Japan (2017) – Osaka – Minoo 02-02 – Katsuou-ji Tempel

Der Besuch des Minoo-Park und der dortige Wasserfall war wirklich ein Genuss gewesen. Doch der Ausflug für diesen Tag war noch nicht zu Ende, denn mein Guide Kenji hatte sich noch ein weiteres Ziel überlegt, um diesen Tag abzurunden und so sollte es nun zum Katsuou-ji Tempel gehen.

Ich muss gestehen, ich hatte zwar gewusst, dass wir Katsuou-ji besuchen, aber ich hatte nicht im Internet recherchiert was mich dort erwarten könnte. So war dieses Ziel für mich wirklich eine große Überraschung.

Um zum Tempel zu gelangen bemühten wir unsere Beine und legten diese Stück Weg zu Fuß zurück. Was erst einmal bedeutete, aus dem Tal mit dem Wasserfall nach oben zu klettern, um dann einer Straße folgend stetig weiter einen Berg hinauf zu laufen.

Auf diesem Weg trafen wir auf eine große Gruppe an Fotografen, die ihre gewaltigen Teleobjektive ins Unterholz und den hier fließenden Fluss zu richten. Der Fluss sah durchaus fotogen aus und es reizte mich ihn einzufangen, doch wir wollten mehr Zeit im Katsuou-ji Tempel zur Verfügung haben. Sei es drum, ich wunderte mich, was diese Gruppe hier trieb. Kenji erkundigte sich und so lüftete sich das Geheimnis schnell. Sie fotografierten Vögel und einer der Fotografen hatte tatsächlich Glück gehabt und einen der gefiederten Freunde abgelichtet.

Ich kann nicht sagen, wie lange es dauerte bis wir den Tempel erreichten, doch ich gestehe zu, dass es mich irgendwann schon ein wenig anstrengte. So war ich wirklich froh, als wir unser Ziel erreichten. Meine Begeisterung wurde schon vor den Türen des Tempels entfacht, als ich von dort erhaschte, was ich zu sehen bekommen würde.

Mein erster Eindruck hatte mich nicht getäuscht und je mehr ich das Gelände erkunden durfte, um so größer wurde meine Begeisterung.

Besonders ansprechend fand ich einen großen See, an dessen Ufer verschiedene Gebäude zu sehen waren und die zusammen ein herrliches Bild ergaben.

Doch so sehr mich dies alles in seinen Bann zog, wurde ich massiv abgelenkt, denn ich entdeckte überall keine Figuren. Die mal einzeln, mal in Gruppen oder in ganzen Scharen zu sehen waren. Ich hatte überhaupt keine Idee was dies zu Bedeuten hatte, oder ob es nur eine Sache war, um die Anlage noch interessanter zu gestalten.

Den profanen Gedanken der Landschaftsverschönerung konnte ich ziemlich schnell vergessen, nachdem ich mich an Kenji wandte und er mir erläuterte, was es mit den Figuren auf sich hatte.

Es handelte sich hier um Daruma, der einer der beliebtesten Glücksbringer in Japan darstellt. Die Figur zeigt den Mönch Bodhidharma.
Dass die Figur keine Arme und Beine hat geht wohl darauf zurück, dass er so lange meditierte, bis er Arme und Beine verlor. Auch für die großen Augen gibt es eine Erzählung, denn es heißt, dass er einmal während der Meditation eingeschlafen sei. Als er erwachte, ärgerte er sich so sehr über sich, dass er sich kurzer Hand die Augenlider abschnitt. Nun muss ich gestehen, hört sich das ja nicht wirklich nett an, doch die Figur sah einfach nur schick aus.

Ferner lernte ich, dass wenn ich eine Figur erwarb, diese keine Augen hatte. Ich konnte mir dann etwas wünschen und würde ihm dann eines seiner zwei Augen malen. Geht der Wunsch dann in Erfüllung, würde ich ihm sein zweites Auge geben und man bringt ihn dann in einen Tempel.

