Neuseeland – … und trotzdem war es schön – Stewart Island

IMG0010Stewart Island, diese Perle im Süden Neuseelands, ja was war sie für mich, die Hölle, ein bizarres Abenteuer oder der größte Spaß den ich bisher erlebt habe. Dieser Zwiespalt sitzt so tief, dass ich selbst jetzt, wo die Strapazen der Tour schon lange ein Ende haben, noch mein Bewusstsein spaltet.

Als ich die Wanderung vorbereitete, war ich Feuer und Flamme. Ich malte mir in glühenden Farben aus, wie ich mich durch den Schlamm, den Regen und den Busch von Hütte zu Hütte oder zum nächsten Biwakplatz kämpfte. Jedoch schon die Überfahrt von Bluff nach Oban (der einzige Ort auf Stewart Island) ließ meinen Enthusiasmus stark sinken. Die See war zwar ruhig und dennoch wurde mir zusehends schlechter und schlechter. Nur die Tatsache, dass ich mich in den Schlaf rettete ließ es nicht zum äußersten kommen.

Als ich wieder erwachte, fühlte ich mich sehr elend. Jedoch nach einem Blick aus dem Fenster hielt mich nichts mehr, denn nun sah ich diese wilde, wunderschöne Insel.

Ich war sehr froh, als ich endlich festen Boden unter den Füßen spürte, denn nun stand meinem Abenteuer nur noch eine Nacht, die ich in Oban bleiben wollte/musste im Wege.

image Die Suche nach einer Unterkunft stellte mich vor ein paar Probleme, denn mein Vorrat an Geld war fast gegen Null geschrumpft.

Eigentlich hatte ich die Reise an diesem Morgen mit genügend Geld begonnen, doch ungewöhnliche Ausgaben, sorgten dafür, dass ich wahrlich Haus halten musste mit meinen Geldmitteln.

Was war passiert…

Meine Überfahrt auf die Insel fiel genau auf die Osterzeit. Dies hatte zur Folge, dass meine geplante Anreise von Invercargill nach Stewart Island an dem Umstand scheiterte, dass keine Fähre an meinem Wunschtermin zur Verfügung stand. So hatte ich mich auf ein anderes Datum vertrösten lassen und auch mein hartnäckiges Nachfragen, ob ich ohne Probleme hätte von Invercargill bis nach Bluff, dem Startpunkt meiner Fährfahrt gelangen würde, wurde mir mit Nachdruck versichert.

Nun saß ich am Morgen meiner Fahrt nach Bluff an der örtlichen Bushaltestelle und wartete auf meinen Transport. Die Tatsache, dass an diesem Tag die Straßen von Invercargill mehr als Menschen leer waren, wunderte mich schon etwas, doch maß ich diesem Umstand aktuell keine weitere Bedeutung bei. Dies änderte sich, als die Zeitpunkt der Abfahrt des Busses deutlich überschritten war. Selbst geduldiges Warten änderte nichts. Es kam kein Bus. Lediglich ein Taxi fuhr ab und an vor meiner Nase vorbei und so stoppte ich es schließlich und ließ mich nach Bluff bringen. Der Taxifahrer erklärte mir, dass der heutige Tag ein Feiertag sei und an diesem Tag führen keine Busse. Zudem teilte er mir mit, dass ich einen Feiertagszuschlag für die Fahrt entrichten müsse und so blätterte ich meine paar Kröten vor ihn hin und musste arg rechnen, ob meine Finanz- Ressourcen nun noch ausreichten. Ich kam zu dem Schluss, dass ich die Rückfahrt der Fähre noch bezahlen könne,  doch blieben mir lediglich 10 Euro zur sonstigen Verfügung übrig.

Ich hatte der Neuseeländerin von meinem Schicksal erzählt und dies nahm sie zum Anlass mir im jedem Fall Helfen zu wollen. So wurde ich in ihr Haus eingeladen und sie begann zu telefonieren. Sie fand ein paar Möglichkeiten zur Übernachtung, doch jedes Mal kam sie zu dem Entschluss, dass es zu teuer für mich sei, da mein ganzes Geld drauf ginge. Schließlich fand sie eine Unterkunft und diese sollte lediglich 5 Euro kosten.

Allerdings merkte sie bei dieser Unterkunft gleich an, dass es dort nichts zum Essen gäbe. Deshalb ging sie zu ihrem Kühlschrank, öffnete ihn, und bot mir an mich aus ihm zu bedienen. Ich war so überrascht, dass ganz verdattert dieses freundliche Angebot ablehnte, in dem ich ihr versicherte, dass ich genügend Nahrungsmittel mitführen würde.

Ich machte mich schließlich auf dem Weg zu meiner Unterkunft und hatte das Grundstück der Frau fast verlassen, als sie mich rief und aufforderte zu warten. Ich tat wie mir geheißen. Daraufhin verschwand sie um kurze Zeit später mit zwei riesigen Äpfeln aufzutauchen die sie mir in die Hand drückte.

Mit den Äpfeln in meinen Händen  und dem guten Gefühl neuseeländische Herzlichkeit kennengelernt zu haben, ging es nun endgültig zu meiner Schlafstätte.

Meine Nacht verbrachte ich im Haus eines Fischers. Die Schlafstätte war wirklich spartansich, dennoch fühlte ich mich sehr wohl und da es noch einen anderen Gast gab, wurde lande geplaudert und der  Abend verging wie im Fluge.

Obwohl ich ein notorischer Langschläfer bin, erwachte ich bei den ersten Sonnenstrahlen. Das war aber, ehrlich gesagt, nicht ganz so schwer wie es sich anhört, denn hier war es schon spät im Jahr und so war es immerhin schon 8 Uhr.

Die Vorbereitungen für meine heutige Tagesetappe dauerten nicht lange, und voller Tatendrang stürmte ich los.

Die ersten 5 km hieß es einer geteerten Straße zu folgen. Da es aber stetig steil auf bzw. ab ging, kostete es bei meinem rund 35 kg schweren Rucksack schon etwas Anstrengung. Etwa nach einer ½ Std. Fußweg, stellte ich zu “meiner Freude” fest, dass ich am Morgen wohl etwas zu flink beim Packen gewesen war und meine Wasserflasche vergessen hatte. Ohne sie wollte ich nicht laufen, daher landete mein Gepäck im Busch und ich rannte zurück um sie zu holen.

image Nach rund 45 Minuten war ich zurück, schulterte meinen Rucksack und war froh wieder im Besitz meiner Wasserflasche zu sein.

Schließlich erreichte ich den eigentlichen Beginn des Wanderweges. Ich sah wie der Weg alsbald im dichten Bush verschwand  und ich malte mir aus was mich hier erwarten würde. Doch lange währte dieses Verharren nicht, sondern ich setzte mich in Bewegung und befand mich gleich in der exotischen, wilden Natur der Insel.

Obwohl die Sonne von einem fast Wolken freien Himmel ein herrliches Licht verbreitete, merkte man davon im Busch nichts mehr. Das dichte Farnwerk hielt das Licht sehr gewissenhaft ab. Wollte ich fotografieren, blieb mir nichts anderes übrig, als den Blitz zu verwenden.

Zu Beginn war der Wanderweg außerordentlich gut präpariert. Er bestand aus einem Holzsteg, der zudem mit einem Drahtgeflecht überzogen war. Dadurch kam ich sehr schnell vorwärts.

Schon nach 20 Min. bekam ich das erste Mal das zu Gesicht, was den besonderen Reiz dieses Weges ausmachte. Der Wanderweg verließ den Busch und ich stand an einem kleinen aber sehr hübschen Strand. Über diesen Anblick war ich so entzückt, dass ich gleich ein paar Minuten stehen blieb und die Szenerie auf mich wirken ließ.

Solche herrliche Aussichten wurden mir an diesem Tag noch ein paar Mal geboten und ich genoss es jedes Mal von neuem, wenn ich durch den Busch das Meer erspähte oder sogar an einem Strand laufen konnte.

Eigentlich dachte ich, dass meine Begeisterung nicht mehr gesteigert werden könnte. Doch da täuschte ich mich gewaltig. Denn plötzlich sah ich mich einer neuen, sehr verlockenden Herausforderung gegenüber.

NewZealand-CD03-IMG0008Es war eine Hängebrücke. Sie war zwar nicht besonders hoch, doch eine der Kürzesten war sie auch nicht. Da meine Erfahrungen in der Benutzung dieser Art von Brücken äußerst spärlich waren, tastete ich mich vorsichtig vorwärts. Doch nach und nach überwand ich meine Hemmungen, und ich gewöhnte mich an das Geschaukel, so dass ich schließlich richtig zügig über sie hinweg lief. Als die Brücke überquert war, schaute ich voller Bedauern zurück und wünschte mir, dass sie ruhig noch etwas länger hätte sein können.

Obwohl ich das Laufen genoss, freute es mich, als ich endlich mein Tagesziel die ‚Port William Hütte‚ (englisch sprachiger Link) zu Gesicht bekam.

Als ich die Hütte selber erreichte, ließ meine Begeisterung doch etwas nach. Dies lag weniger an der Hütte oder ihrer Lage, sondern mehr an der Tatsache, dass die Hütte gerammelt voll war. Ich konnte noch eines der letzten Schlafstätten ergattern. Da im Verlaufe des Tages jedoch immer mehr Leute eintrafen, war alsbald nicht ein Bett mehr frei und so wurden nach und nach immer mehr Zelte um die Hütte herum errichtet.

Den Nachmittag nutzte ich, um mich zu entspannen und um in der Sonne zu liegen. Das war jedoch kein reines Vergnügen, denn die Sandfliegen (Sandfly & Protection), diese kleinen Quälgeister, die einem schrecklich juckende Stiche verpassten, stürzten sich in wahren Scharen auf mich. Nur das Schutzmittel, welches ich vor Beginn dieser Tour erworben hatte, gab mir für einen begrenzten Zeitraum eine angenehme Ruhe.

IMG0009Diese, meine zweite Nacht auf Stewart Island, wurde für mich zu einer kleinen Katastrophe. Die Leute, mit denen ich das Zimmer teilte schnarchten allesamt wirklich extrem. Als es mir zu bunt wurde, schnappte ich meinen Schlafsack und verzog mich vor die Hütte. Hier war ich zwar von den Schnarchern befreit, doch nun stürzten sich Stechmücken auf mich. An Schlaf war also kaum zu denken. Ich war sehr froh, als endlich der Morgen anbrach und die ersten Aktivitäten in der Hütte zeigten, dass auch ich aktiv werden konnte.

Heute, mein 3. Wandertag, sollte der Tag werden, an welchem ich den ersten Kontakt mit dem Schlamm haben würde. Der Anfang des Wanderweges war jedoch so gut ausgebaut, dass ich dachte, dass sich der Schlammkontakt um einen weiteren Tag verschieben würde. Diese Annahme war jedoch grundlegend falsch. Ohne Ankündigung endete nämlich plötzlich der gute Weg und das Gehüpfte von einer Seite es Weges auf die andere begann. Lief man in der Mitte, steckte ich sofort bis zu den Knöcheln im Morast.

Zu dieser Schlammschlacht kamen noch die Unwegsamkeiten, die einem der Busch auferlegte. Es ging nämlich stetig hinauf und hinunter und die Wurzeln, die sich stellenweise in einem dichten Geflecht über den Weg legten, erleichterten die Sache nicht gerade. Oftmals ging es so steil abwärts, dass ich froh war, dass es die Wurzeln gab, denn sie dienten als hervorragende Tritte und Griffe.

Nach einer schier endlos scheinenden Schinderei, erreichte ich den ‚Bungaree Beach‘. Als ich ihn betrat, war ich kurz davor einen riesigen Freudenschrei loszulassen so begeisterte mich dieser wunderschöne, mit weißem Sand gepuderte Strand. Zudem  entdeckte ich am Ende des Strandes die Hütte welche meine Heimstadt für die nächste Nacht sein sollte.

IMG0012Als ich die Hütte erreichte, befreite ich mich als erstes von meinen Klamotten die so voll Dreck und Schlamm waren, dass ich meinte, dass sie von alleine stehen könnten.

Aus dem Hüttenbuch, in dem man nicht nur seinen Namen und etliche andere Daten eintrug, erfuhr ich, dass man von der Toilette einen wunderbaren Blick auf den Strand haben sollte. Etwas skeptisch und belustigt über solch‘ eine Eintragung, ging ich mich überzeugen. Durch ein Loch in der Toilettentüren hatte man, ich gebe es voller Überzeugung zu, einen wirklich sagenhaften Blick auf diesen Strand.

Im Gegensatz zur letzten Hütte, waren wir in dieser Nacht nur zwei Personen und so kam ich zu einem ruhigen und wohl auch wohl verdienten Schlaf.

In den vergangenen Tagen hatte ich mit dem Wetter mehr als Glück gehabt, doch dies schien sich heute zu ändern, denn als ich am Morgen aufbrach, war der Himmel von dicken, sehr nach Regen aussehenden Wolken bedeckt.

Mein heutiger Weg verhielt sich auch nicht nett, er war noch schlammiger als am Vortag. Aber nachdem ich einmal so richtig eingesaut war, war mir alles egal, also lief meistens mitten durch den Dreck.

Heute überraschte mich der Weg mit extrem steilen An- und Abstiegen. Mir blieb dadurch meist nichts anderes übrig, als die Abstiege auf dem Hosenboden und die Anstiege auf den Knien zu bewältigen.

Nach etwa 1½ Stunden erreichte ich den ‚Murray Beach‘. Der Abstieg zu ihm war zwar hart, aber es lohnte sich, denn als ich ihn betrat, sah ich wie herrlich er war. Er schien fast unendlich lang zu sein, so dass ich sein Ende kaum ausmachen konnte. In seiner Mitte zog sich ein Priel welcher der Schönheit dieses  Strandes das gewisse etwas verlieh.

Ich genoss es im Sand zu laufen, auch wenn mich mein Rucksack oft tief in den Sand drückte und dadurch das gehen sehr erschwert wurde.

Schließlich verschwand der Weg wieder im Busch. Das nun zu bewältigende Stück war zwar flach, aber dennoch hatte ich Mühe vorwärts zu kommen.

Witziger weise entstanden diese Probleme nicht durch die Natur, sondern waren von Menschenhand geschaffen, denn um dem Wanderer das Laufen zu erleichtern, hatte man einen Holzsteg errichtet, doch waren die Holzstücke nicht flach, sondern halb rund. Außerdem fehlte meist das Drahtgeflecht und so lief ich wie auf Eiern und rutschte das ein über das andere Mal weg.

IMG0013 Als es schließlich tatsächlich zu regnen begann, wurde dieser Steg glitschig wie mit Seife eingeschmiert und so fand mich regelmäßig auf dem Boden liegen.

Ziemlich gegen Ende dieses Steges hatte ein Witzbold auf ein Stück Holz geschrieben: „Achtung vor entgegenkommenden Zügen!“ und erst jetzt fiel mir auf, dass dieser Steg wirklich viel Ähnlichkeit mit einem Bahndamm hatte!

Ich war heilfroh, als es wieder durch den Dreck ging. Der restliche Weg bis zur Hütte war dann erstaunlich einfach und dennoch war mehr als froh, als ich schließlich meine Unterkunft für die Nacht erreichte, denn der Regen begann an Intensität deutlich zuzunehmen..

Die erreichte Hütte war mit Abstand nicht nur die Neueste und Beste, sondern sie hatte auch noch einen hübschen Namen. Sie hieß ‚Christmas Village Hut‚.

