Japan (2015) – Izumo – Der große Schrein

Japan (2016) - Izumo - Izumo-TeishaOsaka lag nun schon wieder hinter uns,  und wir waren,  von der pazifischen Seite Japans,  wieder auf der der japanische See zugewandten Seite,  in Izumo.

Izumo,  und im besonderen der Schrein dort,  ist so alt, dass man nicht mehr nachvollziehen kann,  seit wann es ihn gibt. Um 600 n.Chr. wurde er erstmals in schriftlichen Form erwähnt, doch da gab es diesen Schrein bereits. So mag man sich vorstellen, dass dieser Ort wirklich bedeutsam für den japanischen Shintoismus ist.

Um so verwunderlicher war es, dass die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht unbedingt zu den sehr einfachen Dingen gehört. So hieß es, auf den letzten Kilometern,  einen _wahrlich in die Jahre gekommenen_  Zug (Triebwagen) zu verwenden.

Die Fahrt insgesamt war auch etwas ungewöhnlich. Als wir am Hauptbahnhof von Izumo ankamen, mussten wir in diesen Triebwagen umsteigen und für diese Fahrt eigentlich einen Fahrschein erwerben.
Als wir jedoch in den Bahnhof für diesen lokalen Zug kamen, sah uns der Angestellte dort und meinte nur „Schnell, schnell … schnappt den Zug;  so aufgefordert ging es ratz fatz zum Zug und hinein.
Im Zug sitzend  beschäftigte uns nachhaltig das Problem, wie wir an einen Fahrschein kämen, doch auch als wir – nach nur wenigen Stationen – den Zug wechseln mussten , hieß es _sehr schnell aus dem einen Zug aussteigen und in den nächsten wechseln_  und dies alles begleitet von sehr adrett gekleidetem Zugpersonal.

In diesem zweiten Zug konnten wir schließlich beim Zugpersonal unseren Fahrschein erwerben und konnten nun wirklich entspannt, in diesem mehr als in Jahre gekommenen Triebwagen, die Fahrt genießen.

Im Verlaufe unseres Aufenthaltes lernte ich, dass dieser Zug bei Eisenbahn –  Verzückten eine kleine Berühmtheit war, denn solch alte Züge fuhren fast nirgends mehr in Japan.

Auch wenn dieser Zug sehr in die Jahre gekommen war, brauchte man sich in Japan wirklich keine Sorgen bezgl. der Sicherheit machen, denn diesbezüglich ist man hier vielleicht noch pingeliger als in Deutschland.

Japan (2016) - IzumoAn unserem Reiseziel angekommen, staunte ich nicht schlecht, wie hübsch man die Hauptstraße des Ortes hergerichtet hatte. Dies begann mit der Straßenpflasterung und endete mit den sehr hübschen Straßenlampen.

Dennoch beschäftigte uns hauptsächlich,  wo unsere Unterkunft sei. Doch so einfach, wie wir hier unseren Platz für die nächsten Nächte fanden,  hatte ich es auf dieser Reise noch nie erlebt. Zudem mussten wir gerade mal 10 Minuten gehen.

Die Unterkunft stellte sich als Motel heraus und ich muss sagen, es war eine der besten Unterkünfte. Das Zimmer war riesig, die Betten waren nicht weniger klein. Strom gab es in Hülle und Fülle, das Bad war wirklich groß und alles war brandneu. Ich war wirklich begeistert.

In solch einem Zimmer ließ es sich mehr als gut aushalten und sich auf den ersten Besuch im Izumo – Schrein freuen.

Japan (2016) - Izumo - Izumo-TeishaVon unserer Schlafstätte, bis zum Schrein, waren es gerade mal – wenn man sehr langsam ging – 15 Minuten. Doch schon vor der Tür des Motels gab es Aufregendes zu sehen, denn dort stand ein gewaltig großes Tori, welches jemand vor und 100 Jahren dem Schrein gespendet hatte.

Leider begann der Tag sehr düster und natürlich mit Regen. Irgendwie schien uns dieses Wetter zu verfolgen, wenn wir uns etwas ansehen wollten und voraussichtlich den gesamten Tag an der frischen Luft waren.

