Japan (2015) – Kōya-san – Kobo Daishi Gobyo

Japan (2015) - Kōya-sanBislang standen die diversen Aufenthalte und Besuche noch ganz unter dem Zeichen meinen Jet-lag zu überstehen, doch jetzt wurde es ernst, denn wir wollten nun das erste wirklich spannende Reiseziel besuchen und zwar den Ort Kōya-san.

Kōya-san bezeichnet weniger einen Ort als ein Gebiet, welches eine Gruppe von Bergen umfasst und heute als ein wahrlich heiliger Ort für den Shingon Buddhismus gilt.

Eine richtige Vorstellung, was mich erwarten würde, hatte ich nicht, obwohl ich mir div. Bilder und Videos angesehen hatte.

Zu Beginn hatten wir überlegt, ob wir uns eine Unterkunft in Kōya-san selber suchen, doch schnell war klar, dass dies keine Option darstellte. Dies lag nicht daran, dass die Unterkünfte gewissermaßen teuer waren. Das wäre sicherlich zu verschmerzen gewesen. Ausschlaggebend war die Tatsache, dass in allen Unterkünften nur traditionell Japanisch gewohnt wird;
Das bedeutete, auf dem Boden (ok, natürlich mit Matratze) zu schlafen und zu sitzen.

Ich hatte auf den vorangegangenen Reisen schon gemerkt, dass ich das nicht kann. Meist habe ich immer Rückenschmerzen oder ich komme nicht vom Boden hoch.

Das „auf dem Boden sitzen“ sehe ich für mich als besonders anstrengend an, und selbst wenn man mir zugesteht nicht kniend sitzen zu müssen, war es mir einfach nicht möglich.

So wurde der Ausgangspunkt für unsere Reisen der etwa 1 Std. entfernt liegende Ort Hashimoto.

Viel hatte Hashimoto nicht zu bieten – eher nichts, und so war er als reine Schlafstätte durchaus geeignet, denn er lockte nicht mit anderen spannenden Sehenswürdigkeiten.

Der Ausflug nach Kōya-san begann mit einem rund 30-minütigen Spaziergang zum Bahnhof. Von dort ging es mit einem Zug aus dem Tal hinaus, in dem sich Hashimoto befindet, in die Berge und in Richtung unseres Tagesziels.

Japan (2015) - Kōya-san - ZugfahrtAnfangs war die Zugfahrt wenig spannend, doch als der Zug in die Berge abbog und sich die Gleise die steilen Berge hinauf wunden, wurde es wirklich spannend und sehenswert.

So war ich auch weniger traurig, jeden Tag rund 1 Std. Fahrtzeit für die Anreise aufwenden zu müssen.

Als wir die Endstation Gokurakubashi Station erreichten, hatte sich der Zug schon einige Höhenmeter, auf rund 350 Meter, emporgearbeitet. Doch nun stand ein wirklich gewaltiger Höhenunterschied an, nämlich rund 500 Höhenmeter. Deshalb endete hier die Fahrt mit einem gewöhnlichen Zug und es hieß in eine Standseilbahn umzusteigen; also in einen Zug, der über Seile einen Berg herauf gezogen und nach unten gelassen wurde.

Japan (2015) - Kōya-san - ZugfahrtSchon die Treppe die einem zu den Zugängen der Standseilbahn brachte, war so steil, dass man erahnen konnte, was auf uns zu kam.

In rund 5 Minuten überwand der Zug den Höhenunterschied, und es war mehr als spannend aus dem Fenster zu sehen und die Talstation unter sich verschwinden zu sehen.

Japan (2015) - Kōya-san - ZugfahrtEtwa auf halber Strecke trafen sich unser Zug mit dem talwärts fahrenden, und hier konnte man noch deutlicher sehen, dass es hier steil zuging, denn der andere Zug verschwand zügig in Richtung Tal.

Das Ende dieser Zugfahrt bedeutete noch nicht das Ende der Reise nach Kōya-san. Hier stiegen wir lediglich in einen Bus um, der uns zu den heiligen Stätten brachte.

Natürlich war hier alles perfekt japanisch organisiert. Haufenweise Personal lotste und steuerte uns in Richtung des richtigen Busses. Während man in Deutschland zumeist selber raten kann, wo und wie es weiter gehen könnte, stehen in Japan oft ganze Heerscharen an Menschen bereit, die die Menge an Menschen dahin leitet, wo man sie haben möchte oder wie in unserem Fall zum passenden Bus.

Der Bus folgte einer extrem gewundenen Straße, und hätte die Fahrt länger gedauert, wäre ich bestimmt ein Fall für eine ordentliche Reisekrankheit geworden.

Japan (2015) - Kōya-sanNach weiteren 20 Minuten war das Ende unserer Fahrt erreicht und wir kamen in das Gebiet des „Kobo Daishi Gobyo“ Mausoleum.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass mein innerliches Hochgefühl deutlich von der Tatsache getrübt wurde, dass das Wetter sich wenig freundlich zeigte. Auch wenn es im Moment noch nicht regnete, so war es wahrlich dunkel, und der erste Regen würde nicht lange auf sich warten lassen.

Um die lange Tradition von Kōya-san einordnen zu können, musste ich mir erst einmal vergegenwärtigen, dass dieses Gebiet schon im Jahr 815 von einem Mönch Names Kūkai als Stätte auserkoren wurde, um hier seinen Glauben zu leben.

Natürlich gab es Zeiten wo das Gebiet fast davor stand, verlassen zu werden, doch schließlich etablierte sich dieses Gebiet als Ort des japanischen Shingon – Buddhismus. Somit blickt Kōya-san heute auf diese lange Zeit seines Bestehens zurück.