In dieser Nacht teilte ich mit etlichen Leuten die Hütte und das brachte viel Spaß und Abwechslung. Lediglich meine nicht wirklich guten Englischkenntnisse bereiteten mir Probleme, um allen Unterhaltungen gebührend folgen zu können.

image Mein Aufenthalt in dieser Hütte sollte 2 Nächte währen. Den dadurch entstandenen Tag wollte ich nicht zum Müßiggang nutzen: Ich wollte den Mt. Anglem, mit 980 m der höchste Berg auf dieser Insel, besteigen.

Diese Besteigung (eigentlich mehr eine Erwanderung), führte ich nicht allein, sondern zusammen mit einem dänischen Jungen durch.

In der vergangenen Nacht hatte es ohne Unterlass geregnet und auch jetzt als wir uns den Berg hinaufarbeiteten, hörte es nicht auf. Dieser Regen hatte zur Folge, dass unser Weg mehr einem Bach mit 10 cm Wassertiefe glich. Anfangs versuchten wir noch irgend wie trockenen Fußes vorwärts zu kommen, in dem wir von einer Bachseite auf die andere hüpften. Doch alsbald gaben wir es auf, und liefen einfach gegen den Strom von Wasser an, was auch irgendwie einen gewissen Reiz hatte.

Trotz des vielen Wassers kamen wir gut vorwärts und bald erreichten wir die Baumgrenze. Da es hier noch manns hohe Sträucher gab, bemerkten wir den Wind der hier kräftig blies, noch nicht. Erst später, als die Sträucher kleiner wurden, bemerkten mit welcher Gewalt der Wind uns hin und her schüttelte.

IMG0018Als ob wir durch den Regen, unseren Bachwanderweg und den Schweiß nicht schon genug Wasserkontakt hatten, erhielten wir noch eine extra Portion, denn aus heiterem Himmel glich unser Weg nicht mehr länger einem Bach, sondern einem See.

Wir überlegten, ob man ihn umgehen könnte, doch das war auf Grund des sehr dichten Buschwerkes unmöglich.

Ohne groß nachzudenken, wagte ich den ersten Schritt in das Wasser und versank sofort bis zum Bauchnabel darin. Tapfer wateten wir hindurch, waren aber mehr als froh, als wir schließlich wieder herausklettern durften.

Je höher wir kamen, um so stärker wurde der Wind und bald war es uns fast nicht mehr möglich vorwärts zu kommen. Irgendwann mussten wir einsehen, dass die Elemente sich gegen uns verschworen hatten und ein geordneter Rückzug sicherlich das cleverste war. Vor allem war kaum abzusehen wie wild das Wetter auf dem Gipfel sein würde.

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Auf unserem Weg nach unten verwandelte sich der Regen schließlich in dicke Hagelkörner, die durch den stürmischen Wind wie Geschosse auf uns nieder gingen und trotz meiner dicken Regenjacke spürte ich den Aufprall jedes einzelnen Korns schmerzhaft.

Völlig durchnässt, verfroren und etwas enttäuscht, dass wir unser Ziel nicht erreicht hatten, erreichten wir die Hütte und freuten uns ein schönes warmes Feuer.

Während ein herrliche Feuer langsam meine Glieder auftaute und ich beim Blick aus dem Fenster feststellte, dass das Wetter eher schlechter als besser zu werden schien, reifte in mir die Entscheidung, lieber den Weg zurück zu laufen, als weiter in wohl noch aufgeweichtere Regionen des Weges vorzudringen. Etwas Wehmut machte sich bei dieser Entscheidung schon breit, denn irgendwie hatte ich an der Wildheit dieses Wanderns auf Stewart Island wirklich Freude gefunden. Aber die Entscheidung war gefasst und so wollte ich am nächsten Tag den Rückmarsch antreten.

Der Tag meines Rückmarsches, sollte ein wahrer ‚Glückstag‘ werden, doch davon hatte ich zu diesem Zeitpunkt natürlich keine Ahnung.

Die ganze Nacht hatte es geregnet und entsprechend aufgeweicht und glitschig war der Weg.

IMG0021Eine besondere Herausforderung war für mich, dass die Bäche durch den Regen zu kleinen reißenden Flüssen geworden waren und zusätzlich mehr als reichlich neue Bäche hinzugekommen waren.

Oft blieb mir nichts anderes übrig, als Hüft-Tief durch sie hindurch zu laufen. Auch der Schlamm war nicht weniger geworden. Nicht selten versank ich bis zu den Knien in ihn und hatte einige Mühe mich vorwärts zu arbeiten.

Nach dem üblichen auf und ab, erreichte ich schließlich den “gehassten” Holzsteg, der mich zum ‚Murray Beach‘ bringen sollte.

Schon beim ersten Schritt auf den Steg, rutschte ich weg und landete mit voller Wucht auf meinem Teleskopstock. Dieser quittierte mit einem deutlichen 90  Grad Winkel. Damit war er, der mir in dieser Schlammhölle eine große Hilfe gewesen war, nutzlos geworden. Dies erschwerte das Laufen auf diesem Steg zusätzlich.

Als ich schließlich “Murray Beach” erreichte, begann es zu hangeln. Ich hatte bis heute schon etliche Wetterwechsel erlebt, jedoch solch ein Extrem wie heute, war mir noch nie untergekommen.

Wie gesagt, es hagelte gerade, als ich den Strand betrat; doch nur höchstens 2 Min. später war weit und breit fast keine Wolke mehr zu sehen und die Sonne schien so wunderschön warm, dass man sich in die Südsee versetzt fühlen konnte.

Dieses herrliche Wetter nutzte ich, um ein kleines Päuschen einzulegen. In dieser Zeit schloss der Däne, der etwa eine ½ Stunde nach mir aufgebrochen war, zu mir auf. Wir plauderten kurz und kamen dabei überein den Weg gemeinsam fortzusetzen, wenngleich er der Ansicht war, ich wäre viel zu langsam. Womit er sicherlich auch recht hatte.

Als wir aufbrachen hatte sich das Wetter gerade wieder zum schlechteren gewendet und da war es ein Trost, dass bis zum heutigen Tagesziel nur noch 1½ Stunden Fußweg waren.

Auch wenn der Weg durch das viele Wasser eher schlechter geworden war, kamen wir gut vorwärts. Was leider dazu führte, dass wir auch etwas unaufmerksamer wurden und an irgend einer Kreuzung falsch abbogen. Doch bemerkten wir diese Falsche Entscheidung rasch und konnten unbeschadet und ohne großen Zeitverlust wieder auf den eigentlichen Weg zurückkehren.

Nach wirklich viel Schlamm, Wasser, Regen, Hagel und Wind erreichten wir die Hütte. Etwas missmutig schaute ich an mir hinunter uns stellte fest, dass ich ein Maß an Dreck an mir erreicht hatte was alles bislang dagewesene in den Schatten stellte. Selbst ich hätte mich nicht mehr umarmen wollen. Auch der Neuseeländer, der aus der entgegengesetzten Richtung kommend hier eingetroffen war, schaute uns etwas merkwürdig an und spätestens da war klar, dass wir ein erbärmliches Bild abgaben.

Im Verlaufe dieses Nachmittags versuchte er mich der Neuseeländer in das Geheimnis des Angelns einzuweihen, jedoch war uns das Glück nicht gerade hold und uns blieb ein leckerer Fisch zum Abendessen vergönnt. Stattdessen mussten wir uns über unser Trockenfutter her mach, was zwar zum satt werden reichte, aber nicht wirklich ein Gaumengenuss war.

Am Abend zog ich ein Resümee über diesen Tag und all die Sachen, die ich im Laufe dieses Tages verloren oder zerstört hatte. Das Ergebnis, so fand ich jedenfalls, war erschreckend.

Ich hatte meine Uhr und Feuerzeug verloren. Darüber hinaus meinen Teleskopstock ruiniert und die Riemen an meinen Gamaschen waren ebenfalls kaputt gegangen. Dies war wirklich ein ordentliches Maß an Vernichtung von notwendigem Material.

Als ich am Morgen erwachte und einen Blick aus dem Fenster auf den Bungaree Beach warf, war ich wirklich begeistert, obwohl es draußen wie wild stürmte, das Wasser wurde durch den Wind weit auf den Strand hinauf gespült und ab und zu richtig aufgewirbelt wurde, war es ein beeindruckendes Bild und Schauspiel. IMG0011Auch wie die Wolken über den Himmel gepeitscht wurden, suchte ihres gleichen. So änderte sich das Bild und Aussehen vom Strand fast sekündlich und ich genoss es nach draußen zu blicken und diesem Naturschauspiel zu folgen.

An diesem Tag brach ich sehr spät auf. Gemeinsam mit dem Neuseeländer stellte ich mich den heutigen Herausforderungen.

Die heutige Etappe war angenehm kurz und wir wanderten angenehm gemütlich. So blieb viel Zeit den Busch näher zu betrachten oder Vögel zu beobachten. Dies war ein wirklich unterhaltsames Vergnügen.

Neben den Beobachtungen, versuchte ich trotzdem mich nicht so voll zu sauen wie in den Tagen zu vor und wich dem Schlamm so gut es eben ging aus. Doch irgendwie hatte er eine magische Anziehungskraft auf mich und eh ich mich versah war ich wieder von oben bis unten dreckig, als war ich über den feuchten Untergrund gerobbt.

Im weiteren Verlauf dieses Tages, wollte ich zumindest ein Mal ein Foto von einer Bachdurchquerung haben und obwohl ich dieses Gewässer hätte mit Hilfe von Baumstämmen trocken Fußes hätte überqueren können, stürzte ich mich ins kalte Nass und ließ das Foto schießen. Auf diese Weise war ich war völlig nass, meine Kleidung hingegen wurde wieder völlig sauber.

An unserem Tagesziel angelangt, erwartete uns eine sehr unangenehme Überraschung, denn wir mussten alsbald feststellen, dass fast das gesamte Holz aufgebraucht war und das, welches uns zur Verfügung stand war wirklich feucht. Zum Glück beherrschte der Neuseeländer die Kunst auch solch ein Holz zum Brennen zu bringen. Es dauerte zwar lange, doch als bald konnten wir uns an den züngelnden Flammen aufwärmen.

Als es Zeit war mir das Abendessen zuzubereiten, zelebrierte ich eine mir lieb gewordene Gewohnheit. Das große Reste-Essen. Ich staunte nicht schlecht welche Mengen ich dabei produzierte. So wurde dies ein Abend an dem wir wirklich einmal völlig satt wurde und mich rund und voll fühlte.

Als ich am Morgen erwachte, war es noch dunkel und es regnete in Strömen. Am liebsten wäre ich liegen geblieben, doch wollte ich mein Boot rechtzeitig erreichen, welches mich zurück zum Festland bringen sollte, musste ich wohl oder übel aufstehen.

Schließlich befand ich mich auf dem Weg nach Oban. Ich versuchte mich beim Laufen durch den Regen etwas aufzumuntern, Als sich der Wanderweg schließlich wieder in einen Bach verwandelte, halfen auch die besten Versuche mich Aufzumuntern nichts mehr.

IMG0022Trotz der widrigen Umstände, erreichte erstaunlich schnell den Maori Beach. Als ich dessen Ende erreichte, staunte ich nicht schlecht, denn dort hatte sein durch den Regen ein etwa 10 – 15 Meter breiter Fluss gebildet. Die Strömung war auch der Gestalt, dass ich mir etwas Sorge machte sicher durch ihn hindurch warten zu können. Als ich vor ein paar Tagen an selber Stelle vorüber gekommen war, gab es diesen Fluss zwar auch schon, doch unter schieden sie sich deutlich in hier Mächtigkeit und Wildheit. An vergangenen Tage zu denken, half mir jetzt jedoch nicht weiter und so suchte ich mir einen Stock und wagte mich an die Durchquerung.

Die Wasseroberfläche mache den Anschein, als hätte ich ein gleichmäßig fließendes Gewässer vor mir, doch dies täusche. Denn während ich durch das Wasser watete, wurde verschiedene Regionen meiner Beine in die unterschiedlichsten Richtungen gedrückt. So wollte die  Wasseroberfläche in Richtung Meer fließen und schon etwas tiefer schien das Wasser den Wunsch zu haben in Richtung Land zu strömen. Es war wirklich nicht einfach nicht aus dem tritt zu kommen und unbeschadet die andere Uferseite zu erreichen. So war ich wirklich froh, als ich wieder festen Boden unter mir spürte und nur noch auf das Hindernis zurück blicken brauchte.

Von nun an gab es keinerlei Probleme mehr und nach einem angenehmen Weg über die Zufahrtsstraße zum Wanderweg, erreichte ich Oban.

Als erstes erstand ich eine Fahrkarte für das Boot, um nicht unversehens noch eine Nacht hier bleiben zu müssen, weil das Bot voll war. Nachdem ich das Ticket in Händen hielt, konnte ich mich entspannt anderen Aktivitäten Wittmen. Gleich zu Beginn entschied ich mich von meinen durch und durch nassen und dreckigen Kleidungsstücken zu trennen. Ich gebe zu, ich fühlte mich bedeutend besser, als dies vollzogen war.

Die restliche Zeit verbrachte ich in der Nähe des Hafens und des örtlichen Supermarktes, wo ich mich mit ein paar Dingen versorgte, die ich etwas in den vergangen Tagen vermisste. Denn so eine Wander-Essens-Versorgung ist nicht zwangsläufig ein kulinarischer Hochgenuss.

Je näher die Abfahrt des Bootes rückte,  um so mehr Leute tauchten aus dem Bush auf und schlossen sich mir beim Warten an. So kam ich in den Besitz an Informationen über den Wanderweg, der  mich damit besänftigte die Tour abgebrochen zu haben, denn es schien mir, als seien sie noch tiefer im Wasser und Dreck versunken als ich.

Besonders die Erzählung eines Paares beeindruckte mich, denn sie hatten sich gleich mehrere Stunden am heutigen Tag mehr als knietief durch Wassermengen arbeiten müssen und sie fühlten sich mehr als Fisch als Wanderer.

Die Überfahrt  aufs Festland war wesentlich stürmischer als die Herfahrt und so dauerte es noch weniger Zeit, bis sich in mir ein intensives Gefühl einer einsetzenden Seekrankheit meldete. Auch heute rettete ich mich in den Schlaf und überstand auf diese Weise die Überfahrt einigermaßen glimpflich.

Tja, das war sie nun, meine Wanderung auf Stewart Island. Sie war erheblich kürzer ausgefallen als geplant und ich lernte, was es hieß, morgens in nasse, stinkende Klamotten zu steigen. Doch wenn sich es nicht verlockend anhört, ich hatte Spaß an der Tour gehabt und sie brannte sich als ein besonders schönes und abenteuerliches Erlebnis in meine Erinnerung. Weder die widrigen Wetterverhältnisse, noch meine Unfähigkeit die Wanderung wie geplant zu beenden konnten mir dieses Erlebnis vermissen.

Eines ist für mich jedenfalls klar, sollte ich irgendwann einmal wieder Neuseeland besuchen, so steht Stewart Island wieder ganz oben auf meiner Liste und ich werde wesentlich mehr Zeit für dieses Juwel investieren.

Norwegen – … und ich staunte noch immer – Royales Frühstück

image Es war mein letzter Urlaub in Norwegen und das letzte Mal, dass ich mit einem Interrail Fahrschein fahren durfte, denn mein 27. Geburtstag stand in diesem Jahr an.

Aus diesem Grunde hatte ich mich dazu entschlossen nicht auf direktem Wege nach Norwegen zu fahren, sondern die Möglichkeiten des Interrail Fahrscheins ordentlich auszunutzen und die anderen skandinavischen Länder in meine Reise einzubeziehen.

