004 – Santa Cruz

12. Tag – Dienstag 22.01.2002
Camarones – Comodoro Rivadavia – Puerto Deseado

Ort Temperatur Wind Wolken:
25 °C etwas stärkerer Wind dichte Bewölkung wird durch Wind aufgelockert, morgens gibt es leichten Regenschauer

In der Nacht war es unüberhörbar, dass es zu regnen begonnen hatte. Im Halbschlaf hoffte ich, dass er nicht all zu lange dauern würde und am Morgen mein Zelt wieder trocken sei. Zwar hörte es in der Nacht tatsächlich auf zu regnen, doch begann es kurz vor dem Ausstehen erneut und so musste ich mich wohl darauf einstellen mein Zelt im nassen Zustand verpacken zu müssen.

Da heute wieder eine rund 560 Kilometer lange Fahrtstrecke bevorstand, hieß es schon gegen 7 Uhr aufzustehen. Mein erstes Augenmerk gehörte natürlich dem Zelt und ich stellte fest, dass es zwar nass war, jedoch nicht so feucht wie ich befürchtet hatte. So trocknete ich es mit meinem Handtuch und hoffe, dass der leicht wehende Wind für die endgültige Trocknung des Zeltes sorgen würde.

Die Feuchtigkeit war auch der Grund warum ich den Abbau meines Zeltes im Gegensatz zu den vorangegangenen Tagen später verlegte. Ich hoffte die so gewonnene Zeit würde dazu führen, dass das Zelt fast ganz trocken werden würde. Zu meinem Verdruss wurde auch aus diesem Vorhaben nichts. Es begann wieder ganz leicht zu Regnen. So brach ich das begonnene Frühstück ab, um noch zu retten was noch zu retten war.

Während ich mit dem Verpacken des Zeltes beschäftigt war, hörte ich auf einmal großes Gezeter. Ich schaute mich verwundert um, konnte aber nichts entdecken. Erst durch die Unterhaltung der Anderen erfuhr ich was geschehen war. Eine Möwe hatte versucht auf einem der Schornsteine der Hütte mit den Kochnischen zu landen. Da dieser Schornstein nur aus einer dünnen Blechwand bestand, hatte das Tier keinen Halt gefunden und war vornüber in den Schlot gefallen. Nun hing das Tier darin fest und hatte keine Chance wieder herauszukommen. Auch uns waren die Hände gebunden und trotz einiger Versuche irgendetwas zu unternehmen, gaben wir schließlich auf. Als wir den Zeltplatz schließlich verließen, gab es keinen unter uns der nicht ein ungutes Gefühl in der Magengegend verspürte, denn das Tier so zurückzulassen war einfach schrecklich. Kurz bevor wir Comodoro Rivadavia erreichten, meinte Bernd zu mir, das wir nun wohl 700 Höhenmeter erreicht hätten. Etwas ungläubig schaltete ich den Höhenmesser meiner Uhr ein und kontrollierte es und tatsächlich hatten wir diese große Höhe erreicht. Es war umso erstaunlicher, denn wir waren eigentlich die gesamte Zeit einer mehr oder weniger geraden Straße gefolgt, waren keine Hügel hinaufgefahren und hatten trotzdem diese erstaunliche Höhe erreicht. Es war für mich eine bemerkenswerte Erfahrung.

Ein Halt in Comodoro Rivadavia stand ursprünglich überhaupt nicht auf unserem Programm. Der Ort sollte eigentlich nur schnell durch fahren werden, denn durch seinen Ölreichtum war der Ort zwar ein bedeutender Devisenmarkt für Argentinien, doch hatte dieser Reichtum auch seinen Tribut gefordert. Die Suche nach dem schwarzen Gold hatte unübersehbare Narben in der Landschaft hinterlassen.
Doch der allgemeine Geldmangel zwang uns einen Stopp einzulegen. Sandra und Marcus hatten eine Wechselstube im Ort ausgemacht welche geöffnet haben sollte und wo man grundsätzlich auch bereit war Traveler-Schecks zu tauschen.

In der Stadt hielten wir mit unserem riesigen „Reise-LKW“ in zweiter Reihe, was die Fahrbahn doch deutlich verengte, direkt vor dem Ort, der unsere Taschen wieder etwas füllen sollte. Sogleich verließen die die Geldhungrigen das Fahrzeug und stürmten in die Wechselstube. Dort erfuhren wir, dass sich der Kurs wieder zu unseren Gunsten geändert hatte. Wir erhielten für 1 US$ 1.70 Peso, anstatt des 1:1 tausches vor der Kursfreigabe. Dieser Umstand hatte für uns einen großen Vorteil, denn nun erhielten wir wesentlich mehr Geld und da die Preise meist noch nicht an die veränderte Lage angepasst waren konnten wir verhältnismäßig günstig einkaufen.

Ich war der einzige der versuchte seine Euro-Traveler-Schecks an den Mann zu bringen. Eigentlich war es nur als Gag gedacht, denn ich wollte sehen wie man auf das brand neue Geld reagiert. Zu meiner großen Freude und Überraschung wurde mir auch dieser Scheck ohne Probleme umgetauscht. Zudem erhielt ich auch hier einen wirklich guten Kurs. Ich bekam für 1 Euro etwa 1.40 Peso. Nachdem wir Comodoro Rivadavia wieder verlassen hatten, währte die Fahrt nicht mehr lange, bis wir schließlich unsere Mittagspause einlegten. Der gewählte Haltepunkt gehörte nicht zu den besonders guten Plätzen, denn er lag direkt an der Hauptstraße. Zudem war es recht schmutzig. Nur das nahe gelegene Meer entschädigte für diesen Ort.

Nach dieser Rast folgte eine hübsche Fahrt entlang der Küste. Von diesem Wegstück blieb mir besonders die Durchfahrt von Caleta Olivia in Erinnerung. Auch obwohl dieser Ort seine Entstehung dem Ölboom verdankt war es nicht schlecht hier. Zudem hatte man eine wirklich imposante Statue eines Ölarbeiters in Mitten des Ortes aufgestellt. Sie war so beeindruckend, dass wir kurzer Hand hielten, damit wir unsere Fotos machen konnten.

Etwa 130 Kilometer vor Puerto Deseado, unserem Tagesziel, verließen wir die Fernstrasse 3 und zweigten auf die einzige Zufahrtstrasse ein. Marcus und Sandra meinten, dies sei die längste Einbahnstraße der Welt, denn nur über sie konnte man diese Region wieder verlassen. Die Fahrt auf unserem letzten Wegstück dieses Tages war durchaus als interessant zu bezeichnen, denn die Straße zog in endlosen Geraden vor uns über die flache Ebene hinweg. Da mittlerweile das Wetter besser geworden war, verlief sich die Straße meist im Flimmern des Lichtes.