Japan (2016) - Izumo - Izumo-TeishaWir waren etwas früher am Morgen aufgebrochen, um den etwaigen Heerscharen an Besuchern zuvor zu kommen. Diese Rechnung ging auf, wenngleich es im Verlaufe des Tages zwar deutlich voller wurde, aber es nie ein Maß erreichte, dass es unangenehm wurde.

Wir hatten wohl auch etwas Glück, dass das Neujahrsfest hinter uns lag und keine längeren freien Tage mehr anstanden. Mir war es allemal recht, denn so konnte man den Besuch mehr genießen.

Beim Zugang zum Schrein durchschritten wir ein Tor, um dann,  nach dem zuvor erklommenen kleinen Hügel,  gleich weiter hinter zum Schrein zu gehen.

Auch wenn auf diesem Stück des Weges kaum Menschen unterwegs waren, so nahmen die Menschenmengen bei der zentralen Anlage des Schreins deutlich zu. Doch Reisegruppen waren noch kaum auszumachen.

Japan (2016) - Izumo - Izumo-Teisha Japan (2016) - Izumo - Izumo-TeishaGleich zu Beginn sahen wir das bekannte Shimenawa, aus Reisstroh geflochtene Taue, das die Welt der Götter von der normalen Welt trennen. Hier fielen sie etwas größer aus als normal,  und so waren sie ein Kennzeichen für den Izumo – Taisha (Großen Schrein) geworden .

Die Enden dieser Taue sollten jemandem *besonderes Glück*  geben, wenn man es schaffte, eine Münze so zu werfen, dass diese zwischen den einzelnen Reisstrohhalmen stecken bleibt.

Recht schnell erreichten wir das Herz des Schreins, die Wohnstätte der Götter. Diese konnten wir nur zu dieser Zeit des Jahres betreten. Den Rest des Jahres war ein Besuch nicht möglich.

Natürlich hatte man sich hier der Hausordnung anzupassen, das bedeutete für mich,  *keine Fotos machen zu können*, und auch ansonsten sich gesittet und ehrfürchtig zu verhalten.

Um ehrlich zu sein, zu sehen gab es nicht viel und es schien, dass hier die Götter durchaus „einfach“ lebten.

Japan (2016) - Izumo - Izumo-TeishaDie Hauptgebäude-Anlage war flankiert von kleineren Gebäuden, die als Unterkünfte für andere Götter dient, wenn sie zu Besuch waren.

Wir liefen einmal um den gesamten Kernbereich des Schreins und versuchten natürlich einen Blick vom Inneren zu erhaschen, was nicht wirklich möglich war. Zudem begann es nun, wie aus Kübeln,  zu schütten und wir mussten uns unter unseren Regenschirmen verkriechen.

Japan (2016) - Izumo - Izumo-TeishaDoch so heftig der Regen auch war, so schnell war er dann auch vorüber,  und die Wolken rissen auf und der Tag schien sich etwas freundlicher zu präsentieren.

Japan (2016) - Izumo - Izumo-TeishaAls wir den Haupteingang des Schreins erreichten, hatten die Besuchermengen dramatisch zugenommen und es herrschte nun ein wahres Gewusel. Ich mochte mir kaum vorstellen was hier zu Neujahr los gewesen war oder zu anderen besonderen Anlässen.

Wir verließen den Kernbereich des Schreins und liefen etwas durch die angrenzenden Straßen, wo es auch verschiedentlich schicke Gebäude zu sehen gab. Dabei kamen wir auch an einem kleinen Schrein vorüber.

Hier hatte man einen armen Menschen in eine kleine Box gesperrt, der darauf zu achten hatte, dass niemand Fotos machte und man sich gesittet verhielt.

Japan (2016) - Izumo - Izumo-TeishaMan hatte kein Schild aufgebaut, welches darauf hinwies, dass fotografieren nicht erwünscht war, also hatte ich spontan meine Kamera gezückt, zuckte aber zurück, als der Mann in der Box an sein Fensterchen klopfte und mir sehr höflich signalisierte, dass ich dies zu unterlassen hätte.
Ich lies daraufhin die Kamera sinken, der Mann entspannte sich wieder und bedankte sich durch Kopfnicken für die Kooperation.