So ging ich zu Beginn mit dem Zug von Deutschland nach Stockholm. Dort gab es einen mehrstündigen Aufenthalt, den ich für eine kleine Stadterkundung nutzte. Danach ging es weiter in Richtung Norden, bis die Grenze nach Finnland erreicht war. Hier ging es mit einer Bummelbahn über die Grenze und schließlich wieder weiter in Richtung Norden. nach etwa 70 Std. Fahrt gönnte ich mir eine Unterbrechung der Fahrt und startete eine Wanderung in den finnischen Wäldern. Nach diesem Ausflug in die Natur ging es rasch weiter nach Norden, hinein nach Schweden bis ich schließlich Kirkenes an der Norwegisch-Russischen Grenze erreichte.

Um nach dieser langen Anreise wieder zu Kräften zu kommen und mich auf meine Hauptwanderung in Norwegen vorzubereiten, wollte ich mir eine gemütliche Fahrt mit dem Postschiff gönnen, welche den Süden Norwegens mit dem Norden verband. Erfreulicherweise erreichte jeden Tag eines der 12 Schiffe der Hurtigruten Flotte die div. Häfen auf der Strecke. So war es kein Problem eines der Schiffe zu erreichen und die Fahrt antreten zu können.

Leider stellte sich heraus, dass das bestiegene Schiff zur neueren Generation der Schiffe gehörte und diese waren mir zu nah an einem Kreuzfahrtschiff. Ich wollte lieber noch eines der alten Baureihe verwenden.

Nach kurzer Recherche erfuhr ich, dass das nächste Schiff nach diesem genau meine Wünsche erfüllte. So blieb ich gerade einmal bis zum nächsten Anlege Hafen an Bord, um dann auf mein Wunschschiff zu warten.

imageSo konnte ich mich zwar auf die weitere Fahrt freuen, doch stellte die Unterbringung für die kommende Nacht ein Problem dar. Ich hatte nicht die Absicht in einem Hotel oder ähnlichem zu nächtigen, doch auch der örtliche Zeltplatz war für mich zu Fuß nicht wirklich erreichbar. So suchte ich mir einfach eine Stelle in der Nächte des Ortes, an der ich mich traute mein Zelt aufzubauen.

Sicherlich hätte ich, wenn ich gefragt hätte ganz offiziell irgendwo zelten können, doch war ich etwas scheu zu fragen und so baute ich mein Zelt so in einer Mulde auf, dass es von nirgends gesehen werden konnte.

Nach meinem 24stündigen Aufenthalt ging die Fahrt weiter  und ich genoss sie, denn ich konnte sie mit genau dem Schiff fortsetzen, welches ich mir gewünscht hatte. Nun, ich gebe zu,einen kleinen Nachteil hatte das ganze. Das Wetter wurde zusehends schlechter und rauer und so wurde dieses Schiffchen ordentlich von den Elementen  hin und her geschüttelt, denn einen so ausgefeilten Wellenstabilisator gab es halt nicht. Also hieß es Tabletten schlucken und das schlechte Wetter genießen.

Nach drei Tagen Fahrt, verließ ich das Schiff in Bodø, eine Stadt weit oberhalb des Polarkreises und Ausgangspunkt meiner Wanderung im Saltfjellet (englisch sprachiger Link).

imageDie Zeit in Bodø war damit angefüllt, die  mehrtägige Tour durch das Hochland, vorzubereiten. So holte ich mir den Schlüssel für Hütten, bezahlte meine Mitgliedschaft (obligatorisch) im norwegischen Wanderverein (DNT) und ging zur Post um mein Verpflegungspaket abzuholen.

Ich hatte mir aus Deutschland postlagernd ein Paket mit Energieriegeln, Mineraldrinks und anderen notwendigen Lebensmitteln zugesendet, um genau das zur Verfügung zu haben, was mir für meine Tour an Nahrung vorschwebte. Zudem ließ sich dadurch einiges an Geld sparen.

Leider musste ich feststellen, dass sich der Zoll an meinem Paket vergangen hatte, was grundsätzlich wirklich in Ordnung ist, denn was konnten meine Getränkepulver denn auch noch alles andere sein, als etwas zum Trinken. Doch hatte man sich beim Verschließen der Verpackungen nicht wirklich viel Mühe gegeben, und so herrschte eine herrliche Sauerei im Paket. Dennoch blieb noch genügend zum Verzehr übrig, was mich etwas versöhnte.

Zum Wanderweg ging es via Bus. Auf dieser Fahrt lernte ich Peter kennen. Einen Schweizer der hier in Norwegen arbeitete. Er wollte die selbe Strecke laufen wie ich und so fragte er, als wir schließlich die Endhaltestelle erreicht hatten, ob wir nicht zusammen wandern sollten.

Ich erklärte ihm, dass ich wahrlich nicht der schnellste Geher sei und er sich meinem Tempo anpassen müsse. Dies war für ihn aber kein Problem und so begannen ich den Ausflug ins Fjell mit ihm.

Der Bus hatte uns nicht wirklich in der Nähe des Wanderweges in die Landschaft entlassen, sondern es stand uns noch ein ordentliches Stück Weges auf einer Zufahrtsstraße bevor. Dies war nicht so verlockend und so war ich um so glücklicher, als es Peter gelang eine Mitfahrgelegenheit für die nächsten Kilometer zu ergattern.

imageAuf diese Weise näherten wir uns wirklich zügig dem Beginn des Wanderweges und jener Hütte, in der wir die folgende Nacht verbringen wollten. Wir mussten bis zur Hütte zwar noch ein klein wenig Laufen, doch dies war ein angenehmes Stück Weg durch die unberührte Natur Norwegens.

Bei der Hütte angelangt, freuten wir uns schon auf eine schöne Unterkunft, ein schickes Bett und leckeres Essen. Doch bevor dies in Anspruch nehmen konnten, hieß es die Hütten Tür aufzuschließen. Dies erwies sich aber als schwierig, denn weder der Hüttenschlüssen von Peter noch der meinige passte auf das Schloss und so standen wir etwas dutzt vor der verschlossenen Hütte und begannen zu grübeln wie wir die Nacht verleben wollten.

Ich hatte eine Folie mitgenommen, um zur Not in der Natur ein Notbiwak errichten zu können, dass ich diese aber schon so früh zu Beginn meiner Tour benötigen würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Sie war aber unsere einzige Möglichkeit, um mit einem Dach über dem Kopf die Nacht verleben zu können.

Wir hatten gerade unsere Notunterkunft bezogen und dachten über unser Mahl nach, als andere Wander bei der Hütte eintrafen. Ihr Schlüssel passe und so bekamen auch wir Zutritt in die Hütte. Nun stellte sich auch heraus, dass diese Hütte zu einem anderen Wandergebiet gehörte und somit ein anderer Schlüssel zu verwenden war. Dass man uns darauf nicht aufmerksam gemacht hatte, als wir unsere Schlüssel in Empfang genommen hatten, war schon ein wenig ärgerlich, doch nun waren wir eigentlich nur froh, dass wir für diese Nacht eine schöne Unterkunft zur Verfügung hatten. IMG_1019Der erste richtige Wandertag verlief wirklich gut. Wir hatten schönes Wetter und Peter fand den Wanderweg, trotz mangelhafter Markierung fast wie im Schlaf und so konnte ich mich ganz auf die grandiose Landschaft konzentrieren und brauchte ihm nur hinter zu trotten.

Es war gerade die Zeit der Moltebeere und so konnten wir ab und zu die Wanderung unterbrechen und genossen diese besondere Leckerei.

Als wir am Abend unsere Hütte erreichten war ich so fertig, dass ich kaum mehr laufen konnte. Peter hingegen war durch diese kurze 8stüdige Tagesetappe überhaupt nicht ausgelastet und wusste fast nicht wohin mit der verbliebenen Energie. Ich selber schielte nur auf das Bett und die Möglichkeit schnellst möglich nach dem Abendessen im Schlafsack zu verschwinden.

Bevor wir am nächsten Tag unsere Tour fortsetzten wurde die Hütte ordentlich geputzt und sie blitze wie neu als wir schließlich aufbrachen. Doch so hatten wir die Unterkunft auch vorgefunden und so war es selbstverständlich dem nächsten Wanderer ein sauberes Heim für die Nacht und genügend trockenes Holz zu hinterlassen.  Dieses Selbstverständnis bei der Nutzung dieser Hütten gefiel mir ausgesprochen gut.

Am dritten Abend erreichten wir eine der schönsten Hütten, die ich bislang in Norwegen aufgesucht hatte. Sie war außerordentlich luxuriös und ansprechend eingerichtet. In der Küche entdeckten wir zudem einen Karton mit, in Norwegen, teuren Lebensmitteln. Peter meinte daraufhin, dass hier etwas nicht stimmen würde. Aus Spaß meinte er noch, dass wir in der falschen Hütte seien. Dies stimmte zwar nicht, doch war dieser Karton schon sehr mysteriös.

So misterips dieser Karton auch war auf unseren Aufenthalt hatte keine Auswirkung, denn wir mussten mit dem Essen auskommen, welches wir mit uns führten. So hockten wir schließlich in der Küche und philosophieren was wir uns an diesem Abend zubereiten wollten.

Während es hin und her ging, sah ich eine Gruppe von Menschen am Hüttenfenster vorüber kommen und es war klar, wir würden in dieser Nacht die Unterkunft teilen müssen, dennoch war aktuell unser Verpflegungsproblem vorranging.

IMG_1018Schließlich betrat ein älterer Mann die Hütte. Er kam auf direktem Wege zu uns und meinte nur: „Benehmen sie sich bitte ganz normal, denn jetzt kommt der norwegische König und Königin.“

Wir schauten uns etwas ungläubig an, doch schon etwas später betraten tatsächlich der König und die Königin die Hütte. Ich gebe zu wir waren über dieses Zusammentreffen mehr als verdutzt, wussten nun aber warum der Karton mit den leckeren Lebensmitteln in der Hütte deponiert worden war.

Kurze Zeit später, nachdem wir wirklich realisiert hatten, mit wem wir in dieser Nacht die Hütte teilen würden, kamen wir überein, die Gruppe in Ruhe zu lassen, denn wir waren der Ansicht, dass sie bestimmt froh währen, wenn wir uns nicht auf sie Stürzen und irgendwelche Erinnerungsphotos oder ähnliches einzufordern. Öffentlichkeit hatten sie bestimmt genügend und so hätten sie hier ihre Ruhe.

Etwas später kam der ältere Mann erneut und bat uns, ob wir nicht in einen Raum außerhalb der Hütte ziehen würden. Peter und mir war es egal und so packten wir unsere Sachen. Als der König dies sah, fragte er, was wir da machen. Wir erklärten ihm, dass wir gebeten worden waren umzuziehen. Er meinte daraufhin jedoch nur, dass dies wegen ihm nicht nötig sei, denn wir würden uns schließlich diese Hütte teilen.

imageTrotzdem zogen wir um.

Am nächsten Morgen schliefen wir länger, denn wir wollten die Küche nicht mit den anderen teilen und unserem Vorsatz sie in Ruhe zu lassen treubleiben.

Wir lagen also noch in unseren Schlafsäcken, als es an der Tür zu unserem Raum klopfte. Peter stand, nur mit Unterhose begleitet auf und öffnete die Tür und er staunte nicht schlecht als nun der König vor ihm stand.

Ob es einem der Beiden peinlich war konnte ich nicht feststellen, zumindest erkundigte sich der König, ob wir schon gefrühstückt hätten. Wir verneinten und erklärten, dass wir nur noch unsere Reste verzehren würden, um dann außerhalb des Wandergebietes Nachschub zu besorgen.

Der König meinte nur, wir sollten uns keine Sorgen wegen des Essens machen und einfach in die Hütte kommen.

Wir warteten noch, bis die Gruppe die Hütte verlassen hatten, um dann in Ruhe in der Küche zu gehen. Dort wollten wir unsere  Nahrungsreste zu einem einigermaßen ordentlichen Frühstück kombinieren.

Damit beschäftigt was wir zusammen stellen würden, betraten wir die Hütte und staunten wirklich nicht schlecht, als wir den Esstisch sahen. Dieser war wie in einem Hotel gedeckt und allerlei Leckereien waren auf ihm drapiert. Sogar die Tomaten waren geschnitten. Wir brauchten uns nur hin zu setzen und konnten uns ein mehr als reichhaltiges Mahl schmecken lassen.

Natürlich waren die Lebensmittel nur vom feinsten  und schmeckten hervorragen. Doch selbst wenn nicht, solch ein royales Essen angeboten zu bekommen, machte es zu einem besonderen Erlebnis.

Das Thema Essen spielte im weiteren Verlauf dieses Tages erneut eine Rolle, denn unsere Vorräte gingen zur Neige und es war dringend angesagt dies zu ändern. Glücklicherweise hatten wir die Möglichkeit, an einem Zeltplatz mit angeschlossenem Supermarkt vorbei zu kommen, der nur eine kurze Strecke Weges von unserer Hütte entfernt lag. So konnte dieses Problem relativ schnell behoben werden. Es bedeutete lediglich, dass ich schon von schon früh am Tag das mehr an Gewicht durch die Gegend tragen hatte.

Als wir den Zeltplatz verließen, schloss sich uns ein Hund an. Wir versuchten ihn  zwar davon zu überzeugen, dass er uns nicht weiter folgen sollte, doch machte er keinerlei Anstalten dies zu tun. Als wir immer weiter in die Berge vorstießen, meinte Peter schließlich, er würde den Hund ins Tal zurück bringen. Ich passte derweil auf unser Gepäck auf und kam zu einer angenehmen Pause.

Im weiteren Verlauf unserer heutigen Tour, erreichten wir ein wahrlich großes Geröllfeld und ich musste mich schon arg konzentrieren, um nicht einen Unfall zu produzieren. Doch mit zunehmender Strecke, stieg das Selbstvertrauen in meine jonglier Künste.

Diese wurden jedoch schlagartig wieder weggewischt, als wir einen Bach zu überqueren hatten.

IMG_1025Peter hüpfe fröhlich von Stein zu Stein und war rasch auf der anderen Seite des Gewässers angekommen. Ich schaffte etwa die Hälfte des Weges und saß dann unversehens im kalten Bergwasser. Als ich nicht gleich wieder versuchte aus dem Bach zu klettern, meinte Peter, ich solle mein Bad doch auf später verschieben. Dies und die Tatsache, dass das Wasser wirklich kalt war, veranlasste mich zitternd aus dem Bach zu klettern.

Erfreulicherweise war es bis zu unserem Tagesziel nicht mehr all zu weit und so hatte ich die Hoffnung, mich alsbald wieder aufwärmen zu können. Doch als wir die Hüte erreichten, stellten wir fest, dass dort schon 2 Wandere Unterschlupf gefunden hatten. Nun sollte man meinen, dass bei 2 Personen noch genügend Platz vorhanden sein sollte, doch bei dieser Menge war das wohl fühl Kontingent schon erreicht. So schlug Peter vor zur nächsten Hütte zu laufen, die nicht wirklich weit entfernt sein sollte. Es waren dann zwar nur 2 Stunden Weg. Doch als ich am Abend einen Rucksack auf den Boden der anderen Hütte plumpsen lies, hatte ich rund 13 Stunden Fußmarsch in den Knochen und so beschränkten sich meine Aktivitäten an diesem Abend nur noch auf die Nahrungsaufnahme und das Umsiedeln in meinen Schlafsack.

