Japan (2018) – Osaka – Der Berg Kongo (金剛山)

Ebenso wie in Kyoto stellte sich mir mittlerweile in Osaka ebenfalls die Frage, welchen Ort sich lohne aufzusuchen, denn die offensichtlichen Sehenswürdigkeiten hatte ich schon besucht. So brauchte ich Insider Tipps. Zu meinem großen Glück, erklärte sich mein ehrenamtlicher Guide vom vergangenen Jahr erneut bereit, mich zu begleiten und er hatte auch die wunderbare Idee den Berg Kongo zu besuchen.

Nachdem ich im vergangenen Jahr den Treffpunkt mit meinem Guide ordentlich durcheinander gebracht hatte, denn die verschiedenen Zuglinien und Bahnhöfe, verwirrten – ok verwirren – mich sehr in Osaka, hatten wir intensiv versucht, dass es dieses Mal klappen sollte. Dass wir den selben Bahnhof und die selbe Zuglinie wählten, sollte ein Garant dafür sein, dass nichts schief ginge. Tatsächlich klappte alles ohne Probleme und so begann dieser Tag schon mal sehr positiv.

Auf unserer Reise, die auf dem ersten Teilstück via Zug zurück gelegt wurde, meinte mein Guide, es könnte ein recht anstrengender Tag für mich werden. Wie anstrengend es würde, ahnte ich nicht einmal im Ansatz zu diesem Zeitpunkt.

Als die Fahrt mit dem Zug endete, wechselten wir in einen Bus. Dass ich kein großer Fan der Busse in Japan bin, da sie stets zu eng für mich sind, hatte ich schon mehrfach erwähnt. Doch dieser Bus war im hinteren Teil anders aufgeteilt und so konnte ich wirklich bequem sitzen.

Die Fahrt führte durch ländliche Umgebung und irgendwann begann der Bus seine harte Arbeit über eine steile Straße hinauf zur Talstation der Gondel, die uns auf den Berg Kongo hinauf bringen sollte.

Irgendwann war der Endpunkt erreicht. Von dort war lediglich ein kleines Stück Weges zu bewältigen. Leider war dieses kurze Stück Weg etwas steil und ich mühte mich jetzt schon ein ab, die Station zu erreichen.

Ich war so langsam, dass wir unsere Gondel verpassten und nun rund 30 min. warten mussten, bis die nächste kam.

Die Gondel war nicht besonders groß und so war sie, obwohl es nicht besonders viele Fahrgäste waren, ziemlich voll. Kurz bevor die Fahrt begann, kam ein Paar mit einem „Kinderwagen“ in die Gondel und ich überlegte, wie man auf dem Berg mit solch einem Gefährt vorwärts kommen wolle. Als ich jedoch genauer hin sah, war es kein Kinderwagen, sondern ein Hundewagen.

Die Fahrt hinauf, bot nur bedingt gute Aussicht, denn es lag ein dichter Dunstschleier über der Ebene. Und trotzdem entdeckte ich alsbald etwas was meinen Blick fesselte.

Je höher wir kamen, um so mehr wechselten wir vom Grün des Frühlings, hin zum zarten Grün und Blühen der Natur. Die Bäume und Pflanzen weiter oben hatten wirklich einen deutlichen Rückstand in ihrer Entwicklung gegenüber der tiefer gelegenen Landschaft. Es sah wahrlich hübsch aus, wie sich ein zartes Blühen bahn brach.

Nach der Ankunft an der Bergstation, begann sogleich der Fußweg weiter hinauf auf den Berg. Ich durfte noch ein Foto von dem Paar mit seinen Hunden machen und dann ging es über einen durchaus rustikalen Weg weiter den Berg hinauf. Hier konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, wie man mit einem Kinderwagen oder ähnlichem Gefährt vorwärts kommen solle.

Irgendwann wechselten wir auf einen noch unwegsamer Weg und hier hatte ich zunehmend Probleme einen sicheren Tritt zu finden. Ich trug ein völlig unbrauchbares Schuhwerk für diesen Weg. Wenn ich es bislang nicht schon eingesehen hätte, spätestens, als ich einmal wegrutschte und auf die Nase knallte, meine Kamera unter mir begrabend, hätte ich mein mangelhaftes Schuhwerk bedauern müssen. Auch hatte ich mir ein Stück Ast in die Hand gerammt, so dann ich ordentlich anfing zu bluten.

Ich war froh, als dieses wilde Stück Weg vorüber war  und es auf einem breiten Weg weiter den Berg hinauf ging.

Hier hatte ich auch das erste Mal Zeit die Bäume und die Umgebung mehr zu genießen. Die kerzengerade gewachsenen Bäume hatten es mir dabei wirklich angetan und ich staunte fast bei jedem einzelnen, wie schön sie waren.

Als wir den Gipfel des Bergs Kongo erreichten, waren wir auf einer Höhe von 1125 Meter angekommen, auf dem ein Schrein errichtet war.

