, vielleicht doch in die Kirche zu kommen wurde nicht erfüllt. Das Gebäude war vollständig gesperrt. Auch das bekannte Hauptportal, an welches Luther seine Thesen 1517 heftete, war vor Blicken verborgen.

Schlosskirche
Schlosskirche

So es zur Touristeninformation um zumindest in Erfahrung zu bringen, wo wir Lutherbrot und andere Wittenberger Spezialitäten kaufen könnten.

Durch div. Anfragen in Geschäften des Orts, hatte ich schon gelernt, dass es sich bei Lutherbrot nicht um Brot handelte, sondern um einen Lebkuchen. Doch dieses Wissen brachte mich nicht wirklich weiter, denn in der Touristeninformation war man nicht ernsthaft in der Lage mir bei der Beschaffung behilflich zu sein.

Doch irgendwie schien jemand meinen Wunsch doch ernst zu nehmen, denn im weiteren Verlaufe des Aufenthaltes lernte ich eine sehr hilfsbereite Wittenbergerin kennen, die mir all meine offenen Fragen und vieles mehr redselig beantwortete und mir auch ein Geschäft benannte in dem das Lutherbort erworben werden konnte.

Zurück am Markt mit dem Rathaus und seinem Wochenmarkt, konnten wir dem leckeren Angebot an Erdbeeren nicht widerstehen. Gerne hätten wir den 2 Kg Korb für gerade mal 6 Euro erworben, doch fühlten wir uns gehemmt, denn wir hätten alles den ganzen Tag mit schleppen müssen. So gab es nur eine 500g Schale. Deren Inhalt überlebte nicht wirklich lange und so hätte die 2 Kg Variante doch möglich sein können.

Stadtkirche Sankt Marien
Stadtkirche Sankt Marien

Frisch gestärkt führte uns unser Weg zur Stadtkriche St. Marien, dem Ort, wo das erste Mal eine Messe in deutscher Sprache abgehalten wurde. Wir waren froh, dass diese Kirche akt. nicht renoviert wurde und wir sie besichtigen konnten. Es stellte sich zwar heraus, dass im Inneren Renovierungen im Gang waren, doch verhinderten sie nicht, dass wir uns das Kirchenschiff in Ruhe ansehen konnte.

Die Schlichtheit der Kirche gefiel mir sehr. Ein besonderes Kleinod war der Altar der Kirche, denn dieser war von Lucas Cranach dem Ältern gestaltet worden. Er war wirklich einen ausführlichen Blick wert.

Stadtkirche Sankt Marien
Stadtkirche Sankt Marien

Wir hielten uns lange in der Kirche auf, doch auch, wenn wir etliche Stunden in der Stadt bleiben wollten, war irgendwann ein Aufbruch angesagt, denn unser nächstes Ziel bedurfte einiges an Fußweg. Ich hatte mich nämlich schon sehr den Besuch des Luther-Melanchthon-Gymnasium gefreut, welches durch Friedensreich Hundertwasser gestaltet und umgebaut worden war.

Es waren zwar nur etwa 2-3 Kilometer bis zu unserem Ziel, doch da die Sonne unerbittlich vom Himmel brannte und der Weg wenig Schatten bot, war es ein etwas anstrengendes Unterfangen. Glücklicherweise, gab es das ein oder andere Interessante Gebäude oder Wandgemälde zu sehen, die den Fußweg etwas versüßten.

Wie sich herausstellte rentierte sich der Weg zur Schule auf alle Fälle. Wir stellten schnell feststellen, dass die Architektur von Friedensreich Hundertwasser wirklich Farbe, Formen und Abwechslung die Gebäudegestaltung brachte.

Luther-Melanchthon-Gymnasium
Luther-Melanchthon-Gymnasium

So ließen wir es uns auch nicht nehmen, die Schule in Ruhe zu umrunden und all die vielen großen und kleinen Dinge in uns aufzunehmen. Als besonders witzig empfanden wir die aus dem Gebäude heraus wachsenden Bäume.