Selbst am kommenden Tag steckte mir die Anstrengung noch in den Knochen und so entschieden wir uns, es etwas ruhiger angehen zu lassen und lediglich eine kurze Etappe zu laufen. So liefen wir heute gerade mal die 2 Stunden den Weg zurück bis zur am Vortag “verschämten” 2 Personen Hütte.

IMG_1027Ich fand es wirklich schick einmal nicht den gesamten Tag zu laufen, sondern einfach nur die Landschaft zu genießen und dies bei wirklich angenehmen Wetterbedingungen. So ließen sich die Energie Ressourcen auf angenehme Weise wieder auftanken.

Für den folgenden Tag hieß es erneut die Berge zu verlassen und in die Zivilisation zurück zu kehren. Natürlich nutzten wir diese Gelegenheit, um uns erneut mit Lebensmitteln auszustatten. Dieses Mal erstanden wir die wirklich guten Sachen, so dass uns für den Abend ein wahres Schlemmer Mahl ins Haus stand.

Zurück in die Berge kamen wir auf bequeme Art und Weise. Es gab nämlich eine Straße, die das Wandergebiet durchschnitt und so brauchten wir uns nur mit einem Transportmittel mitnehmen zu lassen. Tatsächlich hielt relativ schnell jemand und bot uns an uns mitzunehmen. Es handelte sich um einen Holztransporter. Erst sah es so aus, als müssten wir uns den Platz mit dem  Holz teilen, doch zum Glück sollten wir nur unsere Rucksäcke zwischen den Holzstämmen unterbringen. Wir selber durften im Fahrerhaus Platz nehmen.

Als sich der Truck die Serpentinen vom Tal hinauf ins Fjell arbeitet, war ich froh, dass ich das nicht zu laufen brauchte.

In den Bergen angelangt, kletterten wir vom Truck, packten unsere Rucksäcke und die Plastiktüten voller Lebensmitteln und machten uns auf in Richtung Hütte. Von der Straße war es nur rund 1 Kilometer Fußweg und so konnte ich mich schon auf ein frühes leckeres Mahl freuen.

Peter stürmte etwas voraus und ich gebe zu, es sah befremdlich aus jemanden mit Plastiktüten durch die Norwegische Natur stiefeln zu sehen. Doch mehr als über diese Tatsache wunderte ich mich, als er plötzlich stehen blieb, sich umschaute und mir zurief “Nicht schon wieder”.

Ich konnte nicht wirklich etwas mit dieser Aussage anfangen, doch als ich ihn erreichte, sah auch ich was gemeint war. Wir trafen die Royale Wandergruppe erneut und auch diese hatten  uns schon entdeckt und winkten uns freudig zu.

Als wir die Hütte schließlich erreichten wurden wir nett begrüßt und eine Frau dieser Gruppe, zog uns gleich zu den Schränken in der Küche, um uns all die Lebensmittle zu übereignen, die sie nicht mehr benötigten, denn sie waren im Begriff diese Unterkunft zu verlassen.IMG_1028

Mehr als über das Essen war ich erfreut, dass wir solch einen positiven Eindruck hinterlassen hatten, und man sich ehrlich freute uns wieder zu treffen. Über andere Wanderer die man in den letzten Tagen getroffen hatte, stöhnte man ein wenig.

Nachdem die Gruppe die Hütte verlassen hatte, bereiteten wir uns in der Hütte aus und wollten einen gemütlichen Nachmittag beginnen. Doch es war Wochenende und diese Hütte lag nah an einer Straße. So kam es, das mehr und mehr Leute auftauchten und sich die Hütte zusehends füllte. Peter wurde es alsbald zu viel und so fragte er mich, ob wir nicht zu einer anderen Hütte gehen sollte. Sie wäre gerade mal den Berg hinunter ins andere Tal. Ich meinte warum nicht und so packten wir und begannen die Wanderung ins Tal.

Da wir für diese Strecke an der Straße entlang liefen, kamen wir wirklich schnell und ohne Probleme vorwärts.

Als wir die andere Hütte erreichten, kamen schnell Zweifel auf, ob unser Vorgehen gut gewesen war. Denn die Hütte war verschlossen und schaute man durch die Fenster, war sie zu sehr als Wohnung eingerichtet anstatt als Wanderhütte. Wir fanden nicht wirklich eine Erklärung dafür und so ging Peter zu einem ganz in der Nähe gelegenen Bauernhof.

Irgendwann rief er mich nach und nun erfuhr auch ich, dass diese Hütte schon vor vielen Jahren verkauft worden war und nichtmehr als Wanderer Hütte zur Verfügung stand. Nun war guter Rat teuer, denn es war mittlerweile schon spät und eine andere Hütte gab es weit und breit nicht. Nur jene oben in den Bergen und für einen Aufstieg war es zu spät.

So blieb uns nichts anderes übrig, als über die Hauptstraße in Richtung Bahnhof zu laufen, was wohl eine Wegstecke von 60 Kilometer waren. Zu allem Überfluss begann es nun dunkel zu werden und ein leichter Regen setze auch ein.

IMG_1030Während wir etwas lustlos über die Straße trotteten, begannen über ein Biwak nachzudenken, doch das Gebiet neben der Straße lud auf Grund des dichten Bewuchs und seiner Feuchte nicht wirklich zu einer Nächtigung ein.

Irgendwann gegen Mitternacht kamen Lichter eines Fahrzeugs näher und diese hielten dann auch noch direkt bei  uns. Es war eine Bekannte des Bauern, bei dem wir die Information zur Wanderhütte erhalten hatte. Sie hatten mit dem Norwegischen Wanderverein telefoniert und mit ihnen abgesprochen, dass wir im örtlichen Vereinshaus nächtigen dürften und wir das Geld für diese Übernachtung vom Wanderverein zurück bekämen.

So kamen wir auch in dieser Nacht zu einer netten Schlafstätte und konnten wirklich sagen, dass dies ein ereignisreicher Tag gewesen war. Zudem genoss ich die freundliche Unterstützung die uns die Leute hier hatten angedeihen lassen.

Am nächsten Tag beendeten wir unsere Wanderung. Doch hieß es noch immer irgendwie bis zum Bahnhof zu kommen. Wir versuchten es als Tramper, was sich als wirklich schwierig herausstellte. Doch nach rund 6 Std. nahm uns jemand mit und wir erreichten noch bei Tageslicht unser angestrebtes Ziel.

In der Nähe des Bahnhofes gab es eine Wanderhütte und diese Nutzen wir zur Nächtigung, bis wir am kommenden Tag den Zug besteigen wollten. Die Nacht in der Hütte war dann nicht so angenehm. Eine große Gruppe von Schweden hatte sich eingenistet und diese hatten die Schlafräume in Männer und Frauen Unterkünfte aufgeteilt, was dumm war, denn es gab nur eine Frau und die Männer sollten sich in einem Raum stapeln.

Auch wenn ich mich diesem Ansinnen beugte, Peter tat es nicht, denn es gab keine Frauen- oder Männerschlafräume. So musste er sich am kommenden Tag zwar komische Blicke gefallen lassen, doch ihn ließ es kalt.

Ich selber hatte meine Nacht zwar im Schlafraum für Männer begonnen, doch bei 6 Leuten in einem wirklich kleinen Raum und ohne geöffnete Fenster wurde es so war, dass ich es alsbald nicht mehr aushielt. Ich packte meinen Schafsack und noch mich auf die Veranda der Hütte zurück und dort schlief ich dann wirklich ausgesprochen angenehm.

Bevor wir den Zug für unsere Fahrt nach Bodø bestiegen, blieb uns noch reichlich Zeit. Diese nutzten wir, um uns in einem, in der Nähe gelegenen Hotel, eine ordentliche Dusche zu gönnen. Diese war zwar zu bezahlen, doch es war es wert, mal wieder warmes Wasser auf der Haut spüren zu dürfen. In diesem Moment stellte sich wirklich ein Glücksgefühl über die Segnungen eines modernen Lebens ein.

Die Zugfahrt zurück nach Bodø war angenehm und mit ihr endete dieser Ausflug in die norwegische Wildnis und auch die Wege von Peter und mir trennten sich. Ich war wirklich etwas wehmütig, denn diese Tour war wirklich schön gewesen. Doch verschand bald diese Wehmut, denn die schönen positiven Eindrücke dieser Tour  schwangen noch lange in mir nach.

Australien – … und wie schusselig kann man sein?

20070508_110600 Bevor ich nach Australien aufbrach erzählte ich einem Kollegen, dass ich mit dem Indian-Pacific, dem Zug, der Sydney mit Perth verbindet, fahren würde und ich beabsichtige in paar Tage in Perth zu bleiben.
Er fragte mich, wann ich in Perth ankommen würde und da ich die Fahrt schon gebucht hatte, konnte ich ihm den Termin sogar geben. Ich wusste zwar, dass er einen Bruder in Perth hatte, doch irgendwie hatte ich dieser Tatsache keine sonderliche Bedeutung beigemessen.

Als ich nach einer rund 70stündigen Fahrt in Perth ankam und am Gleis stand und mich mit einem anderen Deutschen unterhielt, denn wir mussten wie im Flughafen auf unser Gepäck warten, wurden wir von einem Mann angesprochen, der uns fragte, ob wir einen Herrn …. kennen würden. Ich gebe zu, richtig verstanden hatte ich den Namen nicht und trotzdem meinte ich „Nein, kenne ich nicht“. Doch irgendwie war mir der Name bekannt vorgekommen und so lief ich dem Mann  hinterher und fragte erneut wen ersuche. Wen wundert’s, es stellte sich heraus, dass er mich gesucht hatte. Wie ich nun  erfuhr, war es der Bruder meines Kollegen. Er holte mich hier ab und lud mich und den anderen Deutschen, den ich bis zu meiner Unterhaltung am Bahnsteig nicht kannte, zu sich ein. Ich war wahrlich überrascht und zugleich sehr erfreut.

Am ersten Tag unseres Aufenthaltes machte man sich die Mühe und stellte uns etwas Perth und seine Umgebung vor. Auf solch eine angenehme Art und Weise diese Region kennenzulernen hatte ich wirklich nicht gerechnet und so genoss ich es aus vollen Zügen.

20070509_044801Am Tag darauf starteten wir unsere eigene Erkundung der Stadt und ich stellte fest, dass sie mir gefiel. Auch wenn die Innenstadt durch Hochhäuser dominiert war, fühlte ich mich nicht so erschlagen und obwohl es die größte Stadt der australischen Westküste war, kam mir Perth  trotzdem nicht wie ein Tiegel aus Stress und Geschäftigkeit vor. Alles schien ruhiger und entspannter abzulaufen.

Das grandiose Wetter nutzen wir auch, um einen Ausflug nach Frementle zu unternehmen. Dabei lockte uns die Aussicht eines der kulturellen Zentren Perth zu erkunden und frische Seeluft schnuppern zu können. Dass es dort auch eine sehr ansprechende Architektur und Sehenswürdigkeiten gab, lernten wir erst vor Ort. Auf jeden Fall wurde es ein Tag den voll und ganz genossen.

Völlig entspannt und beeindruckt von den Sehenswürdigkeiten, nahmen wir irgendwann die Rückfahrt in Angriff. Wir wollten noch bei Tageslicht den Kings Park (englischer sprachiger Link) erreichen, den von dort hatte man einen grandiosen Blick auf Perth.

Wir hatten gerade die Innenstadt erreicht und waren ein paar Minuten gelaufen, als sich bei mir ein Gefühl etwas zu vermissen einstellte. Ich konnte es aber nicht wirklich mit Fakten untermauern. Also grübelte und grübelte ich, bis es mir plötzlich aufging was ich vermisste. Es war meine Fototasche. Diese Erkenntnis zuckte wie ein Blitz durch meine Gedanken mit der Erkenntnis, dass ich keinerlei Erinnerung daran hatte, wo ich sie hatte stehen lassen. Es konnte irgendwo in Frementle gewesen sein, aber auch in der Bahn. Ich hatte keine Ahnung.

20070508_030149 Schließlich nahm ich einfach einmal an, dass ich die Tasche in der Bahn vergessen hatte, denn dies war erst einmal die einfachste Möglichkeit mit der Suche zu beginnen. Dazu ging es zurück zum Bahnhof und auf direktem Wege zur “Bahnpolizei”

Dort erzählte ich von meinem Ungemach und man nahm sich auch gleich meinem Problem an. Es vergingen quälend lange 3 Stunden, bis erste Nachrichten eintrudeln. Es stellte sich heraus, dass jemand etwas gefunden hatte. Ob, es meine Tasche war, vermochte man nicht zu sagen. Der Finder hatte die Tasche nämlich nicht der “Polizei” aushändigen wollen. Man traute ihr nicht. Hatte sie stattdessen nach Hause mitgenommen.

Ich stellte mir nun die Frage, ob und wie wir zu diesem Finder gelangen konnten, um zu prüfen, ob es denn meine Tasche sei und auch hier war die “Polizei” hilfreich. Man brachte uns mit einem Dienstfahrzeug zum Haus des Finders. Welch eine großzügige Geste.

Es stellte sich heraus, dass eine Frau tatsächlich meine Tasche gefunden hatte und mir viel mehr als nur ein Stein vom Herzen, denn nun  bemerkte ich auch, dass ich an diesem Tag sogar meinen Geldbeutel und all meine Dokumente in dieser Tasche verstaut hatte. Was für ein Glück ich hatte wurde mir erst jetzt vollends bewusst und ich war all den Helfern mehr als dankbar. Die Finderin wollte lediglich ein Wort des Dankes akzeptieren, was ich ihr aus vollem Herzen auch gab.

Etwas leid tat mir die Frau, denn sie hatte wegen meiner Tasche etwas Ärger bekommen. Denn ihr Vater arbeitete für die Bahngesellschaft und er hatte kein Verständnis dafür gehabt, dass sie der “Polizei” (eine private Sicherheitsfirma) nicht getraut hatte und liebe selber meine Tasche in Verwahrung genommen hatte.

Als wäre ich heute nicht schon von Glücksmomenten überhäuft worden, wurden wir sogar noch zu unseren Gastgebern zurück gefahren.

IMG_1012 Am kommenden Tag ging es nach „Rottnest Island„. Eine kleine Insel vor der Küste Perths, welche für Tagesausflügler sehr beliebt ist und es Tiere und Natur zu Hauf zum Genießen gibt.

Da dort Kraftfahrzeuge verboten waren war man auf seine Beine oder die angebotenen Fahrräder angewiesen. Wir entschieden uns Fahrräder zu mieten und die Insel auf diesem Wege zu erkunden. So entdeckten wir hübsche Strände, herrliche Dünen, felsige Küstenabschnitte aber auch seine tierischen Bewohner die Quokkas, eine besonders kleine Art von Kängurus.

IMG_1016 Alles in allem ließ sich der Tag wirklich genießen. Wir hatten uns bis an das eine Ende der Insel vorgearbeitet, als es hieß die Rückfahrt anzutreten, denn die Fähre wartete nicht auf uns, um wieder zum Festland zurückzugelangen.

Wir waren gerade losgefahren, als mir eine der Pedalen am Rad abbrach.  Ich schaute ziemlich dumm aus der Wäsche, denn wie sollte ich mit nur einer Pedale am Rad fahren und zudem rechtzeitig die Fähre erreichen. Es blieb mir nichts anderes übrig, als mit nur einer Pedale Fahrrad zu fahren. Es ging erstaunlich gut und wir überholten sogar andere Radfahrer.

Beim Radverleih angelangt, zeigte nur die Pedale und das Rad und schon meinte man, ich würde meine Radmiete zurückerstattet bekommen. Da war ich aber platt. Kein Diskutieren, ein Argumentieren, einfach so wurde mir das Geld erstattet. Ich fand es nett und großzügig.