Es war 18:15 als wir unser Hotel in Puerto Desado erreichten. Sandra erklärte, Bernd und ich sollten als letzte unsere Schlüssel in Empfang nehmen, denn sie wollte sehen, ob wir je ein Einzelzimmer bekommen könnten. Tatsächlich bekamen wir jeder eines, was ich als äußerst angenehm empfand.

Das Hotel, welches uns in den nächsten 3 Nächten Herberge sein sollte war wirklich toll. Es war aus meiner Sicht das bisher hübscheste. Auch wenn sich die Toilette eher durch seine Winzigkeit (ca. 2 qm) auszeichnete, als durch seine Funktion. Während die Anderen an diesem Abend im Hotel essen konnten, besuchte ich den in direkter Nähe liegenden Telefonladen mit Internetzugang.

Trotz des bisher höchsten Preises für eine Internetverbindung verbrachte ich geraume Zeit mit dem Schreiben der Texte. Ich war froh, dass ich die meiste Zeit den Zugang nicht nutzen brauchte, denn ich war hauptsächlich mit dem Schreiben der Texte beschäftigt. Hätte ich den Internetzugang stärker in Anspruch nehmen müssen, so hätte er mich sicherlich in den Wahnsinn getrieben, denn obwohl die Anbindung nicht schlecht war, war die tatsächliche Datenübermittlung ein wirklicher Graus. So kostete es viel Mühe die Texte in eine Mail zu packen und in Richtung Deutschland auf den Weg zu bringen.

Im Hotel zurück gesellte ich mich noch kurz zu den anderen, doch nachdem das Essen endgültig beendet war löste sich die Gesellschaft schnell auf. Diese Gelegenheit nutze ich, um mich auf mein Zimmer zurückzuziehen und bald zu schlafen.

 

13. Tag – Mittwoch 23.01.2002
Tagesausflug auf die Insel „Isla de los Pinguinos“

Ort Temperatur Wind Wolken:
21 °C starke Böen tagsüber keine, abends bewölkt

Sollte die 13, die Anzahl meiner Reisetage, ein Omen sein? Nun, da ich eigentlich nicht an so etwas glaube, vermute ich, dass es eher ein Zufall war, dass dieser Tag nicht ganz so verlaufen sollte wie ich es mir vorgestellt hatte. Nun aber von Anfang an.

Am heutigen Tag stand ein Ausflug auf eine Vorgelagerte Insel auf unserem Tagesprogramm. Da die Ausflüge zu dieser Insel in der Vergangenheit gezeigt hatten, dass es am Besten ist früh am Morgen diesen Ausflug zu beginnen, damit man möglichen Wetterunbilden, insbesondere dem auffrischen des Windes, hieß es schon gegen 5 Uhr aus dem Bett zu klettern.

Auch wenn dieses frühe aufstehen nicht unbedingt meine Lieblingsbeschäftigung war, so fand ich es trotzdem gut, denn auf diesem Wege würde ich endlich einmal vernünftiges Licht zum Fotografieren geboten bekommen.

Bevor jedoch losfuhren, gab es noch ein Frühstück und auch dieses erwies sich als angenehm positive Erfahrung. Es gab Toast, Wurst, Käse, Organgensaft und vieles mehr was für mein Frühstück keine Rolle spielte. Ich ließ es mir an diesem Morgen wirklich gut schmecken.

Um 6:20 fuhren wir zum Hafen, wo uns die „Expeditions“-Leiter schon erwarteten. Hier hieß es sich auf die bevorstehende Überfahrt vorzubereiten. Zu diesem Zwecke wurden alle Jacken „hermetisch“ verschlossen und so manch einer von uns erinnerte doch stark an einen Astronauten. Nicht gerade entschärft wurde dieser Anblick, nachdem die Schwimmwesten angelegt worden waren.

Nachdem wir alle für den Ausflug gerüstet waren, hieß es die Boote zu besteigen. Nun mag sich der ein oder andere wundern, warum ich von Booten und nicht von Schiffen spreche, doch dies ist leicht aufzuklären, denn es waren halt nur kleine Boote, mit denen wir auf die Insel übersetzen wollten. Nur diese gewährleisteten es, dass wir nah genug an die Insel heran kämen, um schließlich anlanden zu können.

Insgesamt waren wir 15 Personen. 12 der Reisegruppe, Marcus unser Begleiter und zwei der Veranstalter. Nachdem sich von diesen 15 Personen 13 in das eine Boot gequetscht hatten, brauchte man sich nicht mehr festhalten, denn wir klemmten einer neben dem anderen. Es wurde zwar ziemlich gemütlich, doch war es ansonsten ein Kunststück zu überlegen wo man seine Beine und Gepäck unterbringen sollte. Die drei restlichen Personen fuhren in einem extra Schlauchboot. Dieses würden wir benötigen, um auf der Insel letztendlich anlegen zu können, denn dort sollte es keine Anlegestelle geben. Diese Unterfangen hatte natürlich auch zur Folge, das wir vor dem anlanden auf offenem Wasser von einem Boot ins andere wechseln mussten. Wie es schien hatte dieser Ausflug wirklich das Potential für ein handfestes Abenteuer.

Mit atemberaubender Geschwindigkeit schoss das Boot in welchem ich saß über das Wasser und da an diesem Morgen keine Welle weit und breit zu sehen war, war es zudem das wahre Vergnügen, diesen Trip zu unternehmen. Wir schossen derart schnell über das Wasser, das wir die Personen, die am hinteren Ende der Bank saßen so sehr nach hinten drückten, dass sie drohten von der Bank zu rutschen. Wir versuchten alle gemeinsam wieder etwas Raum zu schaffen, doch durch die Geschwindigkeit und die Enge war es nicht sehr einfach wieder vorwärts zu rücken. Doch wir schafften es trotzdem.

Das zweite Boot war, wie sich nun herausstellte, deutlich weniger motorisiert und so war es schnell zurückgefallen. Aus diesem Grund mussten wir gelegentlich einen Halt einlegen, um auf das andere Boot zu waren. Diese Stopps gaben uns die Gelegenheit, um wieder Ordnung auf der Sitzbank zu schaffen.

Nach etwa 1 Stunde Fahrt waren wir in der Nähe der Isla de los Pinguinos, doch bevor es ans Anlegen ging, besuchten wir einen vor gelagerten Felsen, auf dem sich eine Gruppe von Seelöwen befand. Da in diesem Gebiet Besuche eher selten sind, waren die Tiere schon einigermaßen aufgeregt, als sich ein kleines gelbes etwas (unser Boot) auf sie zu bewegte. Trotzdem blieben sie anfangs erstaunlich ruhig. Erst als wir immer näher kamen, begann ein großes -Hallo- und die Tiere begannen nach und nach wie in einer Kaskade aus Fleisch die Felsen hinunter zu rutschen. Welch ein beeindruckendes Bild. Wir kreuzten etwa 20 Minuten vor dem Felsen und jeder von uns genoss das Bild, welches diese Tiere uns booten. Schließlich hieß es die Pinguin-Insel zu besuchen. Nach einem kurzen Aufheulen des Motors war die Insel erreicht.