Sah ich mich nun in dieser Anlage um, waren im Laufe der Zeit wirklich viele Wünsche in Erfüllung gegangen und die Figur war an allen möglichen Orten abgestellt worden.

Nun wusste ich um die Bedeutung dieser Figur und das machte es noch spannender und aufregender auf dem gesamten Weg durch den Tempel überall diese Figuren zu entdecken.

Zu Beginn führte der Weg durch ein herrliches Tor mit einer anschließenden Brücke. Dieses Ensemble war wirklich sehr hübsch anzusehen. Was mich etwas verwunderte war, dass vom See über den die Brücke führte Dampf aufstieg. Ich vermutete, dass der See evtl. mit heißem Wasser aus dem Untergrund gespeist wurde.

Dieser mystisch anmutende Wasserdampf ließ die folgenden Treppenstufen weniger anstrengend wirken. Zudem gab es am Ende der Stufen eine hübsche Pagode und so hatte man stets ein angenehmes Ziel vor Augen, wenn man diese Stufen erklomm.

Am Fuß der Pagode angelangt, fiel mir sogleich ein kleines Gebäude ins Auge, welches über und über gefüllt war mit Daruma. Es gab extrem große und sehr kleine und alle bunt gemischt. Es war wirklich toll anzusehen und ich muss gestehen, ich wollte überhaupt nicht aufhören es zu fotografieren.

Der weitere Weg führte weiter über Treppen immer höher hinauf bis zum Hauptgebäude der Tempelanlage.

Bevor wir jedoch das Hauptgebäude erreichte, holte Kenji eine kleine Schachtel hervor in der sich Kerzen und Räucherstäbchen verbargen. Diese entzündeten wir und jeder ging auf seine Weise in sich, um dieses Zeremoniell zu begehen.

Bevor wir letztlich das Hauptgebäude erreichten, lernte ich etwas wirklich interessantes. So erfuhr ich, dass der ernsthafte Anhänger des Buddhismus in seinem Leben Pilgern sollte und dann die festgelegte Anzahl an Tempeln aufsuchte. Wenn ich mich recht entsinne waren es hier so um die 80. Das fand ich wirklich eine große Leistung.

Nun ist solch ein Unterfangen mich er Investition von viel Zeit verbunden und dies mag für den einen oder anderen ein sehr rares Gut sein und damit man seinen Pilgergang dennoch tun konnte, gab es hier im Tempel (wohl sicherlich auch in allen anderen), einen kleinen Gang, in dem alle Heiligen der verschiedenen Tempel aufgereiht waren. Auf diese Weise konnte man seinen Pilgergang auf etwa 30 Meter Länge erledigen.

Am Hauptgebäude angelangt, erwarb ich meinen Daruma mit einer Vorhersage in Form eines Zettelchens in der Figur. Nun konnte ich es nicht lesen und so musste mir Kenji und die junge Frau bei der ich ihn erworben hatte sagen, ob die Vorhersage gut oder schlecht war. Wenn sie schlecht war konnte ich sie hier im Tempel belassen und konnte sie vergessen. Meine war wohl ok und so nahm ich meinen Zettel mit nach Hause.

Mit dem Erreichen des Hauptgebäudes, war auch der höchste Punkt in der Anlage erreicht und man konnte von hier hinunter in die Ebene und Osaka schauen. Leider war es etwas Diesig an diesem Tag und so war die Sicht etwas eingeschränkt.

Auf dem Weg hinter zum Ausgang, kamen wir noch an weiteren sehr hübschen Gebäuden und einem kleinen Wasserfall vorüber. Das sah wirklich sehr schön aus und verlieh der ohnehin schon sehr malerischen Anlage etwas besonders.

Mit dem Erreichen des Endes unseres Rundganges erreichten wir ein Gebäude in dem man Souvenirs erwerben kann. Meist ignorierte ich diese Angebote, doch da ich Daruma zu niedlich fand und ich ja so viele in der Anlage gesehen hatte, erstand ich hier verschiedene Variationen.