IMG_1009 So hatte dieser Ausflug, trotz des Ungemach ein positives Ende gefunden.

Der folgende Tag stand im Zeiten meiner Abreise aus Perth. Es sollte zurück nach Melbourne gehe, von wo ich meine Heimreise antreten würde.

Zum Flughafen wurde ich von meinen Gastgebern gebracht was ich wirklich als eine sehr nette Geste empfand. Am Flughafen angelangt wurde ich aus dem Fahrzeug entlassen und man fragte mich „Andre, hast du auch alles“. Ich schaute mich im Fahrzeug um und meinte „Ja, ich habe alles“.

So ging ich in den Flughafen und meine Gastgeber fuhren zurück in die Stadt.

Ohne mich lange aufzuhalten, ging ich an den Schalter meiner Fluggesellschaft, um mich alle Formalitäten zu erledigen. Schon auf dem Weg dort hin, fühlte ich mich etwas Unwohl und es beschlich mich das Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Als ich schließlich am Schalter angelangt war, wusste ich was es war. Ich hatte meine  Fototasche irgendwo vergessen. Ich war mir sicher, dass sie im Fahrzeug war. Doch diese Erkenntnis nutzte mir nun nichts, denn ich konnte meine Gastgeber nicht mehr erreichen. So blieb mir nichts anderes übrig, als zu einem späteren Zeitpunkt Kontakt mit ihnen aufzunehmen und zu versuchen die Tasche wieder zu erhalten.

Da ich in Melbourne aber noch fotografieren wollte, kaufte ich mir im zollfreien Bereich einen Ersatzapparat, was mir aber nicht wirklich leicht viel, denn auch dieser kostete noch ein Sümmchen. Doch ich tröstete mich, dass ich auch noch meinen restlichen Urlaub mit ein paar Aufnahmen festhalten konnte.

me010 In Melbourne hatte ich mich in eine Jugendherberge eingemietet von der aus ich einfach meine  Ausflüge in die Stadt koordinieren und durchführen konnte.

Während einer dieser Ausflüge verschlug es mich einmal in eine Post, denn es galt noch ein paar Postkarten zu versenden. Nach diesem Vorhaben erkundete ich einen Supermarkt, der sich im selben Gebäude wie die Post befand. Während ich nun zwischen den Lebensmittelregalen umherstreifte, stellte sich erneut das Gefühl des Verlustes ein.

Ich musste nicht lange nachdenken oder Grübeln was die Ursache war. Mein Fotoapparat war weg.

me040 Mir war gleich klar, dass ich ihn wohl in der Post hatte liegen lassen. Also ging es auf direktem Wege zurück. Ich hoffe wirklich inständig, dass ich ihn finden würde, denn noch einen Verlust wollte ich nicht wirklich hinnehmen wollen.

Doch auch dieses Mal war mir das Glück hold. Der Apparat lag noch genau an jener Stelle, an der ich ihn zurückgelassen hatte. Ich schwor mir nun wirklich bessere auf meine Sachen aufzupassen und zuzusehen, dass mir so etwas nicht nochmal passierte. Diese extreme Häufung von Missgeschicken in so wenigen Tagen, ließ mich wirklich an mir und meiner Gedächtnisleistung  zweifeln.

Ich war froh, dass ich es ab diesem Moment wirklich schaffte ohne jeden Weiteren Verlust bis nach Hause zu gelange, wenngleich dies nicht wirklich eine Leistung war, denn ich hatte gerade einmal 2 Tage zu überstehen.

Neuseeland – … und ich lebe noch – Der Fluss

Bisher hatte ich schon einiges an Widrigkeiten in meinen diversen Urlauben überstanden. Sei es das Laufen in ein Manövergebiet, in welchem gerade ein Manöver stattfindet, mit einem Ruderboot fast aufs offene Meer getrieben zu werden oder abzustürzen. Doch auf dieser Wanderung setzte ich allem die Krone auf, denn um ein Haar hätte sie ein jähes Ende gefunden.

Ich war mit dem Vorsatz nach Nelson, einem Küstenort im Norden der Südinsel Neuseelands, gefahren, um eine Wanderung auf dem ‚Abel Tasman Küstenwanderweg‘ durchzuführen.

IMG_0992 Als jedoch abends in meiner Herberge ein Diavortrag über diesen Wanderweg gezeigt wurde und der Witz die Runde machte, dass es auf ihm eine weiße Linie gäbe, damit die Wanderer, die in die eine Richtung liefen, nicht mit denen, die aus der anderen kämen, zusammenstoßen, änderte ich blitzschnell meine Ansicht und entschied mich, mir den ‚Nelson Lakes Nationalpark‘ näher anzusehen.

Über den Transport von Nelson zum Park brauchte ich mir nicht sonderlich viel Gedanken machen, denn diese Arbeit nahm John, der Besitzer der Herberge, einem ab.
Sehr zufrieden über meine Entscheidung, legte ich mich hin und schlief in dieser Nacht wie ein Stein, denn die Anreise nach Nelson war sehr anstrengend gewesen, da ich ohne Pause vom Süden der Insel bis hierher gereist war.

Am Morgen wurde die Ausrüstung für die Tour zusammengestellt und alle noch notwendigen Einkäufe getätigt.
Als alles erledigt war, hieß es nur noch auf den Bus zu warten. Er sollte mich und noch 8 weitere Wanderer zum Park bringen. Um die Mittagszeit war es schließlich soweit und nachdem alle Sachen in dem kleinen Bus verstaut waren, begann die etwa 1½ – 2 Std. dauernde Fahrt. Dass wir für etwa 110 km ’so lange‘ brauchten, hatte seinen besonderen Grund, denn die Busfahrerin betätigte sich gleichzeitig als Post- und Zeitungsbote.

Nach kurzer Fahrt hielt der Bus vor einem kleinen Geschäft. Hier sollte sich jeder noch einmal seinen größten Wunsch erfüllen können, bevor es endgültig los ging und wir in der Natur verschwanden.

Bei herrlichstem Wetter erreichten wir ‚St. Arnaud‘, den Ausgangsort für diese Tour.
Nach einem kurzen Besuch im ‚Visitor Office‘, in dem man sich für eine Tour anmeldet und hinterher auch abmeldete, stürmte ich voller Tatendrang los. Außerdem drängte die Zeit etwas, denn ich beabsichtigte heute noch bis zur ‚Bushline Hut‘ zu laufen, was bedeutete, einen etwa 3 Std. dauernden Marsch mit 1000 zu überwindenden Höhenmetern  zu absolvieren. Zu allem Überfluss war es gegen 18.20 Uhr völlig dunkel.

Der erste Teil des Weges war einfach, denn ich konnte anfangs die Spazierwege um den Lake Rotoiti und später eine Straße verwenden. Auf diese Weise überwand ich die ersten 300 Höhenmeter rasch.
Je höher ich kam, desto schöner wurde die Aussicht hinunter ins Tal. Als die Straße zu Ende war, ging es auf einem hervorragend ausgebauten Wanderweg weiter. Gegen 18 Uhr, zusammen mit dem Sonnenuntergang, erreichte ich den höchsten Punkt meiner Tagesetappe. Da ich mir nicht ganz schlüssig war, wie weit es noch bis zur Hütte sei, verschärfte ich mein Tempo, um ja nicht in die Dunkelheit zu kommen.

imageKurz vor Ende der Dämmerung erreichte ich die Hütte. Ich freute mich nun auf ein schönes warmes Feuer im Ofen, doch da es nur Kohle gab wurde nichts daraus, denn in dieser Hütte gab es kein Holz mit dessen Hilfe man die Kohle hätte zum Brennen bewegen können. Auch in dem kleinen angrenzenden Wald gab es außer Bäumen kein lose herumliegendes Stück Holz. Einen solch‘ aufgeräumten Wald hab‘ ich noch nie gesehen.

Etwa 1½ Std. nach mir traf noch eine dänische Wandergruppe ein. So wurde es ein geselliger Abend. Wir spielten Karten und unterhielten uns. Dadurch wurde es später als mir lieb sein konnte, denn ich brauchte meinen Schlaf für die Wanderung am nächsten Tag. Es war dann tatsächlich 23 Uhr, als ich in meinen Schlafsack schlüpfte.

Diese Wanderung  hatte mit Traumwetter begonnen, doch in der Nacht änderte es sich dramatisch. Es wurde wirklich sehr schlecht mit Regen und vor allem dichten Nebel.

IMG_0995Als ich am Morgen los lief, führte mich mein Weg durch solch einen dichten Nebel, dass ich nur 5 – 10 m weit sehen konnte. Darüber hinaus nieselte es und ein starker Wind riss mich hin und her.

Nach meiner Karte, führte der Weg über einen Bergrücken und nur dieses Wissen half mir, ihn zu finden. Markierungen gab es gerade einmal etwa alle 200-300m.
Bei gutem Wetter stellt das kein Problem dar, doch bei nur 10m Sicht wurde das Laufen zum Rätselraten.

Als der Weg schwieriger wurde, stieg der Nebel glücklicherweise etwas auf und ich sah, wo der Pfad entlang führte. Dies war außerordentlich praktisch denn zumeist führte der Wanderweg über Geröll und mit der gewonnen Sicht fiel mir das Laufen deutlich leichter.

Mehr als das Geröll machte mir der Wind zu schaffen, denn dieser kam mit solch starken Böhen einher, dass sie mich ab und zu umhauten und ich mich auf dem Boden wiederfand.

 

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Nach rund 3 Std. Fußweg erreichte ich die Angelus Hütte. Sie lag auf der Hälfte des heute zu bewältigenden Weges. Da sich der Nebel allerdings wieder zu senken begann und der Wind noch stärker wurde, entschied ich mich, die Wanderung für heute zu beenden, um später zu überlegen, was ich machen würde.

Etwa 4 Std. nach mir traf die dänische Gruppe und 2 Neuseeländer ein. Wie ich erfuhr waren die  Dänen in diesen Wetterverhältnissen in große Schwierigkeiten gekommen und sie hatten es nur den Neuseeländern zu verdanken, dass sie diese Hütte heil erreichten.

Den gesamten Nachmittag knobelte ich an einer anderen Variante meiner Wanderroute, doch durch mein sehr eng bemessenen Zeitrahmen kam ich zu keinem brauchbaren Ergebnis. Nach einem harten Kampf entschloss ich mich, meine Wanderung abzubrechen und von dieser Hütte ins Tal abzusteigen, um zurück nach St. Arnaud zu laufen.
Glücklich war ich über diesen Entschluss nicht, denn bisher hatte ich wegen des Wetters sämtliche Wanderungen in Neuseeland abbrechen müssen.

Nachdem ich mich für die Nacht hingelegt hatte, imagespürte ich, wie die Hütte durch den Wind förmlich hin- und her gerissen wurde. Das versöhnte mich etwas über meine Entscheidung die Wanderung zu beenden.

Als ich am Morgen erwachte und aus dem Fenster gegen eine Nebelwand blickte, fühlte ich mich in meiner Entscheidung noch einmal bestärkt. Zudem hatte der Wind nicht wirklich nach gelassen, dass das Risiko des weiter Laufens nochmals erhöht hätte.

Gegen ½10 geschah das große Wunder, der Wind flaute völlig ab und der Nebel stieg auf.
Nun sah ich das erste Mal, in welch‘ herrlicher Umgebung die Hütte lag. Durch dieses Wunder und die sagenhaft schöne Landschaft änderte ich schlagartig meine Meinung, was den weiteren Verlauf meiner Tour betraf. Ich wollte sie nun doch – wie geplant – fortsetzen.

Meine Mitbewohner staunten nicht schlecht, als sie mich packen und aufbrechen sahen.
imageEs war ½11 als ich los lief.

Anfangs führte mich mein Weg erneut über Geröll und die weiterhin nur spärlich angebrachten Markierungen erschwerten auch an diesem Tage das Laufen etwas. Schließlich führte der Pfad über einen schmalen Bergrücken und die Markierung wurde auch besser, so dass ich immer schneller vorwärts kam.

Nach etwa 2 Std. erreichte ich den höchsten Punkt dieses Tages. Nun folgte ein etwa 1000 Höhenmeter langer Abstieg. Die ersten 200 Höhenmeter waren einfach und es machte großen Spaß sie zu laufen.
Danach ging der Weg vom kargen Bergrücken in eine Wiese über. Doch wurde der Weg so glitschig, dass ich ständig ausrutschte und ich mich auf dem Hosenboden sitzend fand.

Schließlich verschwand der Weg im Busch und ich dachte das Laufen würde einfacher werden. Doch da ich täuschte ich mich gehörig. Von nun an schien der Weg fast Kerzen gerade den steilen Hang in Richtung Tal zu führen und dies über fast 700 Höhenmeter. Dies zehrte meine Beine wahrlich aus und das ewige wegrutschen und auf dem Hinterteil landend, brachte mir wirklich ein schmerzendes Steißbein ein. Ich gebe zu, ich begann alsbald wie ein Droschkenkutscher zu fluchen, doch half es nicht, nicht ständig wegzurutschen.

Als ich die Sabine Hütte erreichte, merkte ich, was meine Beine geleistet hatten, denn sie schmerzten und zitterten ohne Unterlass.

Mittlerweile war es 14 Uhr und ich nahm mit Missvergnügen zu Kenntnis, dass mir die Zeit davon zu laufen drohte. Mir stand nämlich noch ein etwa 4 Std. langer Marsch bevor, und dass wo es um 17.30 Uhr begann dunkel zu werden. Dennoch gönnte ich mir rund eine ½ Stunde Pause, bevor ich weiter lief.

In der Hütte traf ich eine verletzte Person an. Sie hatte auf der Wanderung ein Bein verletzt und nun waren Freunde unterwegs, um Hilfe zu holen. Diese Geschichte hörte sich wirklich beängstigend an.

IMG_0999Trotz der aufkommenden Müdigkeit in meinen Beinen, legte ich im weiteren Verlauf der Wanderung ein hohes Tempo vor. Erleichtert wurde das Laufen, dass der Weg lediglich durch ein Tal führte und nicht wirklich viele An- und Abstiege aufwies. Lediglich ab und zu mussten Baumstämme entlang balanciert werden, doch auch das verringerte mein durchschnittliches Tempo nur unwesentlich.

All‘ meine Bemühungen, noch rechtzeitig vor dem Einbruch der Dunkelheit bis zur Hütte zu kommen, halfen nichts. Schließlich brach die Dämmerung doch herein und ich musste mich bemühen im Abnehmenden Licht den Pfad noch zu erkennen, oder die Markierungen zu finden.

Im letzten Tageslicht entdeckte ich ein Schild, welches mir verhieß, dass es noch 10 Min. bis zur Brücke seien. Mit Hilfe dieser Brücke sollte ich den Fluss, der durch dieses Tal floss, überwinden können, um die Hütten zu erreichen.

Zur näheren Information muss gesagt werden, dass sich die beiden Hütten, die für mich als Tagesziel in Frage kamen auf der gegenüberliegenden Flussseite lagen und sich die angekündigte Brücke genau zwischen diesen Hütten befand. Laut Karte lagen die Hütten etwa 400 Meter auseinander.

Auf meinem weiteren Weg, entdeckte ich die ersten Lichter auf der anderen Flussseite und ich vermutete es sei die erste Hütte sei und somit die Brücke nicht mehr weit entfernt.