Nun durften als erstes die Zwei, welche im anderen Boot unterwegs waren, die Insel besteigen. Irgendwie war ich froh darüber, denn so sollte mein Anlegen sicherlich einfacher von statten gehen. Denn das Schlauchboot manövrierte sich vorsichtig an die Felsen heran und als die Welle einen günstigen Punkt erreicht hatte, hieß es beherzt auf die Felsen zu springen. Da diese jedoch nass waren, war es auf jeden Fall kein Zuckerschlecken.

Nachdem die ersten gelandet waren, kamen wir an die Reihe. Dafür wurde das Schlauchboot an unser Boot heran manövriert und wir kletterten in Dreier-Pärchen auf und in das Schlauchboot. Auch wenn es eine relativ schwankende Angelegenheit war, verlief das Umwechseln unproblematisch. Auch das anlanden ging reibungslos, denn nun fanden sich dort helfende Hände, die einen an Land zogen und somit einen Fall ins kühle Nass verhinderten

Es bedurfte einiger Zeit, bis wir alle auf der Insel angelandet waren. Doch schon jetzt war die Anspannung der Aufregung gewichen, denn wir waren von hunderten von Pinguinen umgeben, die jedoch eher erschrocken auf unser Erscheinen reagierten.

Bevor wir unseren Rundgang beginnen wollten, befreiten wir uns erst einmal von all der überflüssigen Begleitung, denn auf der Insel war es angenehm warm. Nachdem dies Vollbracht war, gab es ein paar Instruktionen. Zum einen wurden wir an die allgemeinen Verhaltensregeln, die wir von Peter bekommen hatten, erinnert und zum anderen wurden wir auf die Problematik der Raubmöwen hingewiesen. Diese Vögel attackierten einen stetig, wenn man in irgendeiner Weise eine Bedrohung darstellte. Dies bedeutet, dass man eigentlich immer mit diesen Tieren zu kämpfen hatte.

Zu diesem Zwecke sollte man sich einen Stock nehmen, den man über den Kopf hielt, denn die Tiere orientierten sich am höchsten Punkt, welchen sie angegriffen. Verlagerte man also durch diesen Stock seine Körperhöhe nach oben, so zogen sie zwar noch immer über einen hinweg, doch nicht ganz so knapp wie ohne solch ein Hilfsmittel. Ich für meinen Teil entwickelte die Luxusversion der Möwenabwehr.

Wie immer hatte ich mein Einbein-Stativ dabei, welches wie gewohnt im Rucksack steckte. Ich fuhr dieses nun einfach auf seine maximale Länge aus, ließ es im Rucksack stecken und hatte dadurch bestimmt einen Raum von etwa 1.50 Meter für meine Sicherheit geschaffen.

Nachdem alle mit Holzstöcken oder ähnlichem ausgestattet waren und wir die Pinguine (Magellan Pinguine) mit ausreichender Aufmerksamkeit beglückt hatten, hieß es zu der Kolonie von Pinguinen zu gehen, der unser Hauptaugenmerk galt, nämlich den so genannten Felsenpinguinen. Diese Pinguine waren ohne weiteres von den Magellan Pinguinen zu unterscheiden, denn diese hatten schöne gelb leuchtende Haare als „Augenbrauen“.

Um sie zu erreichen, mussten wir die kleine Insel überqueren, was bedeutete eine Heerschar von Pinguinen vor sich her trotten zu lassen, denn egal wo man hingegangen wäre, wäre man über diese Tiere gestolpert. Auf unserem Weg kamen wir an einem alten und verfallenen Leuchtturm vorüber, der wohl schon vor langer Zeit seinen Dienst eingestellt hatte, denn auch das kleine Haus neben ihm war durch Pinguine besiedelt worden. Bevor wir die Felsenpinguine schließlich erreichten, mussten wir durch eine Kolonie von Möwen, die nicht sehr begeistert von unserem Auftauchen waren. Dies taten sie auch durch Lauthalses Schreien kund.

Als die Felsenpinguine erreicht waren, konnte ich mich an ihnen kaum satt sehen. Es waren zwar bei weitem nicht so viele Tiere wie die anderen Kolonien von Magellan Pinguinen, doch war dies wirklich etwas ganz besonderes. Diese Tiere gab es nämlich in ganz Argentinien nur hier und sonst nur noch auf den Falkland Inseln. Doch sah man von dieser Tatsache ab, machten sie auch ansonsten viel her. Zum einen blieben sie beharrlich stehen, auch wenn man sich bis auf eine Armlänge an sie heran pirschte und zum anderen wirkten sie mit ihrem gelben Kopfschmuck einfach nur putzig. Ich konnte mich kaum satt sehen an diesen possierlichen Genossen.

Neben diesen Pinguinen entdeckten wir in diesem Gebiet noch ein paar Austernfischer, die ich bislang auch nur aus dem Fernsehen kannte. Mit ihren roten Schnäbeln waren sie sehr gut zu erkennen. Zudem machten sie, wenn sie zum Formationsflug aufstiegen einen heiden Lärm. Der Stopp bei den Felsenpinguinen war zwar mit viel Zeit veranschlagt, doch eigentlich war es nicht genug. Denn stets gab es etwas Neues zu entdecken und wenn es nur das possierliche Hüpfen von Stein zu Stein war, wenn sich eines der Tiere in Richtung Wasser aufmachte, oder sie sich die Felsen zurück zu ihren Jungen empor arbeiteten.

Von den Felsenpinguinen ging es zu einer Kolonie von Seelöwen. Auf dem Weg dort hin benötigten wir unsere Stöcke zur Raubmöwenabwehr schon deutlich öfters, als auf dem bisherigen Wegstück. So ergab sich wirklich ein groteskes Bild, denn einer hinter dem anderen lief über die Insel und hielt mehr oder weniger enthusiastisch seinen Stock in die Höhe.

Als die Seelöwen erreicht waren, hieß es sich in gebückter Haltung, möglichst lautlos an sie heranzupirschen, denn ansonsten hätten sie uns keine Gelegenheit geben sie zu beobachten. Wir schafften es auch uns auf eine ansehnliche Entfernung an sie heran zuarbeiten und zu beobachten.