Fotografisch war dieser Besuch etwas kniffelig. Nicht nur, dass wir zur denkbar ungeschicktesten Zeit dort waren, was die Lichtqualität anging, sondern wir konnten kaum einen großen Abstand zwischen uns und das Gebäude bringen, um es in seiner Gesamtheit zu genießen. Taten wir es, verschwand die Schule fast vollständig hinter Bäumen. Trotz allem zählte dieser Besuch fast zum absoluten Highlight unseres Ausfluges nach Wittenberg.

Neben der Schule gab es eine Häuserzeile, bei der man sich auch bemüht hatte, das ehemals triste Bild hübscher und ansprechender zu gestalten und ich meine, dass man ein sehr herzeigbares Ergebnis erreicht hat. Mit Farbe und liebe, waren die Häuserfassaden verziert worden, wobei auf der einen Straßenseite die Fassade ein modernes Antlitz behalten hat, auf der anderen Seite gab es hingegen viele Bezüge auf die bedeutenden Bewohner der Stadt.

Schillerstraße
Schillerstraße

Während wir uns alles in Ruhe ansahen, kam die örtliche „Bimmelbahn“ vorüber und brachte eine ganze Schar an Touristen an diesen Ort. Hätte ich geahnt, dass man so bequem hier her gelangen konnte, vielleicht hätten wir dieses Angebot auch in Anspruch genommen. Nun stand uns dieses Transportmittel nicht zur Verfügung und so hieß es, den selben Weg zurück zur Altstadt zu marschieren. Zum Glück stand die Sonne mittlerweile etwas tiefer und so fand sich Schatten in dem wir laufen konnten.

Wir hatten uns den Besuch des Lutherhauses bislang aufgespart, doch nun lag es auf unserem Weg zurück in die Altstadt, also legten wir dort natürlich einen Halt ein, auch wenn wir, besonders ich, mit der Tatsache haderte, dass es einige hässliche Bau seitig bedingte Absperrungen gab. In diesen Momenten dachte ich immer sehr gerne an die hübschen Absperrungen die ich aus Japan kannte und mit ein einer Abwandlung hätte man hier bestimmt auch etwas hübscheres hinbekommen können.

Luther-Haus
Luther-Haus

Richtig intensiv fiel unsere Erkundung nicht aus, denn hier herrschte eine deutliches größeres Gewimmel an Touristen als im Ort und wir wollten uns nicht mit einem Strom von Menschen treiben lassen. Trotzdem waren wir froh vorbei geschaut zu haben und sich zu vergegenwärtigen welch bedeutungsvolle Persönlichkeit hier einmal gewohnt hatte.

Anschließend ging es zurück in die Altstadt, was  mit deutlich weniger Menschen auf der Straße und ob des besseren Lichtes einen neuen Motivationsschub gab, alles nochmal genauer anzusehen und im Bild festzuhalten.

Mittlerweile hatten wir das Gefühl, dass wir uns ein Abendessen redlich verdient hatten. Anfangs hatten wir uns vorgenommen eines der am Markt befindlichen Restaurants aufzusuchen, doch kamen wir von dieser Idee ab, denn wir fanden den Namen einer Imbissbude am selben Ort so witzig, dass wir uns für deren Besuch entschieden. Dieser Imbiss nannte sich „Wittenburger“ in dem man auch einen gleichnamigen Burger erwerben konnte.

Wittenburger
Wittenburger

Natürlich ist solch ein Essen nicht unbedingt ein kulinarisches Highlight, auch war die Bedienung nicht wirklich flott und trotzdem waren wir zufrieden und vor allem satt nach dem Verzehr. Was ich auch irgendwie gehofft hatte, denn bei rund 8 Euro pro Burger hatte ich das mehr erwartet als gehofft satt zu werden.

Mittlerweile neigte sich unser Aufenthalt deutlich seinem Ende zu, doch hatten wir noch so viel Zeit die ein oder andere kleinere Straße zu durchstreifen, die auch ansehnliches und hübsche Details zu bieten hatten.

Kurz vor erreichen des Bahnhofs ran uns dann schließlich doch die Zeit etwas durch Finger und wir sahen uns genötigt einen kleinen Endspurt bis zum Zug einzulegen. So nahm ich schließlich Schweiß durchtränkt im Zug Platz und war froh, dass ich mich nun auf der 90minütigen Rundfahrt wieder erholen konnte.

 

Zur Foto-Galerie