Mittlerweile war es so dunkel geworden, dass ich auf meine Taschenlampe zurückgreifen musste, um mich überhaupt noch im Bush zurecht zu finden. Ich arbeitet mich auf diese Weise durch das Unterholz und da ich mit verstreichender Zeit den Übergang nicht gefunden hatte, machte ich mir wirklich Sorge ihn überhaupt noch zu finden. Zu allem Überfluss blieb ich schließlich  noch im Unterholz stecken und kam nicht mehr wirklich vorwärts. Mir blieb nur der Rückzug als Option übrig, den ich dazu nutze weiter nach der Brücke zu suchen. Doch ich mochte mich anstrengen wie ich wollte, ich fand sie einfach nicht.

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Es war mittlerweile so dunkel, dass nur noch der Kegel meiner Taschenlampe die Umgebung erhellte. Dies lies mich etwas unruhig werden, zudem wusste ich, dass die Nacht eher kalt sein würde und die Nächtigung in einer Hütte eindeutig zu bevorzugen sei.

So keimte in mir die Idee auf, die Suche nach der Brücke aufzugeben und es mit einer Querung des Flusses zu versuche. Da dieser auf mich nicht so wild wirkte wurde mir diese Idee zusehends sympathischer. Ich gebe zu ein gewisses Unbehagen blieb. So ging ich zum Ufer, entdeckte die Lichter einer Hütte auf der anderen Uferseite und da war für mich klar, dass ich mich durch den  Fluss arbeiten würde.

Mir war schon klar, dass dies ein trickreiches Unterfangen sein würde und so überlegte ich, was ich alles zum Thema Fluss Durchquerung gelesen hatte und setzte all die guten Ratschläge um – Ich gebe zu, in keinem Buch hat gestanden in der Nacht einen Bergfluss zu durchqueren.

Schon mit dem ersten Schritt in den Fluss verschwand ich bis zur Hälfte meiner Oberschenkel im Wasser. Obwohl ich mich noch nahe beim Ufer befand, spürte ich die Macht der Strömung und ahnte, was noch auf mich zukommen sollte.

Mit winzigen Schrittchen arbeitete ich mich weiter. Einen einigermaßen guten Halt hatte ich ohnehin nur, da mein rechtes Bein mit seiner Innenseite an einen großen Stein gepresst wurde.
Und trotzdem riss mir wie aus heiterem Himmel die Strömung die Beine weg. Mein Rucksack saugte sich sofort voll Wasser und zog mich unaufhörlich auf den Grund des Flusses. Während ich tiefer und tiefer in der Strömung verschwand, wurde mit der Gewalt des Wassers weiter gerissen und ich war nur noch ein Spielball der Elemente.

Während ich durch den eiskalten Bergfluss hilflos davon gerissen wurde und verzweifelt versuchte an Luft zu kommen, dachte ich schon, es wäre mit mir aus. So nah, wie in diesem Moment fühlte mich noch nie dem Tode. Doch anstatt in Panik zu verfallen, wurde mein Denken immer klarer. So konnte ich mich schließlich darauf konzentrieren, das umzusetzen was ich gelesen hatte, was in solch einer Situation zu machen sei.

Ich musste mich von meinem Rucksack befreien, der mich wie ein Stein auf den Grund des Flusses zog und ihn davon schwimmen lassen, um mich auf meine Rettung konzentrieren zu können.

Es bedurfte einiger Mühen, um aus dem Geschirr zu klettern, denn ich kämpfte noch immer um Luft und die Strömung spielte gnadenlos mit mir.

Als ich mich schließlich vom Rucksack befreit hatte, ging es darum ihn loszulassen und mich zu retten. Doch der Rucksack begann zu schwimmen und so hielt ich ihn einfach erst einmal fest und versuchte mit ihm ans Ufer zu gelangen.

Wie weit ich getrieben worden war, Weiß ich nicht mehr ich erinnere mich nur, dass ich irgendwann den Grund des Flusses unter mir fühlte und trotzdem noch mit meinem Kopf über dem  Wasser war. Auch das Ufer war zum greifen nah gekommen.

An dieser Stelle saß ich dann erst einmal eine Weile und versuchte meine Gedanken zu sortieren und mir klar darüber zu werden wie knapp ich gerade einer Katastrophe entgangen war. Da dies aber nicht der beste Ort war, stand ich auf. Das war aber schwieriger als gedacht, denn alle meine Taschen waren volle Wasser und jedes Stück Bekleidung war vollgesaugt. Auch wen ich so schon zu kämpfen hatte, der Rucksack machte es mir noch schwerer. Dieser war so vollgesaugt, dass er nun ein vielfaches seines Gewichtes aufwies. So zog ich ihn erst mal hinter mir her und kletterte über die Uferböschung auf sicheren Boden.

Ich fühle mich wie der sprichwörtlich begossene Pudel. Um mich bildete sich eine gewaltige Wasserlache, so viel Flüssigkeit ergoss sich aus dem Rucksack und meinen Taschen.

Völlig durchnässt, zitternd und etwas verwirrt machte ich mich auf dem Weg zur Hütte, denn der Fluss hatte mich glücklicher Weise auf Seite mit der Unterkunft entlassen. Mit Erleichterung stellte ich fest, dass die Bleibe für die kommende Nacht nicht weit entfernt lag.

Nach dem Erreichen der Unterkunft stand zumindest mir für die Nacht eine Schlafstätte zur Verfügung. Doch eine besonders angenehme Nacht sollte es leider nicht werden.

Durch mein unfreiwilliges Bad war alles, ja wirklich alles Nass. Vom Essen, über die Kleidung bis hin zum Schlafsack, kein einziges Teil war verschont geblieben. So war ich froh, als ich ein T-Shirt und eine Turnhose fand, die nicht ganz so durchnässt war wie der Rest.

Eigentlich hätte ich diese Hütte gut nutzen können, um alles zu trocknen, doch daraus wurde nichts. Die Vorbewohner der Hütte hatten sämtliches trockenes Holz verbraucht und weder neues gehackt oder gar getrocknet. So blieb es mir und den anderen  Mitbewohnern verwehrt die Hütte in ein warmes Heim zu verwandeln.

Was meine Mitbewohner im allgemeinen anging, so nahmen sie an meinem Schicksal nicht wirklich Anteil. Ich musste selber sehen wie ich mich an diesem Abend versorgte. So gab es nasses Essen, welches ich auch nicht erhitzen konnte, da mein Kocher das Bad nicht verkraftet hatte. Und die Nacht wurde dank des nassen Schlafsacks ebenfalls ein feuchtes Erlebnis. Es tröstete mich dabei auch wenig, dass ein synthetischer Schlafsack, wie der meinige, selbst wenn er feucht ist, noch eine gewisse Wärmeleistung erbringt, was bei einem Daunenschlafsack wohl nicht der Fall sein sollte. Ich fror und alles fühlte sich feucht an.

Ich gebe zu, dass selbst wenn der Schlafsack trocken und warm gewesen wäre, hätte ich Schlafprobleme gehabt, denn meine Gedanken kreisten unaufhörlich um meinen Unfall und so war an Schlaf kaum zu denken. Irgendwann musste ich dann aber doch eingeschlafen sein.

Als ich am Morgen erwachte, fror ich etwas, obwohl mein Schlafsack mittlerweile von der Innenseite trocken war. Sogleich versuchte ich erneut Feuer zu machen, doch all‘ meine Bemühungen waren vergebens, da das Holz einfach nur durch und durch nass war.

Ursprünglich hatte ich überlegt in dieser Hütte zu bleiben, um meine Sachen zu trocknen, doch da es keinerlei Aussicht gab, Feuer erhalten, entschloss ich mich, den Rückweg anzutreten.

Diesen Wandertag bestritt ich dieses Mal nicht alleine, sondern ich schloss mich einem dänischen Jungen an, der die selbe Strecke zurücklegen wollte wie ich.

Nachdem wir aufgebrochen waren, beschäftigte mich erst einmal die Frage nach der Brücke, die ich am vergangen Abend nicht gefunden hatte. Sie bei Tageslicht zu finden stellte nicht wirklich ein Problem dar, doch wollte ich ergründen warum ich zuvor nicht gefunden hatte. Die Lösung war so einfach. Die Brücke war recht dunkel und schwebte nur kurz über der Wasseroberfläche. Doch das eigentliche Problem war, dass das Hinweisschild auf die Brücke durch einen Busch verdeckt war und ich hinter dem Busch entlang gelaufen war und somit den Hinweis nicht entdecken konnte.

Ich überlegte kurz, ob ich mich über mich ärgern sollte, doch warum, passiert war passiert und letztlich war ich an dem Unfall ganz alleine schuld gewesen. Also nahm ich es hin wie es war und setzte den Wanderweg einfach nur fort.

Der Rückweg verlief äußerst unspektakulär. Gelegentlich blieben wir stehen und bewunderten die Berge. Da es in der Nacht geschneit hatte und etwas die Sonne schien war es besonders schön.

Bei den Kletterpartien über die diversen Bachläufe und den Bachdurchquerungen ermunterten wir uns gegenseitig oder halfen uns, so dass wir sehr zügig unser Ziel die Sabine Hütte erreichten.

Vor uns war eine Gruppe von Engländern eingetroffen, die ordentlich eingeheizt hatten und so fand ich mich in einer kuschelig warmen Unterkunft wieder. Ich nutze den Umstand sofort und packte all meine Sachen aus und begann alles zu trockenen. Nach sehr kurzer Zeit war ich dann wieder Besitzer einer vollständig getrockneten Ausrüstung. Ich freute mich sehr darüber, war aber noch immer etwas verstimmt, dass die Gedankenlosigkeit von Wanderern mir in der letzten Hütte diesen Luxus verwehrt hatte.

Der restliche Nachmittag verlief beschaulich. Es wurde Essen gekocht, Tagebuch geschrieben oder gelegentlich Holz gehackt. Etwa gegen 19 Uhr
erreichte noch eine Gruppe unsere Hütte. Das war ein wenig unangenehm, denn hier gab es nicht so viele Liegeplätze. Nun musste ganz schön zusammengerückt werden.

Während die anderen sich ausbreiteten, knobelten Peter (der Däne) und ich über den möglichen Rückweg nach St. Arnaud. Nach einigem hin und her entschieden wir uns zwar für den deutlich längeren Weg, doch waren keine all zu große Höhenunterschiede zu überwinden.

Die Nacht war sehr unruhig und ich war froh, als es Morgen war und ich aufstehen konnte. Peter und ich brachen an diesem Tag, der im übrigen sehr schön zu werden schien, als erste auf.

Wir ließen uns beim Gehen sehr viel Zeit, da wir unbedingt vermeiden wollten zu Schwitzen. Wir mussten nämlich noch bis auf 1.100m aufsteigen und dort befand sich die Schneegrenze und es würde durchaus frisch sein.

Der erste Teil unseres Weges war durchaus als steil zu bezeichnen, doch je höher wir kamen um so flacher wurde er und der Weg lud zu einem angenehmen Laufen ein.

Kleinere Probleme hatten wir nur, wenn der Weg durch Holzbohlen befestigt worden war, denn auf dem Holz hatte sich zumeist eine dünne Eisschicht gebildet, die das Laufen nicht wirklich erleichterte.  Neben diesen Unannehmlichkeiten bereitete der Schlamm, in dem wir regelmäßig versanken, so seine Probleme.

Dennoch erreichten wir, viel schneller als erwartet, die Howard Schutzhütte. Dies lies in uns die Entscheidung reifen, nicht wie geplant nur bis zur Speargrass Hütte zu laufen, sondern gleich direkt nach St. Arnaud. Auch wenn dies eine deutliche Verlängerung unserer Tagesetappe war, wollten wir es so machen und daran hinderte uns auch nicht der viele Schlamm, der Schnee, Eis oder die Kälte.

Als wir schließlich die Speargrass Hütte erreichten, war es der rechte Zeitpunkt, um uns ein ausgiebiges Mahl zu gönnen und uns zu erholen. Während dieser Zeit überholte uns die Gruppe von Engländern, die wir in der letzten Hütte kennengelernt hatten. Auch sie wollten heute noch St. Arnaud erreichen.

Sie hatten es wesentlich eiliger als wir und so ergab sich nicht wirklich die Möglichkeit zu einem kleinen Plausch, dennoch freuten wir uns, uns am Abend womöglich wiederzusehen.

Nachdem wir uns im Hüttenbuch verewigt hatten, machten auch wir uns auf den weiteren weg. Dieser führte nun ausschließlich durch ein Tal und folgte dem dort fließenden Fluss. Das Laufen war das reinste Vergnügen und ich würde ihn in die Kategorie ‚Genuss Strecke‘ einreihen.

Der Weg verlangte uns lediglich an jenen Stellen ein mehr an Konzentration ab, wo der Fluss den Wanderweg teilweise weg gespült hatte, oder dieser überhaupt nicht mehr existent war.

Guter Dinge erreichten wir nach 10 Std. Marsch die Unterkunft in St. Arnaud.
Nun dachten wir, wir hätten keine Probleme mehr, doch leider zeigte sich der Manager unserer Unterkunft als nicht wirklich nett.

Er vermietete uns nämlich 2 Betten für die Nacht, doch wie wir feststellen konnten, gab es nur noch ein Bett. So sollte einer von uns beiden auf dem Boden schlafen.

All unsere Bemühungen, ihm zumindest einen Preisnachlass abzuringen waren vergebens. Er bot uns statt dessen an, die Herberge zu verlassen, obwohl er genau wusste, dass es keine andere Unterkunftsmöglichkeit gab.

Uns blieb also nichts anderes übrig, als in den sauren Apfel zu beißen, den vollen Betrag zu bezahlen und mit dem Boden vorlieb zu nehmen.

Am nächsten Tag ging ich vor der Abfahrt des Busses noch zum Touristen Büro und meldete Peter und mich aus dem Park zurück. Ich war wirklich froh, dass ich diese Handlung noch durchführen konnte.

Bevor ich den Bus für die Fahrt zurück nach Nelson besteigen konnte, hatte ich noch eine kleine Unterhaltung mit dem Fahrer zu führen, denn  ich hatte meine Fahrkarte verloren. Ohne Probleme und ohne erneut zur Kasse gebeten zu werden, durfte ich mitfahren. (Diese großzügige Verhalten war eher typisch neuseeländisch und nicht die Abzocke des Managers).

Nach 1½stündiger Fahrt erreichten wir Nelson.

Trotz all der Widrigkeiten und meines Unfalles, ist mir diese Wanderung nicht unangenehm in Erinnerung. Sie hatte mir nämlich all‘ meine Unzulänglichkeiten aufgezeigt und wird mir helfen, zukünftig wohl vorsichtiger zu sein. So hoffe ich jedenfalls, denn bislang ließ ich auf meinen Touren nicht wirklich jeden Fettnäpfchen aus, in den man treten konnte.

Norwegen – … und ich lebe noch – Gefahr von oben

i0080 Dieses Erlebnis hat sich erneut in Norwegen zugetragen.

Es sollte nur ein kurzer Urlaub in Mittel-Norwegen sein. Ich wollte den Snøhetta besteigen und den Herbst in den Bergen erleben, denn diese Zeit in den norwegischen Bergen ist einfach nur wunder schön. Die Bäume und vor allem die Moose leuchten in herrlichen Farben, so dass einem der  Atem stockt.

Ich hatte wahrlich eine schöne Zeit im Nationalpark. Meistens war ich alleine und konnte somit die herrliche Natur und Ruhe in vollen Zügen genießen. Auch die Besteigung des Snøhetta war ein schöner Erfolg. Es war zwar sehr windig und kalt auf dem Gipfel gewesen, doch die Aussicht und der herrliche Blick über die Landschaft ließ mich diese Widrigkeiten vergessen.