Mittlerweile ging es auf 12 Uhr zu und dies bedeutete, dass wir langsam den Rückweg antreten mußten. Ich legte den Weg zurück zu unserem Treffpunkt alleine zurück und staunte nicht schleckt wie massiv ich von den Raubmöwen angegriffen wurde. Hier machte sich meine Möwenabwehr wirklich bezahlt, denn nur selten kamen die Tiere so nah und niedrig an mich heran, dass ich zusammenzuckte. Die Attacken wurden so heftig, dass ich versuchte dieses Spiel auch fotografisch festzuhalten, doch ob es gelang wird erst die Entwicklung der Bilder zeigen, den die Tiere waren verdammt schnell.

Ohne irgendwie ernsthaft in Bedrängnis gebracht worden zu sein, erreichte ich den Ort, an dem wir uns alle wieder treffen sollten. Dort stand schon eine riesige Box mit Weißbroten, Saft und Obst zur bereit. Da seit dem Frühstück schon geraume Zeit war hatte sich ein gewisses Hungergefühl eingestellt und so ließ ich es mir schmecken.

Während ich mein Brot verputzte, registrierte ich das erste Mal, dass der Wasserstand deutlich niedriger war als am Morgen, also wohl Ebbe herrschte. Auch nahm ich zu Kenntnis, dass sich auf dem Meer Wellen auftürmten und es schon jetzt nicht besonders gemütlich aussah. Doch maß ich dieser Tatsache jetzt noch keine Bedeutung bei.

Gegen 13 Uhr ging es daran unsere Rückfahrt in Angriff zu nehmen. Wie sich nun herausstellte konnten wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr an dem Ort das Boot besteigen an dem wir angelandet waren. Wir mussten stattdessen auf die andere Seite der Bucht, an der wir angelandet waren. Dieser Fußmarsch war nicht sehr einfach, denn der Strand bestand aus Kies, der nicht komprimiert war und man daher stetig einsank, was das Laufen sehr erschwerte.

Auf der anderen Buchtseite angelangt, sah der Zustieg in das Boot nicht all zu schwierig aus. Und trotzdem schaffte ich es mich ein wenig in Bedrängnis zu bringen. Da mir der Schritt vom Felsen bis zum Boot als zu groß erschien, hüpfte ich bäuchlings in einem „Hechter“ auf das Boot, ließ mich hinein gleiten und landete irgendwie auf dem Rücken. Das war mein Verhängnis, denn durch mein Stativ blieb ich irgendwo hängen und konnte mich nun nicht mehr rühren. Erst nachdem mir ein paar helfende Hände entgegen gereicht wurden, konnte ich langsam aus dieser misslichen Situation befreit werden. Das Übersetzen zum „Hauptboot“ und das Umsteigen verlief ohne größere Probleme. Ich sah beim Umsteigen sicherlich nicht wie eine Elfe aus, doch besonders ungeschickt ging das ganze nicht vonstatten.

Auch dieses Mal bedurfte es einiger Bootstouren, bis alle Passagiere eingeladen waren, und die Rückfahrt beginnen konnte. Unser Bootsführer drückte auch gleich ordentlich auf die Tube und wir alle waren erstaunt oder eher erschrocken wie wild dieser Ritt begann, denn schon jetzt wurde der ein oder andere von einer Wassergischt getroffen. Anfangs fuhren wir nur bis zu der Insel mit den Seelöwen. Dort gab es eine kurze Verschnaufpause. Ich nutzte diese Gelegenheit mir einen meiner Reisekaugummis gegen Seekrankheit einzuwerfen, denn dies schein mir mehr als angebracht.

Als wir den Schutz des Felsens verließen, spürten wir die Wellen und den Wind mit voller Wucht und ich wusste nicht so recht wie ich mich festhalten sollte. Besonders hart wurde es, wenn das Boot unter dem Hintern verschwand und man ein paar Sekunden später mit voller Wucht wieder auf die Sitzbank krachte. Im Grunde hatte ich aber noch Glück, denn ich blieb meist von der Gischt, die das Boot so manches Mal überflutete verschont. Doch war dies auch das einzige von dem ich verschont blieb. Denn je länger die Fahrt dauerte um so mehr stellte sich bei mir ein gewisses Maß an Übelkeit ein. Anfangs wurde ich dem ganzen noch Herr in dem ich meinen Blick starr auf den Horizont richtete und hoffte, das dieser Höllenritt bald vorüber sein sollte. Im Grunde kam ich mit dieser Taktik auch gut vorwärts. Doch schließlich stellte man den Motor ab und begann auf das Schlauchboot zu warten. Diese Wartezeit wurde immer wieder aufs Neue zu einem wahren Martyrium, denn ich merkte wie mir immer schlechter wurde.

Schließlich, wie sollte es auch anders kommen, überkam mich in wenigen Sekunden ein so brutaler Brechreiz, dass ich es nur in allerletzter Sekunde schaffte mich in Richtung Wasser zu drehen. Die Erleichterung war schon beträchtlich, doch deutlich besser fühlte ich mich erst, nachdem ich mich jeglicher Nahung die ich heute zu mir genommen hatte entledigt hatte. Dass ich mich nun wieder munter Fühlte, davon war nicht die Rede und ich sehnten festen Boden herbei, denn dort sollte das Übel ein Ende finden. Doch stellte sich heraus, dass selbst das verlassen des schwankenden Elementes keine überzeugende Verbesserung meines Zustandes bewirkte. Daher entschloss ich mich, an diesem Nachmittag eher das Bett als meine Heimstadt zu wählen, als irgendwelche Aktivitäten zu starten. Auch teilte ich schon jetzt mit, dass ich auf den Bootsausflug am kommenden Tag verzichten würde.

Es war 15 Uhr, als das Hotel und mein Bett erreicht waren. Nachdem ich mich von meinen nassen Sachen befreit hatte, musste ich mich erst einmal hinlegen. Doch ich merkte, dass mein Bett allem Anschein nach nicht still zu stehen gedachte. Es fühlte sich an, als würde das Bett Tango tanzen. So rettete ich mich in einen unruhigen aber doch beruhigenden Schlaf.

Ich erwachte erst wieder gegen 19 Uhr, doch merkte ich rasch, dass ich mich noch immer nicht richtig wohl fühlte. Trotzdem nutzte ich jetzt die Zeit, um etwas Ordnung in meine Ausrüstung zu bringen und meine mit Salzwasser getränkten Kleidungsstücke zu reinigen. Es dauerte aber nicht lange, bis ich es wieder vorzog im Bett zu verschwinden.