An dem nun erreichten Weg hatten wir die Möglichkeit gehabt zum Strand zu gehen, um dort einen einsam herumliegenden Felsen mit Schrein anzusehen, doch hatte ich mir vorgenommen ihn zum Sonnenuntergang aufzusuchen und diesbezüglich sah es im Moment nicht so schlecht aus. Also ging es wieder zurück in die Anlage des Schreins und wir besuchten die verschiedenen Winkel, die wir bislang ausgelassen hatten.

Japan (2016) - Izumo - Izumo-Teisha Japan (2016) - Izumo - Izumo-TeishaBei diesem Rundgang fanden wir einen anderen sehr hübschen Schrein, in dessen Anlage es es auch einen kleinen Wasserfall zu bestaunen gab. Man hatte ihn natürlich künstlich angelegt, doch die ganze Anlage drumherum war wirklich nett anzusehen und ich muss gestehen, dass mich dieses Bild und die Anlage mehr anrührte als das, was ich bislang gesehen hatte.

Was beim Durchstreifen der Anlage auffiel war der Umstand, dass man überall Skulpturen von Hasen sah. Wie diese Verbindung hergestellt werden konnte, wusste ich nicht. Im Nachhinein konnte ich aber herausfinden, dass es auf alte Mythen der japanischen Geschichte zurückgeht und eine dieser Versionen Bezug auf Izumo hat.

Japan (2016) - Izumo - Izumo-TeishaMittlerweile waren wir etliche Stunden durch die Gegend gelaufen und waren durchaus ausgekühlt, da bot sich der Umstand, dass wir fast direkt neben dem Schrein wohnten an, dort kurz vorbei zuschauen und uns wieder aufzuwärmen. Lange mussten wir nicht darüber nachdenken, ob wir es in die Tat umsetzten und so hockten wir alsbald im warmen Motel und ließen es uns gut ergehen.

Japan (2016) - IzumoVon unserer Unterkunft aus war es schon ein ordentliches Stück Gehweg,  bis zu dem Felsen, den wir uns anzusehen gedachten.

Wir hatten den Weg so gewählt, dass wir ein langes Stück des Weges am Meer entlanglaufen konnten. Das Meer fanden wir,  und es gab sogar einen Strand über den man laufen konnte, doch dort war so viel Zivilisationsmmüll angeschwemmt worden, dass sich kaum ein Gefühl von Romantik,  oder Ähnlichem,  einstellen wollte. Dem Müll konnte man auch oft seine Herkunft ansehen,  und da war nicht wirklich etwas darunter, was auf Japan hinwies, eher ließen sich die anderen Anrainer  identifizieren.

Japan (2016) - IzumoNichts desto weniger war dieser Felsen ein Novum. Der Strand war flach und es gab nichts was direkt erklärte, warum hier dieser gewaltige Felsen lag.

Für mich war natürlich zusätzlich hübsch anzusehen, dass man auf dem Felsen einen kleinen Schrein errichtet hatte,  und somit dieser Ort wieder zu einem heiligen und verehrten Ort wurde.

Mit uns traf dort eine Dame ein, die eine Zither über den Strand schleppte. Sie betete noch am Felsen, setzte sich dann mit ihrer Zither in die Dünen und zelebrierte dort ihre Meditation.

Japan (2016) - IzumoLeider war aus einem Sonnenuntergang nichts geworden, doch das störte nur bedingt, denn man sah ein bisschen dies herrliche Rot am Himmel aufgehen,  und das verlieh der ganzen Landschaft auch seinen eigenen schönen Reiz.

Wir blieben bis es dunkel wurde, da wir aber wieder ein ordentliches Stück Weg vor uns hatten, traten wir den Rückweg alsbald an, um schließlich wieder unsere Unterkunft,  mit vielen schönen Eindrücken im Gepäck,  zu erreichen.

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