An meinem letzten Abend im Nationalpark lernte ich sogar noch einen Jäger kennen. Er jagte Elche.

So eine Jagt hat es in sich und man muss sich alles hart erarbeiten, denn man konnte nicht mit einem Fahrzeug einfach an das gejagte Tier heranfahren und es abtransportieren. Der Jäger musste alles via Rucksack durch den Park bis zu seinem Fahrzeug tragen. Unter Umständen durfte er den Weg mehr als einmal zurücklegen. In Falle dieses Jägers brauchte er einen ganzen Tag, um bis an den Rand des Parks, wo sich sein Auto befand.

Ich erzählte dem Jäger, dass ich am nächsten Tag den Nationalpark verließ um zurück zu meinem Ausgangspunkt zu gelangen und dazu zeigte ich ihm meine geplante Wanderroute. Er meinte daraufhin, dass ich zwar den richtigen Weg nähme (es war der offizielle Wanderweg), doch teilte er mir mit, dass ich den Weg abkürzen könnte.
Die Abkürzung, die er mir zeigte, sollte mir etwa einen halben Tag Zeitersparnis einbringen. i0076Das einzige Problem war, dass diese Alternative, mich durch ein Manöver der Armee führen sollte.

Ich sagte dem Jäger, dass der Weg durch ein Manövergebiet führt. Er erklärte daraufhin, dass jeder durch dieses Gebiet läuft, um den Weg abzukürzen. So entschloss auch ich mich, diese Abkürzung zu verwenden.

Als ich am Morgen loslief war es nicht so ruhig wie sonst. Eigentlich war ich nur gewöhnt den Wind und Wasser zu hören, doch an diesem Tag mischte sich leicht Geräusche von Maschinen  dazwischen. Woher diese Geräusche kamen, konnte ich nicht ermitteln und so ignorierte ich es.

Ich erreichte alsbald das Manöver Gebiet. Dort lass ich die Warnschilder, doch ich vertraute noch der Aussage des Jägers, dass es keine Problem sei und betrat das Gebiet.

Ich kam trotz Morastigem Untergrund, der mich regelmäßig bis zu den Knöcheln einsinken lies wirklich gut vorwärts und ich freute mich über den Zeitgewin.

Doch plötzlich flog mit großem Lärm und ganz niedrig ein Düsenjet (Jet) fast über mich hinweg. Ich erschrak ganz schön. Doch so schnell der Flieger aufgetaucht war, war er auch schon wieder verschwunden.
Doch eh ich mich versah kam er wieder und dieses Mal noch niedriger als zuvor. Ich beobachtete ihn und staunte nicht schlecht, als er plötzlich etwas zu verlieren schien. Schnell merkte ich, dass er nichts verlor, sondern abwarf. Es waren wohl Bomben, denn als diese den Boden erreichten, gab es heftige Detonationen und die Erde unter mir schien zu beben.

Ich brauchte nun wirklich nicht lange, um zu erkennen, dass ein Weiterlaufen in das Gebiet hinein mehr als sträflich wäre. So drehte ich mich nur um, und versuchte so schnellst Möglich das Gebiet hinter mich zu bringen.

Während ich verzweifelt versuchte, durch den Morast vorwärts zu stapfen, kamen immer wieder Jets eingeflogen und hinterließen ihre Fracht. Mir wurde mit jedem Abwurf flauer in der Magengegend.

Schließlich hatte ich es geschafft. Ich war raus aus dem Manöver-Gebiet und wohl auch nicht zu spät, denn nun warf man wohl die dickeren Dinger ab, denn, obwohl ich mich zwischenzeitlich hinter einem Hügel befand, der mich vom Gebiet trennte, erwischte mich solch eine Schockwelle, dass ich mir nicht vorstellen mochte, wie es mir ergangen wäre, wenn ich näher gewesen wäre.

i0100

Ich musste mich nun erst einmal hinsetzten und das Erlebte verdauen, denn obwohl ich keine Angst gehabt hatte, fühlte ich mich in meiner Haut wahrlich nicht wohl. Es dauerte auch eine ganze Zeit, bis ich meinen Weg fortsetzte.

Auf dem weitern Fußmarsch schien es mir, als wolle sich jemand für den erlittenen Schock entschuldigen, denn die Sonne blitze zwischen den Wolken hervor und bestrich die ganze Landschaft mit ihrem herrlichen Licht, dass all die Moose, Gräser und Bäume in ihren herrlichen herbstlichen Farben zu leuchten begannen. Ich muss gestehen, dass mich dieser Anblick das Erlebte für einen Moment vergessen ließ.

Norwegen – … und ich lebe noch – Die Strömung

i0064 Während dieses Urlaubs fuhr ich in den Norden Norwegens. Dort gibt es die Inselgruppe der „Lofoten„. Sie sind auch heute noch ein kleiner Geheimtipp für Norwegenbesucher. Es gibt nicht viele solch landschaftlich reizfolle Gegenden in dieser Welt. Es gibt herrliche Strände und steile wild in den Himmel aus dem Meer ragende Berge. Die Menschen sind nett und die Häuser bunt. In einem schönen Sommer kann ich mir fast keinen schöneren Platz vorstellen an dem ich meine Zeit verbringen mag.

Um auf die Lofoten zu gelangen, war ich auf eine Fähre angewiesen, das so genannte Postschiff. Diese Schiffslinie verbindet den Süden Norwegen mit dem Norden. Neben seinem historischen Zwecke dem Transport von Post, Gütern und Lebensmitteln, sind die Hurtigruten heute für den Tourismus sehr bedeutend und auf jeden Fall eine Reise wert. Auch als Transportmittel, um die Küste abzuklappern und die verschiedenen Regionen zu erkunden, bietet sich diese Linie bestens an. Für mich war sie nur das Transportmittel, um von Bodø auf die Lofoten zu gelangen.

Die Überfahrt war erfreulich ruhig und so konnte ich die Reise ohne Seekrankheit überstehen und das kleine Fischerdorf, welches wir erreicht hatten von der ersten Minute an genießen.

Auf dem Weg zur Jugendherberge, vielen mir neben den vielen hübschen Häusern gleich die Gestelle ins Auge die es über all zu sehen gab. Dank div. Fernsehdokumentationen konnte ich sie relativ leicht identifizieren. Auf diesen Gestellen wurden Fische zum Trocknen auf gehangen und entwickelten sich dabei zu einem beliebten Lebensmittel, dem Stockfisch.

Bis zur Jugendherberge war es nur ein kurzer Spaziergang. Zu meiner Freude stelle ich fest, dass sich um eine der div. Fischerhütten handelte und dadurch mehr als freundlich und urtümlich auf mich wirkte. Ich freute mich gleich darauf mich hier einzuquartieren.

i0054Es war die Zeit der Mitternachtssonne. Dies bedeutete, dass es nie wirklich dunkel wurde. 24 Stunden am Tag gab es genügend Licht. Aus diesem Grunde schliefen die Besucher der Herberge zu sehr seltsamen Zeiten.
Meist standen sie erst gegen Mittag auf, dafür waren sie jedoch bis zum frühen Morgen mit verschiedensten Dingen beschäftigt. Für die Frischlinge in der Herberge, so wie mich, war dies etwas verwunderlich.

Eine der Beschäftigungen bestand darin, im Hafen Fische zu fangen, um sie dann in der Herberge zum Verzehr vorzubereiten.

Auch ich schloss mich einmal solch einem Angelausflug an, wenngleich dies mein aller erster Versuch zu Angeln in meinem Leben war. Um so erstaunter war ich, dass ich sogar etwas fing und dies sogar, obwohl ich lediglich den Hacken ohne jeden Köder ins Wasser hielt. So kam ich zu einem kostenfreien und sehr leckeren Mahl.

Es gefiel mir in der Herberge zwar, doch wollte ich die Inselgruppe der Lofoten noch etwas nähre kennenlernen. Aus diesem Grunde fuhr ich mit einem Bus zu einem Ort mehr am Ende der Inselgruppe.

Als ich den Ort erreichte, stellte sich heraus, dass das Hotel und der Zeltplatz von einem Feuer zerstört worden war. Doch erlaubte mir der Besitzer, sein Grundstück dennoch zu nutzen und ich konnte mein Zelt aufstellen wo immer ich wollte.

i0075Ich entschied mich für die Strand nähe, obwohl ich mir wegen des sehr stürmischen Windes dort ein klein wenig Sorge bezüglich meines Zeltes machte. Ich vertraute darauf ein ordentliches Zelt erworben zu haben, versank die Heringe tief im sandigen Untergrund und wartete ab, was passieren würde. Tatsächlich erwies sich mein Zelt als Sturm tauglich.

Während meiner Zeit auf diesem Zeltplatz, hatte ich großes Glück mit dem Wetter. Es schien zumeist die  Sonne und auch Wolken verzogen sich zumeist am frühen Morgen. Auf diese Weise zeigte das Gebiet sich von der nur erdenklichst schönsten Seite. Als besonderes Highlight freute ich mich auf das Erleben der Mitternachtssonne, denn von meinem Zelt konnte ich über das Meer genau auf jenen Punkt blicken an dem die Sonne ihren niedrigsten Stand über dem Horizont erreichen sollte, bevor sie wieder begann den neuen Tag einzuleiten.

In einer Nacht stand ich deshalb gegen Mitternacht auf, um mir den „Sonnenuntergang“ anzusehen. Die Sonne sank zusehends, doch als sie den Horizont fast erreicht hatte, begann sie sogleich wieder mit ihrem Aufstieg. Es war wirklich beeindruckend und wunder schön. Leider blies ein unerbittlich kalter und starker Wind, so dass ich alsbald lieber wieder in meinem Zelt verschwand.

Ich erkundete in den folgenden Tagen noch die nähere Umgebung und wurde ein immer größerer Fan von den landschaftlichen Schönheiten. So schmerzte es schon etwas, als ich dazu entschied zu meinem Ausgangsort auf den Lofoten und der dortigen Jugendherberge zurückzukehren.

Wenn die Reise hierher via Bus wirklich komfortabel war, so wurde meine Rückreise durchaus etwas beschwerlich, denn es gab an diesen Tagen keinen Bus mit dem ich die Rückreise hätte bewerkstelligen können. Mir blieb nichts weiter übrig, als die Strecke zu Fuß zurückzulegen.

So packte ich alles zusammen, schulterte meinen Rucksack und begann den Marsch. Der mir schon frühzeitig eine Überraschung bereitete. Ich erreichte nämlich eine Bucht, an der sich das Meer tief in die Inseln gegraben hatte. Blickte ich über die Bucht hinweg, so sah ich jene Straße auf der mein Weg weiter führen sollte. Auch wenn diese Bucht nur etwa 100 Meter breit war, verhinderte sie den direkten weg. Ich musste wie alle der Straße folgen, die sich um die Bucht herum schlängelte. Dies verlängerte meine Weg wirklich deutlich und ich verstand warum ich an diesem Tage 30 Kilometer Weg zurück legen musste, um mein Ziel zu erreichen.

Als ich schließlich die Herberge wieder erreichte, befanden sich viele neue Gäste in ihr und sie schienen auch erst in den letzten Tagen angekommen zu sein, denn alle hielten sich noch an den normalen Tag- / Nachtrhythmus. Auch schien es nicht bekannt zu sein, wie herrlich man Fische im Hafenbecken angeln konnte.

i0103Dies begeisterte ein Mädchen aus Südafrika so sehr, dass sie es gleich mal ausprobieren wollte. So hockten wir uns in eines der Boote, ruderten in den Hafen, hielten unsere Angelschnüre ins Wasser und fingen natürlich überhaupt keinen einzigen Fisch. Ich gebe  zu, es war mehr als frustrieren.

In die Herberge zurückgekehrt erzählten wir von unserem Pech. Diese Schilderung nahm ein junger Belgier zum Anlass, uns auf die Möglichkeit hinzuweisen, eine richtig lange Angelschnur zu mieten und bei Flut hinaus aufs offene Meer zu rudern, um dort unser Angelglück zu versuchen.

Ich fragte das Mädchen, ob sie mitkommen wolle und da sie diesem Unternehmen zustimmte verabredeten wir uns für den späten Abend.

Als die Flut gegen Mitternacht ihren höchsten Stand erreicht hatte, machten wir uns auf unser Angelglück zu versuchen. Doch bevor wir dieses Glück einforderten, mussten wir ein anderes Problem lösen, denn das Wasser war so hoch gestiegen, dass der Steg, an dem das Boot lag, ganz von Wasser überspült war. Es wurde so wahrlich ein Akt verhältnismäßig trocken in das Boot zu klettern und den Angelausflug zu beginnen.

Innerhalb des Hafens klappte alles noch wunderbar. Wir ruderten und kamen gut vorwärts. Schließlich erreichten wir die Hafenausfahrt und schon hier merkten wir, das es etwas unruhiger wurde. Ok, eigentlich mussten wir uns ordentlich festhalten, damit wir im Boot blieben und rudern konnten..

Wir ruderten bis etwa 50 Meter vor den Hafen. Dort versuchte das Mädchen zu Angeln und ich ruderte, damit wir nicht all zu weit abgetrieben würden. Sie war so sehr in das Angeln und ich in das Rudern vertieft, dass wir nicht bemerkten, dass wir trotz meiner ruder Versuche nach und nach abgetrieben wurden.

Als wir es schließlich bemerkten, erschraken wir schon etwas und stellten sofort das Angeln ein und schauten erst einmal, ob wir irgendwo noch den Hafen sehen konnten, was nicht wirklich der Fall war. Uns wurde klar, dass wir uns in einer echt üblen Situation befanden und es wohl viel Arbeit kosten würde zurück ans Land zu gelangen. Zum Hafen zurück zu kommen, daran wollten wir schon jetzt kaum glauben.

Da ich alleine nicht gegen die Gewalten ankam, hockte sich das Mädel neben mich, jeder packte ein Ruder und nun versuchten wir gemeinsam dem Land und der Rettung näher zu kommen. Doch anstatt, dass sich die Situation besserte, verschlimmerte sie sich, denn wir wurden mehr und mehr abgetrieben und das Land wurde zusehends kleiner.

Ich nahm die Bedrohlichkeit der Situation natürlich auch wahr, doch versuchte ich sie nichts davon merken zu lassen, denn in ihren Augen und ihrer Stimme manifestierte sich ein gehöriges Maß an Panik. Mit ruhigen Worten versuchte ich sie zu beruhigen, doch wirken tat es nicht wirklich.

Während wir gegen die Wellenberge an ruderten, grübelte ich unter Hochdruck was wir nur machen könnten, um aus dieser verzwickten Situation heraus zu kommen. Als einzige Lösung sah ich, irgend wie zu versuchen wieder in Richtung Land zu runder, doch viel Hoffnung hatte ich wirklich nicht und so musste ich eingestehen, dass wir wirklich in der Klemme saßen.

Während ich die Situation weiter durchdachte, entdeckte ich in einiger Entfernung das Licht eines  Fischerbootes. Zu meinem Erstaunen kam es sogar immer näher an uns heran und schließlich war es sogar in Rufnähe. Schnell stellte sicher heraus, dass man zu unserer Rettung gekommen war und dass es sich um den Herbergsvater handelte, der solch eine Situation schon  hatte kommen sehen.