 

14. Tag – Donnerstag 24.01.2002
Puerto Deseado

Ort Temperatur Wind Wolken:
25 °C starke Brise morgens dichte Bewölkung, tagsüber fast wolkenfrei, später Aufzug von Bewölkung

Durch den vielen Schlaf vom Vortag, erwachte ich schon gegen 6 Uhr. Ich fühlte mich nicht mehr ganz so übel wie am Vortag. Daher machte ich mich fertig und begab mich in den Frühstücksraum. Obwohl allerlei Leckereien auf dem Buffet zur Verfügung standen konnte ich mich nicht überwinden etwas zu mir zu nehmen. Ich begnügte mich stattdessen mit einem Glas Saft. Da ich am Vortag zu niemandem mehr Kontakt gehabt hatte, wusste ich nicht wann die anderen zu ihrem heutigen Ausflug aufbrechen würden. Somit wusste ich auch nicht wann die anderen zum Frühstück auftauchen wurden. Wie ich feststelle, verging geraume Zeit, bis der erste auftauchte. Es war Bernd.

Bei ihm erkundigte ich mich, was sein Fotoapparat machte, denn dieser hatte bei der gestrigen Überfahrt einen kleinen Wasserschaden erlitten. Wie ich erfuhr, hatte sein Apparat allem Anschein nach sein Leben ausgehaut. Das fand ich sehr bedauerlich für ihn, denn heute war gerade erst einmal die Hälfte des Urlaubes vorüber und wer wusste schon welch grandiose Dinge es noch zu Fotografieren kommen würden.

Doch gleich darauf erzählte er mir, dass er einen Ersatzapparat dabei hätte. Bei diesem sei er sich jedoch nicht über alle Funktionen im Klaren. Da ich ein ähnliches Modell früher einmal besessen hatte, erklärte ich mich bereit sie ihm zu erläutern. Während der Erläuterungen machte sich Bernd viele Gedanken bezüglich der Qualität der Kamera. Ich versuchte seine Bedenken zu zerstreuen, denn meine Erfahrungen mit diesem Modell waren außerordentlich gut gewesen. So recht mochte ich die Sorgen nicht zu zerstreuen, doch ich war sicher, dass er nach der Entwicklung der Filme meiner Ansicht sein würde.

Mittlerweile waren auch die anderen beim Frühstück eingetroffen und ich erfuhr, dass ihr Ausflug gegen 9:15 beginnen sollte. Auch wenn ich mich noch nicht ganz wieder hergestellt fühlte, entschloss ich mich eine Wanderung an der Küste entlang zu machen.

Als ich das Hotel verließ herrschte dichte Bewölkung, daher verzichtete ich heute einmal auf den sonst üblichen Sunblocker.

Anfangs war der Weg nicht sonderlich interessant. Dies änderte sich, als ich den Bereich der Ortschaft verließ und die Küste etwas felsiger wurde. Nun gab es bizarre Felsformationen zu sehen und mit dem immer besser werdenden Wetter war es wirklich ein besonderes Bild.

Der weitere Weg führte mich hinauf an eine Steilküste. Schließlich war es nicht mehr möglich weiter zu gehen, stattdessen wurde mir ein herrlicher Blick über das Meer geboten. Ich konnte sogar jene Insel sehen, die ich am Vortag noch besucht hatte. Da es vor hier nicht mehr weiter ging, entschied ich mich den Rückweg zu beginnen. Das nun folgende führte mich über eine schattenlose Ebene. Es war so heiß, dass ich gehörig ins Schwitzen kam. Schließlich war ich froh wieder im Ort angelangt zu sein.

Als ich dort einen Supermarkt entdeckte stürmte ich gleich hinein und erstand etliches an Getränken. Ich freute mich schon sehr endlich etwas Flüssiges zu mir nehmen zu können, doch wurde dieses Vorhaben an der Kasse massiv vereitelt.

Während der bisherigen Fahrt hatte man uns oft erzählt, dass man hier in Argentinien die Ruhe weghaben sollte, sonst würde man nicht sonderlich glücklich werden, denn alles geht nur mit Ruhe und ganz viel Zeit. An dieser Kasse merkte ich jedoch erst richtig was damit gemeint war. Die Kassiererin hatte nämlich eine Bekannte entdeckt und obwohl sich hinter mir eine ordentliche Schlange gebildet hatte wurde ein Schwätzchen eingelegt. Dass die Leute an der Kasse zusehends ungeduldiger wurden schien sie dabei nicht zu stören. Mich beruhigte es nur insofern, da nicht nur ich an mich halten musste, sondern auch alle Argentinier allem Anschein Mühe hatten ihre Ungeduld im Zaum zu halten.

Doch auch das längste Schwätzchen geht einmal vorüber und ich konnte schließlich meinen Einkauf bezahlen. Vor dem Laden musste ich sogleich meinen fast unerträglich gewordenen Durst stillen. Das Hotel erreichte ich pünktlich gegen 13 Uhr, als es das Mittagessen geben sollte. Ich staunte selbst über dieses Timing und ich fragte mich, ob es wohl etwas zu bedeuten hatte.

Mit dem eigentlichen Beginn des Mittagsmahles musste ich mich jedoch noch etwas gedulden, denn die anderen waren noch nicht von ihrem Tagesausflug zurück. Doch nachdem sie eingetroffen waren, dauerte es nicht mehr lange, bis am Bus das Essen hergerichtet worden war.

Als ich das Essen angerichtet vor mir liegen sah, war ich mir zwar nicht ganz sicher ob ich wieder Nahrung zu mir nehmen könnte, doch das Knurren meines Magens lies keine andere Entscheidung zu, als sich über das Nahrungsangebot herzumachen. Während ich es mir schmecken ließ genoss ich noch jeden Bissen, doch im Verlauf dieses Nachmittages war ich mir dann doch nicht ganz sicher, ob es die tollste Idee gewesen war etwas gegessen zu haben. Ich stellte nämlich fest, das mir stetig übel war und ich nun unter einer ordentlichen Verstopfung litt.

Aus diesem Grunde wollte ich den Nachmittag wirklich ruhig angehen, was bedeutete, dass ich mal wieder Berichte für meinen Reisebericht im Internet-Cafe schreiben wollte. Zudem verabredete ich mich mit Ronnie und Annette für den späteren Nachmittag, damit wir ihnen ein E-Mail Konto einrichten könnten.
Bevor ich ins Internet-Cafe verschwand, legte ich eine kurze Pause in meinem Zimmer ein und gab mich den schwankenden Bewegungen meines Bettes hin.

Ich brach gegen 15:30 Uhr ins Internet-Cafe auf und da es direkt vor der Tür des Hotels lag, war es schnell erreicht. Weniger schnell funktionierte der Internet-Zugang, zudem machte der Computer absolut nicht das was ich wollte. Erst nachdem er von mir neu gestartet und ich die Internet-Verbindung manuell aufgebaut hatte arbeitete er zuverlässig.

Ronnie und Annette tauchten gegen 17 Uhr auf und sogleich begannen wir das E-Mail Konto einzurichten. Wie sich herausstelle war dieses Unterfangen, welches bei einem „ordentlichen“ Internet-Zugang höchstens 10 Minuten dauert, hier eine äußerst zeitraubende Aktion. Sie nahm satte 60 Minuten in Anspruch. Schließlich war ich mehr als froh, dass es überhaupt geklappt hatte.