Im Gebiet von Kōya-san bildet das „Kobo Daishi Gobyo“ Mausoleum den heiligsten Ort. Das Gebiet ist so heilig, dass hinter ihm keine weiteren Gebäude oder Tempel errichtet werden dürfen.

Japan (2015) - Kōya-sanMit all diesem Wissen machte ich mich auf den Weg und was mir als erstes auffiel, waren die herrlichen Bäume, die den Weg flankierten. Wie stark diese mich im Verlaufe dieses Tages noch in ihren Bann ziehen würden, konnte ich in dem Moment kaum erahnen.

Dem Mausoleum war ein Friedhof vorgelagert. Auch wenn ich ihn irgendwie toll fand, fesselte er mich nur bedingt.

Nach kurzem Fußweg entdeckten wir eine kleine Treppe, die uns von dem breiten Weg in den angrenzenden Wald führte.

Wir folgten dieser Treppe und verschwanden im Grün des Waldes, wo sich der Friedhof fortsetzte. Dieser zog mich von der ersten Sekunde in seinen Bann. Überall sah ich diese gewaltigen Bäume. Zu ihren Füßen die verschiedenen Skulpturen, Tori und Figuren. Die meisten dieser Objekte waren mit Moos überzogen und gab dem ganzen eine ganz besondere Note.

Japan (2015) - Kōya-san Japan (2015) - Kōya-san Japan (2015) - Kōya-sanWir versanken vollständig zwischen all den Gebilden und wir kamen nun nicht mehr wirklich vorwärts, denn bei jedem Schritt den wir taten entdeckten wir etwas neues.

Mittlerweile weiß ich, dass es mehr als 200.000 Objekte auf diesem Waldfriedhof gab, und da kann man sich sicherlich vorstellen, wie viel es dort zu sehen gab.

Schließlich erreichten wir einen sehr schönen steinernen Weg, der von diesen gigantischen Bäumen gesäumt wurde und durch den Wald in Richtung Kobo Daishi Gobyo führte.

Japan (2015) - Kōya-sanWährend die anderen Menschen, derer es nicht viele waren (dies mochte sicherlich an dem einsetzenden Regen liegen), den Weg meist nur abliefen, um den Tempel zu erreichen, verließen wir hingegen immer wieder diesen Weg und verschwanden tiefer zwischen den verschiedenen Gräbern.

Diese Vorgehensweise lohnte sich, denn so entschleunigten wir uns zusehends, und wir entdeckten immer mehr und immer aufregendere Ecken.

Japan (2015) - Kōya-sanFotografisch war dieser Spaziergang ein Traum, und es war eine wahre Freude zu versuchen, den Ort angemessen im Bild einzufangen.
Doch es war auch eine Herausforderung, denn es regnete und es war sehr dunkel. So wurden die Kamera und ich an ihre Grenzen getrieben.

Ich fotografierte auch eine gewisse Zeit mit einem Stativ, doch so zufrieden ich auch war, es war einfach zu aufwendig, besonders bei der extrem hohen Dichte nie endender toller Ansichten.

Doch auch wir erreichten irgendwann unser Ziel, das „Kobo Daishi Gobyo“ Mausoleum,

Japan (2015) - Kōya-sanWir waren einigermaßen durch gefroren, und so setzten wir uns kurz in einen Aufenthaltsraum, wo dem Besucher kostenlos herrlich warmer Tee gereicht wurde.
Daneben versorgte ein Mönch die Besucher mit allerlei Informationen zum Gebiet. Ok, ich bekam nicht wirklich viel mit, denn die Anzahl der Worte, die meinen Wortschatz im Japanischen bilden, sind nicht geeignet irgend etwas verstehen zu können.

Wie schon erwähnt, war dieses Mausoleum ein wahrlich heiliger Ort, und so wurde der Wunsch ausgesprochen, ab einem bestimmten Punkt bitte nicht mehr zu fotografieren.

Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass es mir nicht schwer fiel, doch ich respektierte den Wunsch aus vollem Herzen. Um so enttäuschter war ich von westlichen Besuchern, die versuchten schlau zu sein und vermeintlich heimlich ein paar Fotos zu machen.

Besonders beeindruckte mich im Mausoleum eine kleine Anlage. Dort ragten ebenfalls diese alten herrlichen Bäume in den Himmel. Um sie herum hatte man, den ganzen Boden bedeckende , schneeweiße Steine verteilt. Es sah nur herrlich aus.

Japan (2015) - Kōya-san Japan (2015) - Kōya-san Japan (2015) - Kōya-sanVom Tempel ging es dann wieder zurück in Richtung Hauptstraße, wo es nicht weniger zu sehen gab.

Es war mittlerweile 3 Uhr nachmittags und eigentlich noch früh am Tag, doch der Regen machte den Aufenthalt nicht wirklich einfach, und das Licht schwand zusehends.
Zudem war uns beiden extrem kalt und so entschieden wir, den Rückweg nach Hashimoto anzugehen.

Japan (2015) - Kōya-sanDie Rückfahrt war für mich nicht weniger aufregend, als die Anfahrt und ich genoss diese Busfahrt, ebenso wie die grandiose Fahrt mit der Standseilbahn und der abschließenden Zugfahrt.

Japan (2015) - Kōya-san - ZugfahrtVöllig begeistert und beseelt von dem beeindruckenden Erlebnis, ließen wir den Tag in Hashimoto mit einem leckeren Gyoza-Essen ausklingen.

 

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