Es hieß dann noch ein wenig auf den Bus zu waren und zu meiner Freude gab es im Gebäude eine Sitzgelegenheit,  auf der ich es mir es gemütlich machte. Ich genoss das Sitzen und das Reflektieren dieses herrlichen Tages, als Kenji kam und mir ein Eis in die Hand drückte. Das war wirklich eine schöne Überraschung und nach solch einem Tag ein sehr angenehmer Genuss. So nahm ich dieses Geschenk sehr gerne an und genoss es sehr.

Vom Tempel ging es via Bus zurück in die Stadt. Ich war mehr als froh, dass der Bus eher leer war und ich zwar einen engen aber einen Sitzplatz bekam und auch das Aussteigen am Ende der Fahrt kein Problem darstellte, da ich mich nicht durch den schmalen Gang an etwaig stehenden Fahrtgästen vorbeidrängen musste.

Nach einer kurzen Fahrt mit einem Zug waren wir wieder in Umeda. Hier zeigte mir Kenji noch wo wir uns ursprünglich hätten treffen wollten und hätte ich den richtigen Zug genommen, wäre unser Treffpunkt wirklich sehr eindeutig gewesen.

Katsuō-jiNun brachte mich Kenji noch zur anderen Gesellschaft und dessen Bahnhof. Diesen Weg hätte ich nie und nimmer gefunden, denn es wirkte auf mich alles nur wie ein großes Labyrinth gefüllt mit unendlich vielen Menschen.

An meinem Bahnhof eingetroffen half mir Kenji noch, dass ich meinen Bahnsteig und den Zug fand zurück nach Kobe fand. Damit trennten sich unsere Wege und ich muss gestehen, ich war ein wenig traurig, dass unser Ausflug zu Ende war, denn es war ein schöner Tag mit ihm gewesen.

Ich ging nun zum Zug, stieg ein und bekam sogar einen Sitzplatz, was jedoch nur dem Umstand geschuldet, dass der Zug ab hier eingesetzt wurde und nicht ganz so viele Menschen im Moment zustiegen.

Nachdem sich der Zug in Bewegung setzte, stellte ich fest, dass es ein „Express“ war. Ich war nun der Überzeugung, dass mein Zielbahnhof keine Stops für „Express“ Züge vorsah und so begann ich zu grübeln, wie ich dieses Problem lösen könnte.

Ich holte mein Smartphone hervor und fand zu meinem eigenen Erstaunen recht schnell eine Streckenbeschreibung. Dieser entnahm ich, wo ich am Besten aussteigen sollte, um dann einen Lokalen Zug zu besteigen.

So machte ich es dann auch. Ich erreichte den erwählten Bahnhof, stieg aus und dachte ich warte nun einfach auf meinem Bahnsteig auf den lokalen Zug. Soweit so gut.

Als nächstes kam ein so genannter „Limited Express“. Diese hielt wohl noch weniger als der Express. Was mich wunderte war, dass danach wieder nur ein „Express“ kam. Das stürzte mich schon etwas in Bedrängnis, denn ich hatte nicht wirklich den Eindruck, als würde irgendwann ein lokaler Zug kommen.

Ich sah mich etwas auf dem Bahnsteig um und entdeckte eine junge Frau die hier  die Ansagen übernahm. Ich kramte all mein Japanisch zusammen (was wirklich nicht viel ist) und versuchte herauszufinden wie ich nun nach Hause käme. Es stellte sich heraus, dass der Express doch an meinem Bahnhof anhielt und ich mir diese Unterbrechung und Verunsicherung hätte wirklich sparen können.

So schaffte ich es letztlich ohne weitere Unterbrechungen zurück nach Kobe und so war dieser sehr eindrucksvolle Tag noch mit einem kleinen Abenteuer ausgeklungen.

 

 

 

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