Danach widmete ich mich wieder meiner Schreibtätigkeit. Etwa gegen 18:30 Uhr merkte ich, das sich eine Gruppe von Deutschen zusammenfand und insgeheim hoffte ich, dass sie nur telefonieren wollten. Da sie jedoch einfach nicht wieder gingen, verhärtete sich der Verdacht, dass auch sie in Internet wollten. Gegen 19 Uhr kamen sie auf mich zu und erkundigten sich wie lange ich denn noch brauche würde. Ich entgegnete, dass ich wohl noch 3 Stunden schreiben würde. Sie schauten etwas ungläubig und ich fragte sie, warum sie nicht eines der anderen Internet-Cafes in Anspruch nehmen würden. Sie erklärten, dass diese wohl alle außer Betrieb seinen. So entschied ich mich nur noch den begonnen Tag zu Ende zu schreiben, was ungefähr noch 30 Minuten in Anspruch nehmen würde. Auf diese Weise kam ich nicht so weit wie ich gehofft hatte.

Ich erreichte das Hotel 24 Peso (ca. 20 Euro) ärmer gegen 19:45 Uhr. Dort traf ich noch einige meiner Reisepartner und ich gesellte mich zu ihnen und bis zu ihrem Aufbruch zum Abendessen ergab sich ein wirklich netter Schwatz. Als die anderen sich auf zum Abendessen machten, zog ich mich wieder auf mein Zimmer zurück und bereitete mich auf die morgige Weiterfahrt vor.

Es war immerhin 22 Uhr, als ich schließlich ins Bett ging. Doch sah ich mich an diesem Abend genötigt auch im Hotel meine Lärmstopper einzusetzen, denn von der Straße tönte lautstarke Musik und ich hörte ab und an Hupen und Motorengeheul. Trotzdem schlief ich ein.

 

15. Tag – Freitag 25.01.2002
Puerto Deseado – Monomento Natural Bosques Petrificados (Versteinerter Wald) – Puerto San Juliúlian

Ort Temperatur Wind Wolken:
24 °C kaum spürbar bewölkt

An diesem Morgen stand wieder ein früher Aufbruch auf unserem Programm. Dies war noch nicht so schlimm, doch da ich am Abend mein Gepäck noch nicht gepackt hatte, musste ich unerfreulich früh aufstehen, um rechtzeitig alles verpacken zu können. Aus diesem Grunde klingelte mein Wecker schon um 5:45 Uhr und nachdem das unangenehme Geräusch in mein Unterbewusstsein vorgedrungen war, blieb ich nicht mehr lange liegen.

Trotz der schlechten Vorbereitungen vom Vorabend, schaffte ich es erfreulich schnell mein Gepäck reisefertig vorzubereiten und so konnte ich mich ganz in Ruhe zum Frühstück begeben. Dies war mir recht, denn ich wollte das umfangreiche Frühstücksangebot dieses Hotels noch einmal ausnutzen.

Auch wenn das Büfett nicht mehr so üppig war wie am Vortag, denn es schien, daß einige Dinge nur für uns bereitgestellt worden waren, konnte ich mir Toast und Orangensaft schmecken lassen. Leider merkte ich bei dem Verzehr, daß sich Magenschmerzen einstellten. So blieb mir nichts anderes übrig, als kurz vor der Abfahrt diesen Beschwerden mit einem Besuch auf der Toilette Tribut zu zollen.

Nachdem wir vor zwei Nächten, nach Informationen unserer Reiseleitung, auf die längste Einbahnstraße der Welt eingebogen waren, hieß es an diesem Morgen diese Straße wieder zurück zufahren, damit wir wieder die Fernstraße 3 unter unsere Reifen bekommen konnten, um die Fahrt in Richtung Süden fortzusetzen.

Die Fahrt bis zur Fernstraße 3 nahm ganze 90 Minuten in Anspruch und ich muß gestehen, daß ich froh wahr, als wir schließlich die Fahrt in Richtung Süden auf unbekannten Terrain fortsetzen konnten. Allerdings dauerte dieser Vorstoß in Richtung Ende der Welt nicht lange, denn schon all zu bald bogen wir auf eine Schotter Piste ab, die uns mehr ins Landesinnere und in einen Nationalpark bringen sollte.

Bevor wir tiefer in dieses Gebiet vorstießen, teilte uns Sandra mit, daß sich die Landschaft deutlich verändern würde. Ich schaute aus dem Fenster und konnte keinerlei Veränderung feststellen. Ich sah immer noch nur die großen Weiten und ausgetrocknetes und karges Land.

Während wir Kilometer um Kilometer in Richtung Nationalpark vorstießen, gab uns Sandra Informationen zur Landschaft und dem versteinerten Wald den wir schließlich noch besuchen würden.

Wie wir nun erfuhren war dieses karge Land vor Millionen Jahren von einem dichten Regenwald überzogen. Zudem gab es Vulkane die der Landschaft ihr bild gaben. Es war jene Zeit vor ca. 65 Millionen Jahren in denen es die Anden noch nicht gab. Als sich jedoch nach und nach die Anden aufzutürmen begannen, veränderte sich auch das Klima, denn die nun wachsenden Berge fingen immer mehr Regen ab und so begann das Land langsam zu veröden. Zudem sorgten heftige Vulkanausbrüche für Veränderungen und zu einer Konservierung der sterbenden Flora und Fauna.

Nachdem Sandra ihre ersten Ausführungen beendet hatten, schaute ich seit geraumer Zeit wieder einmal aus dem Fenster. Wie ich nun feststellen durfte, hatte sich die Landschaft tatsächlich verändert. Natürlich war die Gegend immer noch karg und weit, doch es gab Hügelketten zu sehen und die meisten von ihnen ähnelten Tafelbergen. Es war wirklich ein hübscher Anblick und ich fühlte mich gleich veranlasst einen Foto-Stopp zu fordern.

Auf dem letzten Stück in Richtung Nationalpark und versteinerten Wald, erfuhren wir, wie es zu den Versteingerungen gekommen war.

Wie wir schon wussten gab es in dieser Region dichte Regenwälder und Vulkane. Im Laufe der Zeit fielen die Bäume den veränderten klimatischen Veränderungen oder auch Naturgewalten zum Opfer. Nach und nach wurden die Bäume durch Erdreich und Vulkanasche luftdicht versiegelt und verschwanden immer tiefer im Erdreich. Dort begann nun ganz langsam die Umwandlung von biologischem hin zum mineralischem Material. Im Verlaufe vieler Jahre füllten sich die Höhlräume, die durch das verrotten des biologischen Materials entstanden, mit Kieselsäure und bildeten nach schließlich den Baum in all seinen Feinheiten und Details nach. Da Kieselsäure eigentlich farblos ist, wären die versteinerten Bäume nicht so beeindruckend, doch hatten sich durch den Regen auch andere Stoffe aus der Vulkanasche und dem Boden gelöst, die den Versteinerungen heute ihre Farbe geben und die Illusion eines echten Baumes vervollständigen. Dank der in den Jahrtausenden stattfindenden Erosion traten die „Bäume“ langsam wieder ans Tageslicht und bieten heute dem Besucher einen grandiosen Blick in die Urgeschichte unserer Welt.