In der ganzen Zeit, in der wir uns draußen auf dem Meer abmühten, hatte man uns beobachtet und dabei recht früh festgestellt, dass wir uns unaufhörlich in eine schwierige Situation brachten und so hatte man gleich das Fischerboot bestiegen, um die Opfer von Wind und Wellen einzufangen.

i0078Auch wenn man uns nun wohlwollend in Schlepp nahm, wollte man uns doch noch zeigen worauf wir uns eingelassen hatten. Denn man setzte den Kurs so, dass wir in der rauhen See ordentlich durchgeschüttelt wurden. Ich kam mir vor, als würde ich auf einem wild bockenden Pferd sitzen, was mich unbedingt loswerden möchte. Es störte mich aber in keinster Weise, denn die Erleichterung über die glückliche Wendung dieses Abenteuers überwog all das.

Als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, hatte ich kurz die Überlegung, ob ich auf die Knie sinken soll und den Boden küssen. Doch so schnell die Idee aufkeimte, war sie auch schon wieder verschwunden.

Ich war mehr als erleichtert, als wir schließlich wieder im Hafen und bei der Herberge waren.

An diesem Abend und dem nächsten Tag mussten wir uns einiges an spitzen Bemerkungen anhören. Keine der Bemerkungen war bösartig und so nahm ich es wie es gemeint war, als Amüsement für alle

Noch heute denke ich ab und zu darüber nach, wo wir wohl gelandet wären, wenn man uns nicht eingefangen hätte. Vielleicht in Grönland?

Norwegen – … und ich lebe noch – Mein Absturz

i0104 Mein erster Urlaub allein führte mich nach Norwegen.

Ich hatte mir eine kleines Tal ausgesucht, welches mich zum größten Fjord Norwegens führen sollte. Es war der Sognefjord und dieser erstreckt sich etwa 200 Kilometer vom Meer ins Landesinnere.

Ich war ohne Halt von Deutschland bis nach Mittel-Norwegen gefahren und obwohl mir die Anreise wirklich in den Knochen steckte, verließ ich voller Tatendrang den Zug, um meine Wanderung zu beginnen.

Die Haltestelle lag oben auf dem Fjell (Hochebene) und somit stand mir ein steiler Abstieg hinunter ins Tal bevor, gefolgt von einer etwa 30 Kilometer langen Wanderung, bis zu meinem Ziel, einem Zeltplatz im Orte Flåm‎ am Aurlandsfjord (Seitenarm des Sognefjord). Doch die Begeisterung endlich in die norwegische Natur einzutauchen war einfach zu verlockend.

Ich gebe aber zu, dass ich nicht all zu weit kam bei meiner Wanderung, denn all zu bald merkte ich, dass ich einfach nur zu müde war und ich die Landschaft nicht gebührend genießen konnte. Ich verließ daher den Weg und suchte mir eine nette Stelle in Mitten eines kleinen Hain, in dem ich mich sicher und geschützt fühlte.

Nachdem mein Zelt errichtet war, legte ich mich in die Sonne und genoss diesen herrlichen warmen Tag. Etwas unglücklich war ich lediglich über die vielen Mücken. So sah ich als bald aus wie ein Streuselkuchen.

Eine der Mücken erwischte mich an den Zehen und eh ich mich versah, wurde dieser dick und rot. Es sah nicht wirklich toll aus. Es schien, als hätte mich eine kleine Entzündung ereilt. Während der Nacht wurde mein Zeh immer dicker und schmerzte mehr und mehr. Auch kam ich nicht mehr wirklich in meine Wanderschuhe, was mein weiteres Fortkommen etwas erschwerte.

Ich versuchte unverrichteter Dinge meine Wanderung fortzusetzen, doch die Schmerzen waren einfach zu unangenehm und so entschied ich mich, meine Reise mit der Eisenbahn fortzusetzen, denn zu meinem Glück gab es in diesem Tal die Flåmsbahn. Ein Kleinod norwegischer Eisenbahn Bau Kunst und sehr beliebt bei Touristen.

So schleppte ich mich nur noch bis zur nächsten Haltestelle und legte die Strecke bis zum Fjord und dem dortigen Zeltplatz wirklich bequem zurück.

Auch wenn ich nicht durch diese herrliche Landschaft laufen konnte, so bot mir die Fahrt einen angemessenen Ausblick auf die Natur und die Umgebung. Hinzu kamen die abenteuerlichen Tunnel die mit viel Schweiß in den Fels gehauen worden waren. Ich muss gestehen, ich genoss die Fahrt in vollen Zügen.

i0062In Flåm‎ angelangt, ging es direkt zum Zeltplatz. Dort wollt ich abwarten, ob sich die Entzündung zurückbildet.
Medikamente hatte ich keine mit und so hoffte ich auf eine natürliche Heilung. Leider wurde der Zeh immer bunter und er schmerzte immer mehr. So blieb mir schließlich nichts anderes übrig, als einen Arzt aufzusuchen. Doch wie macht man das, wenn man kein norwegisch spricht und kein Wörterbuch dabei hat.

Ganz mutig fragte ich ein paar Passanten nach einem Arzt und zu meinem Glück ist das norwegische Wort für Arzt fast identisch mit dem deutschen und so verstand man, was ich meinte.

Schließlich erreichte ich ein großes Gebäude, welches meiner Meinung nach so etwas wie ein Krankenhaus sein könnte. Ich ging also hinein. Es gab etliche Hinweisschilder, doch lesen konnte ich diese nicht. So dauerte es einige Zeit bis sich mein Irrtum herausstellte. Es war kein Krankenhaus, sondern eine Seniorenresidenz. Auch wenn der Irrtum vielleicht verständlich sein konnte, so war ich froh, dass mich niemand bemerkt hatte und ich mich ungesehen wieder zurückziehen konnte.

Doch wie ich nun herausfand, war ich nicht weit von der Arztpraxis entfernt. Ich hätte die Straße lediglich ein paar Meter weiter laufen müssen.

Die Untersuchung verlief ohne Probleme, denn der Arzt sprach, welch Überraschung Deutsch und dies wollte mir auch beweisen. Ich war wirklich dankbar für diesen Umstand. So verstand ich auch ohne Probleme, dass mein Zeh kein ernsthaftes Problem hatte. Ich sollte ihn trocken halten und schonen und dann würde sich schon alles wieder regeln. Ich bekam auch noch ein Rezept und nachdem ich meinen Besuch bezahlt hatte, konnte ich meinen Urlaub entspannter fortsetzen.

Ich besorgte mir die Medikamente und nachdem ich mich noch zwei weitere Tage auskurierte ging es mir sichtlich besser und ich hatte auch wieder Lust wandern zu gehen. Aus diesem Grunde erkundigte mich bei der Zeltplatz Besitzerin welche Wanderung sie mir empfehlen könne.

Sie konnte mir auch gleich einen Tipp geben und zeigte mir einen Ausflug vom Tal hinauf ins Fjell. Mit ihrer Wanderwegempfehlung, gab sie mir auch noch den Hinweis, dass es kein ausgewiesener Wanderweg war und somit die Markierungen eher spärlich seien. Ich müsse mir den Weg selber suchen und erarbeiten. Dies galt besonders für jenen Teil des Ausfluges der mich wieder vom Fjell hinunter ins Tal bringen sollte, was zudem auch der schwierigere Teil der Route sein sollte. Über diesen Umstand freute ich mich am meisten, denn das war genau das, wie ich mir mein Wandererlebnis hier in Norwegen vorstellte.

Am Abend bereitete ich alles für den Ausflug for und machte mich relativ früh am kommenden Morgen auf den Weg. Der Anstieg in die Berge war wirklich sehr steil. Aber es machte mir trotzdem sehr viel Spaß und ich genoss die Aussicht. Besonders begeistert war ich, als ich schließlich das Hochplateau, das Fjell erreichte.

Bis dahin hatte ich keine Probleme gehabt dem Pfad zu folgen und ich war sehr zuversichtlich, dass dies so weitergehen würde.

Weit oben im Fjell erreichte ich schließlich den Punkt von dem ich auf anderem Wege mich wieder in Richtung Tal orientierte. Ab diesem Punkt musste ich das Hochland ohne jeden Weg zu queren und ich muss gestehen, es machte viel Spaß. Ein paar Landmarken, wie ein hübscher kleiner See, welcher sich in eine Senke schmiegte, wiesen mir den richtigen Weg. Auf diese Weise kam ich wirklich gut und schnell vorwärts.

i0105Lustig wurde es, als ich einer kleinen Horde Schafen begegnete und sich eines der Tiere mir an meine Versen heftete. Das Tier trottete so beharrlich hinter mir her, dass ich fürchtete es würde mich für immer folgen. Leider reagierte das Tier auch nicht auf meine Versuche es los zu werden und so hoffte ich nur, dass sich das Thema im weiteren Verlaufe erübrigen würde. So kam es dann auch und ich konnte mich wieder mehr auf den Weg konzentrieren, was jedoch immer schwieriger wurde, denn nach und nach verlor sich dieser zwischen den Gräsern. Alsbald stand ich an einem Hang und weit und breit kein weg mehr. Ich hatte nun wirklich keine Idee wohin ich mich wenden sollte.

Ich entschloss mich meine Landkarte zu studieren, doch auch das brachte keine große Erleuchtung. So entschied ich mich einem Etwas zu folgen was wie ein Pfad auszusehen erschien. Allerdings verlief sich dieser Hauch eines Pfades schließlich und zu meinem Verdruss, wurde das Gelände immer steiler und schwere zu begehen.

Schließlich meinte weiter unten auf der gegenüberliegenden Hang Seite einen gut definierten Pfad zu entdecken. Ein Abgleich mit der Karte bestätigte denn Eindruck. Deshalb begann ich vorsichtig den Hang  hinunter zu laufen (ok, klettern oder rutschen).

Schließlich erreichte ich aber einen Punkt, an dem es nicht mehr weiterging. Ich befand mich nun oberhalb einer Felsklippe. Ich schaute etwas verzweifelt an ihr hinunter und sah nicht wirklich eine Möglichkeit dieses Stück Fels zu überwinden. Auch der Hang den ich zuvor herunter gekommen war, lockte nicht mit einem Aufstieg. So versuchte ich der Klippe zu folgen und hoffte, dass sich eine Möglichkeit des Abstieges ergeben würde.

Schließlich hatte diese Klippe noch ein Höhe von rund 5 – 7 Metern und da ich keine andere Wahl sah nach unten zu gelangen, entschied ich mich einen Versuch zu starten und durch klettern dieses Hindernis zu überwinden.

Zur Absicherung hielt ich mich an einem Ast fest, als ich kurze Zeit später abrutschte und nur noch an diesem Ast hing.

In Filmen hatte ich gesehen, wie Menschen ewig lang an Klippen usw. hingen, doch bei mir dauerte es wirklich nicht lange, bis der Ast durch meine Hände zu gleiten begann und ich ahnte, dass das nicht gut gehen würde. Bei einem Blick nach unten entdeckte ich ein Geröllfeld mit ausgewachsenen Felsen und meine Zuversicht dies heil überstehen zu können sank zusehends.

Als ich mich schließlich im freien Fall befand, war nichts mehr von jeglicher Zuversicht übrig. Beim Aufschlagen auf die Felsen war ich nur froh, dass ich nichts knacken oder knirschen hörte. So meinte ich, dass wohl doch ein super schneller Schutzengel sich meiner angenommen hatte.

So war es dann auch. Ohne bedeutende Pläsuren konnte ich aufstehen und die Felsenwand hinauf schauen, die ich nur wenige Sekunden zuvor im freien Fall habe an mir vorüber gleiten sehen. Meine Erleichterung und Glücksgefühl, machte sehr wackeligen Beinen Platz und ich musste mich erst einmal hin hocken um das Erlebte zu verdauen.

Es dauerte schon eine Weile bis der Schock verdaut war und ewig konnte ich hier auch nicht hocken, denn ich wollte auf jeden Fall noch bei Tageslicht ins Tal zurück kehren. Also stand ich auf und lief auf jene Stelle im Tal zu, wo ich den Wanderweg vermutete und tatsächlich fand ich ihn.

Er war zwar noch immer sehr verwirrend, da er sich dauernd gabelte und auch ab und an ins leere verlief, doch im Großen und Ganzen hielt ich die Richtung und blieb auf dem Hauptweg. Da störte es auch kaum dass ich so manches Mal eine Bachquerung durchführen musste und dabei meine Wanderschuhe nach und nach durchweichten.

i0083 Mulmig wurde mir wieder, als der eigentliche  Abstieg ins Tal anstand, denn hier war es nun so steil, dass ohne den Weg kein Aussicht  bestand ins Tal zurückzugelangen. Zusehends wurde ich verunsichert, als ich den Weg nochmal gänzlich aus den Augen verlor, doch da ich nun etwas vorsichtiger geworden war, lief ich etwas zurück und suchte so lange, bis ich den wirklichen Pfad wiedergefunden hatte.

Von nun an ging es ohne weiteren Zwischenfall hinunter ins Tal. Und als ich es schließlich erreicht hatte merkte ich wie die ganze Anspannung der vergangenen Stunden von mir abfiel und meine Knie wirklich zu zittern begannen.

Da ich für diesen Moment wirklich genug vom Laufen und Abenteuer hatte, nutzte ich erneut die Eisenbahn um zurück nach  Flåm‎ zu gelangen.

Eigentlich hatte ich ursprünglich beabsichtigt noch etwas länger hier im Tal zu verweilen, doch in der Nacht quälten mich die Erinnerungen und ich fasst den Entschluss meine Reise fortzusetzen und an anderer stelle neue Abenteuer und Herausforderungen zu suchen, ohne gleich um mein Leben bangen zu müssen.

Japan – Was essen die Japaner überhaupt? z.B. Okonomiyaki

Okonomiyaki, dieser Pfannkuchen aus Kohl, Mehl, Ei und einer fast unbegrenzten Möglichkeit der Variation, ist eines der Gerichte, die mir wirklich sehr gut munden und ich immer gerne esse.

Ich war in der glücklichen Lage, dass meine Reisen nach Japan mich immer in die Kansai-Region führten, wo Okonomiyaki zu den regionalen Spezialitäten zählt.

Ich kann nur empfehlen, wer einmal ein anderes japanisches Geschmackserlebnis erfahren möchte, als nur Sushi, sich diesem Gericht anzunehmen.

Japan – Was essen die Japaner überhaupt? z.B. Natto

IMG_7989_ji Diese japanische kulinarische Besonderheit, möchte ich dem geneigten Leser wahrlich nicht vorenthalten.

Nun gebe ich zu, dass selbst bei den Japanern das Land sich in zwei Fraktionen teilt. Es gibt die, die Natto "hassen" und die, die es "lieben".

Ich muss gestehen, dass ich mittlerweile zu jenen gehöre, die Natto mögen.

Einschränkend muss ich aber gestehen, dass es etwas von der erworbenen Marke abhängig ist und zudem benötige ich immer einen Spritzer Senf und Sojasauce, der zumeist dem Produkt beiliegt :-).
IMG_7995_ji Was neben dem Geschmack, den Verzehr etwas als wagemutig erscheinen lassen mag, ist die schleimige Substanz, die die Bohnen nach dem Zubereiten umgibt. Führt man schließlich die Bohnen zum Mund, so ziehen sie lange etwas klebrige Fäden hinter sich her her und all zu leicht hat man mit diesen Fäden seinen persönlichen Kampf.

Wie schon gesagt ich mag es und schätze es zum Frühstück, aber auch zu anderen Mahlzeiten.

Als Snack gibt es das ganze auch noch und das ist wirklich lecker. Man schüttet die völlig trockenen Bohnen in den Mund und wenn man nun genüsslich auf ihnen herum kaut, nehmen sie die zuvor beschriebene Konsistenz an.

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Ich empfehle auf jeden Fall sich einmal dem Genuss noch Natto hinzugeben.