Neben diesem Schrein gab es auf dem Berg Kongo allerlei Tempel und Schreine zu entdecken, was deutlich zum Ausdruck brachte, dass dies ein Ort mit besonderer religiöser Spiritualität ist.

Doch auch neben dieser religiösen Bedeutung, stellte der Berg Kongo ein sportliches Ziel dar. So wurde der Berg gerne und oft erklommen und wer 500 Mal, 1000 Mal und mehr den Gipfel erreichte, wurde sogar an div. Tafeln namentlich erwähnt.

Dass viele Leute diesen Berg als sportliche Herausforderung oder zur Erholung nutzen, merkte ich auf dem weiteren Weg, denn neben vielen Wanderern gab es auch viele Leute die einfach den Berg hin aufgingen, um dann wieder gleich den Weg nach unten anzutreten, nur um sich mal die Beine zu vertreten.

Schließlich hatten wir den Tenporin-ji Tempel erreicht. Hier gab mir mein Guide, der diesen Ausflug wieder perfekt und wunderbar vorbereitet hatte, viele Hintergrund Informationen. Auch hielten wir eine kleine Zeremonie ab, für die er extra Kerzen und Räucherstäbchen mitgebracht hatte. Mein Guide schaffte es wahrlich, unseren Ausflug mit in so vielen Aspekten zu bereichern.

Mittlerweile war die Mittagszeit erreicht und auf dem Berg gab es einen kleinen Aufenthaltsraum mit Verkaufsstand, wo wir eine Pause einlegen konnten. Hier genossen wir unsere mitgebrachten Lebensmittel und auch das erworbene Essen.

Mein Guide hatte sogar Bier und Sake mitgebracht, um neben den körperlichen und den geistigen auch die geschmacklichen Genüsse nicht zu kurz kommen zu lassen.

Wir konnten die Pause etwas länger genießen, denn wir wollten einen besonderen Zeitpunkt abwarten.

In der Nähe unserer Raststätte, gab es einen Aussichtspunkt, von dem man auf Osaka blicken konnte. Dort gab es auch eine Web-Kamera und stellte man sich zu einer bestimmten Uhrzeit an einen bestimmten Ort, wurde man abgelichtet und man konnte sein Bild für die nächsten 24 Std. im Internet sehen.

Aus der Aussicht auf Osaka wurde nichts, denn der Dunst war so dicht, dass fast nichts zu sehen war. Doch unser Bild bekamen wir und so war ich tatsächlich für 24 Std. im WWW zu finden.

Mit diesem Bild begann unser Abstieg vom Berg Kongo, was bedeutete, etliche hundert Höhenmeter über mehr oder weniger steile Treppenstufen abwärts zu klettern.

Was am Anfang noch relativ einfach war, wurde für mich irgendwann immer beschwerlicher und dies, obwohl mein Guide mir meinen Fotorucksack abgenommen hatte und ihn für mich durch die Landschaft schleppte und ich runde 12 Kg weniger zu tragen hatte.

Auch wenn der Abstieg für mich so anstrengend wurde, war ich von der Natur und weiterhin von den Bäumen so begeistert, dass ich sehr, wirklich sehr oft stehen blieb, alles genoss und natürlich meine Fotos machte.

Ich war wirklich nicht schnell unterwegs, was die Tagesplanung etwas durcheinander brachte und wir einvernehmlich einen unserer Etappenpunkte ausließen. So konnte ich die Landschaft um mich herum noch etwas länger genießen.

Ich war aber ehrlicher Weise sehr froh, als ich erkennen konnte, daß das Ende des Abstieges erreicht war. Meine Beine waren so angegriffen, dass ich nicht mehr gerade den Berg abwärts gehen konnte, sondern mich in Kurven den weiteren Weg nach unten arbeiteten musste.

Bevor wir nach rund 2 Std. Abstieg ein Restaurant aufsuchten, ging es noch in einen kleinen Laden, in dem ich frisch produzierten Tofu kaufen konnten.

Im Restaurant erstand ich Tempura, Shiitake Udon. Es schmeckte sehr lecker zudem erfragten wir, wie groß der Höhenunterschied zwischen diesem Ort und dem Gipfel sei. Es waren rund 600-700 Höhenmeter.

Japan (2018) - Osaka - Der Berg Kongo (金剛山)

Als Getränk reichte man uns einen Tee. Der Geschmack irritierte mich erst etwas, bis ich heraus bekam, um was es sich handelte. Es war ein Shiitake Tee. Er mutete mir zwar mehr wie eine leichte Suppe an, doch der Geschmack war so lecker, dass ich nicht anders konnte, als gleich diesen Tee hier zu erwerben, damit ich ihn später nochmal genießen zu können.

Vom Restaurant ging es zur Bushaltestelle. Da es dazu weiterhin Berg ab ging, war es schon ein bisschen hart die Haltestelle zu erreichen.

Obwohl meine Beine kurz davor waren ihren Dienst zu verweigern, wollte ich auf den Besuch eines weiteren Ortes nicht verzichten. Es gab dort nämlich die Möglichkeit richtig schöne Reisterrassen zu sehen. Doch davon erzähle ich im nächsten Bericht.

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