Kurz bevor wir schließlich den Nationalpark mit seinen Versteinerungen erreichten, fuhren wir über eine Kuppe, von der uns ein überwältigender Blick auf eine weite Ebene geboten wurde, aus dem unübersehbar die Überreste eines einstmals majestätischen Vulkanes, emporragten. Es war ein wahrlich überwältigendes Bild.

Das Rangerbüro, welches Ausgangspunkt für unseren Ausflug zu den Versteinerungen bilden sollte, erreichten wir gegen Mittag. Diese Tatsache nutzten wir, vor der Erkundung ein kleines Mittagsmahl einzulegen. Heute aßen alle wohl etwas schneller, denn es gelüstete die Versteinerungen endlich in Augenschein zu nehmen. Ein kleiner Fuchs, der wohl auf den ein oder anderen abfallenden Happen hoffte, schlich um uns herum und unterhielt uns auf diese Weise auf das vortrefflichste.

Als ich mich schließlich mit Bernd auf dem Weg machte, brannte die Sonne unerbittlich vom Mittäglichen Himmel. Zu allem Überfluss regte sich kaum ein Lüftchen und so wurde der Ausflug zu den Versteinerungen ein Schweiß treibendes Unternehmen.

Als wir die ersten Versteinerungen erreichten, staunte ich nicht schlecht, denn sie sahen wirklich wie Bäume oder Teile von Bäumen. Erst als ich sie berührte merkte ich, daß es kein Holz war sondern Stein. Es war eine beeindruckende Erfahrung. Ich war so begeistert, daß ich mir sehr viel Zeit beim Bestaunen der Stücke ließ. Schließlich war ich sogar der Ansicht, daß diese Versteinerungen nicht zu Toppen seien. Doch als ich den höchsten Punkt des Rundweges erreichte, kannte meine Verzückung keine Grenzen mehr, denn mir wurde der Blick auf eine überwältigende Kette von Tafelbergen, das Flachland und Vulkane freigegeben. Dieses herrliche Bild veranlasste mich spontan, ein 360° Panoramabild zu machen.

Unsere Fahrt setzten wir gegen 14:20 Uhr fort, was bedeutete, daß wir erst einmal wieder über die Schotterpiste, die uns hier her gebracht hatte, zurück bis zur Fernstraße 3 fahren mußten. Auch wenn dies nur rund 50 Kilometer waren, nahm diese Fahrtstrecke etwa 60 Minuten in Anspruch.

Nach kurzer Fahrt auf der Fernstraße 3 legten wir einen Kaffeestopp ein. Er war uns als Halt an einem skurrilen Ort angekündigt worden. In der Tat stellte sich die „La Cabana“ als ein uriger Schuppen heraus. Bei dieser Raststätte handelte es sich um eine kleine Hütte wie man sie vielleicht aus mexikanischen Filmen kannte. Auch Innen wirkte sie sehr zünftig. Besonders wurde dies sicherlich durch seine Holzverkleidungen an Decken und Wänden unterstrichen.

Während die anderen sich den Kaffee schmecken ließen, begann Bernd aus Dresden (es gibt auch einen Bernd aus Aachen) mehr und mehr zu leiden. Es schien als hätte er am Vorabend irgendetwas verzehrt, was ihm nicht sonderlich gut bekommen war und tatsächlich sah er immer elender aus. Auch während der Fahrt war er sehr lustlos in seinem Sitz gehangen.
Auch ich fühlte mich nicht besonders gut, doch führte ich es bei mir noch immer auf den Bootsausflug zurück. Ob dies nun die Ursache war oder nicht, ich war froh, daß hier die Toilette nicht so weit weg war.

Das letzte Fahrtstück bis nach Puerto San Julién dauerte noch mehr als zwei Stunden. Als wir in den Ort einfuhren erkundigte ich mich noch, wo sich denn das nächste Internet-Caffee befinden würde, denn ich wollte die bisherigen Erlebnisse als bald niederschreiben. Zudem entdeckte ich das ein oder andere was ich mir näher ansehen wollte. Doch spielte mir mein Befinden einen Streich, oder war da vielleicht ein Fluch, der auf dem Ort lag, denn 1578 hatte Fracis Drake seinen Freund Thomas Doughty köpfen lassen, der gegen ihn aufzubegehren gewagt hatte. So wie Magellan schon vor ihm an diesem Ort zwei der Meuterer hat köpfen und vierteilen lassen, die seine Mission, eine Verbindung zwischen dem atlantischen und dem pazifischen Ozean zu finden, vielleicht hätte scheitern lassen. Im Grunde war es mir aber egal. Ich zog mich lieber früh in mein en Schlafsack zurück in der Hoffnung, durch ihn meine Gesundheit schnellst möglich wieder zurück zu erlangen.

 

16. Tag – Samstag 26.01.2002
Puerto San Julián – El Calafate

Ort Temperatur Wind Wolken:
27 °C sturmartige Böen fast geschlossene Wolkendecke

Die vergangene Nacht war eine der unangenehmeren. Ich fühlte mich so unwohl, daß ich nicht richtig tief schlafen konnte. Zudem spielte mein Magen der Art verrückt, daß ich regelmäßig erwachte und mich in Richtung Toilette aufmachen musste.
Einen Vorteil hatte der nächtliche Toilettenaufenthalt, denn nun stand den Zeltplatzbesuchern eine Toilette im deutschen Stiel zur Verfügung. Während des Tages hatte man nur Zugang zu Toiletten im italienischen Stiel und solch eine Toilette ist wirklich nicht jedermanns Geschmack.

Meinen Wecker hatte ich auf 5:45 gestellt, doch ich erwachte deutlich früher. Da es keinen Sinn machte gleich aus dem Schlafsack zu kriechen, nutze ich die verbleibende Zeit, um etwas Radio zu hören und zu lesen. Als die kurze schließlich Schonfrist vorüber war, begann ich gleich mit dem Packen und dem Abbau meines Zeltes. Ich war erstaunt wie zügig mir alles von der Hand ging, denn schon 30 Minuten später war alles verstaut und ich war zum Aufbruch bereit.

Als ich all meine Sachen zum Fahrzeug gebracht hatte, wunderte ich mich, daß ich ziemlich allein war. Lediglich Bernd, Ronnie und Anette tauchten auf und auch sie wunderten sich, wo die anderen blieben. Wie wir später feststellen durften, hatten wir uns allesamt um 1 Stunde vertan. Ich überlegte kurz, ob mir die Stunde Schlaf gefehlt hätte, doch so nutzte ich die Zeit einfach, um ein paar andere kleinere Aufgaben, wie zum Beispiel das Schreiben von Postkarten zu erledigen.

Schließlich tauchten auch die Anderen nach und nach auf und nachdem wir gefrühstückt und uns gewaschen hatten, stand unserer heutigen Fahrt nichts mehr im Wege. Wir verließen Puerto San Julián gegen 8:30 Uhr.

Die erste Sehenswürdigkeit die unsere heutige Fahrt zu bieten hatte war die Tiefebene „Gran Banjo de San Julián“. Wie uns erklärt wurde, lag diese Tiefebene etwa 105 Meter unterhalb des Meeresspiegel. Während ich mir das ganze betrachtete, kam ich schließlich zu der Erkenntnis, daß hätte ich diese Information nicht erhalten, ich diese Tiefebene einfach für ein Tal gehalten hätte.

Ohne nennenswerte Ereignisse ging es weiter, bis wir schließlich gegen 11:10 Uhr die Fernstraße 3 verließen und unsere Fahrt auf einer Schotterpiste fortsetzten. Auch wenn diese Piste eher als gut zu bezeichnen war, wurden das Fahrzeug und seine Insassen kontinuierlich durchgeschüttelt. Wurden gelegentlich Steine aufgewirbelt, die dann unkontrolliert unter dem Fahrzeug entlang flogen, hörte sich das ziemlich bedrohlich an und ließ in mir gelegentlich die Befürchtung aufkommen, daß wir vielleicht einen Fahrzeugschaden davontragen könnten. Doch blieb es bei der Befürchtung.

Auf der nun folgenden Fahrtstrecke beeindruckten mich besonders die herrlichen Wolkenformationen. Diese wurden durch kräftige Winde weit oben zwischen den Wolken gebildet und wirkten wie ein Gemälde aus Blau bei dem ein Blauton in den anderen überzugehen schien. Dieses Bild wurde noch durch die Landschaft unterstützt, die völlig flach in Gelb- und Brauntönen Tönen vor uns lag.
Während ich den Ausblick auf die Landschaft genoss, ging mir stetig ein Satz durch den Kopf, den ich hier in einer Zeitung gelesen hatte: „Manchmal gibt es nur oben und unten“. Ich konnte spätestens hier diesem Satz uneingeschränkt zustimmen.

Die erste nennenswerte Unterbrechung unserer Fahrt bestand in unserem Stopp für das Mittagessen. Der gewählte Rastplatz stellte sich als gute Wahl heraus, denn von ihm konnte man in ein Tal hinunterblicken durch den sich der „Rio Santa Cruz“ schlängelte. Der Fluss war durch sein türkisblau nicht zu übersehen und bildete einen ganz besonderen Akzent zur umgebenden Landschaft. Kam gelegentlich die Sonne hervor begann der Fluss noch herrlicher zu leuchten.

Eine besondere Herausforderung bei diesem Mittagessen war der kräftig wehende Wind. Es war wirklich nicht einfach das Essen auf das Brot zu transportieren und anschließend dafür zu sorgen, dass nicht gleich alles wieder davonflog, während man versuchte das ganze zu verspeisen. Der Wind war sogar manchmal so Stark, dass ich mir sicher war, dass würde jemandem das Essen vom Brot gewehrt werden, würde es genau im Mund eines anderen landen. Doch trotz dieser kleinen Unannehmlichkeit wurden wir sicherlich alle satt.

Auf der Weiterfahrt wurden wir nochmals mit einem wirklich als skurril zu bezeichnenden Schild konfrontiert. Es war ein Hinweisschild für eine Estancia. An diesem Schild war wieder ein Hund (völlig ausgetrocknet und ohne Fell) befestigt worden. Beim Anblick dieses Wegweisers konnte ich mir nicht so recht vorstellen was der Eigentümer damit beabsichtigt hatte. Auf jeden Fall war ich der Ansicht, daß es keine gute Idee wäre den Ort aufzusuchen. Über einen Besuch unsererseits brauchte ich mir auch keine Sorgen machen, denn wir setzten nach einem kurzen Stopp unsere Fahrt in eine andere Richtung fort.

Je näher wir uns unserem Tagesziel näherten umso abwechslungsreicher wurde die Landschaft. Natürlich war sich noch immer sehr karg, doch wurde das Landschaftsbild zunehmend hügeliger was für uns bedeutete, daß auch die Straße sich manches Mal in Kurven einen Hügel hinunter oder hinauf wandte.

Erleichterung ging durch den Bus, als wir gegen 16:10 wieder eine asphaltierte Straße erreichten. Doch der Gewinn an Komfort war von kurzer Dauer, denn zumindest auf den ersten Kilometern war diese Straße eher schlechter zu befahren, als die Schotterpiste. Es lag nämlich ein Schlagloch neben dem anderen und Marcus musste so manches Mal Zickzack über die Straße fahren, um nicht in einem der Löcher zu landen.

El Calafate erreichten wir gegen 17 Uhr. Bei unserer Unterkunft handelte es sich um alte Estancia mitten im Ort. Daher hatten wir keine Problem uns die Vorteile des Ortes nutzbar zu machen. Da es Bernd noch immer nicht viel besser ging, bemühte sich Sandra darum, für ihn und mich je ein Einzelzimmer zu bekommen. Gegen eine geringe Gebühr konnte jeder ein Zimmer sein eigen nennen.

Lange hielt ich mich nicht im Hotel auf, sondern ich marschierte direkt in den Ort, um einen Laden zu finden in dem ich ins Internet gehen konnte. Da El Calafate stark vom Tourismus abhängig ist, war es absolut kein Problem ein solches Geschäft zu finden. Zudem war der Zugang mit 3 Peso (2 Euro) pro Stunde auch akzeptabel.
Auch wenn viele Leute den Wunsch hatten Emails zu schreiben, konnte ich direckt einen Rechner in Anspruch nehmen und sogleich beginnen alle Erlebnisse niederzuschreiben.

Ich zeigte mich an diesem Tag als durchaus fleißig und schaffte es bis 20:30 Uhr den größten Teil meiner Erlebnisse niederzuschreiben und auf die Reise zu senden.
Auf dem Weg zurück zum Hotel, stoppte ich noch bei einem Supermarkt, denn uns war gesagt worden, dass es wieder ein argentinisches Frühstück geben würde. So erstand ich etwas Wurst, um das Frühstück für mich etwas erfreulicher zu gestalten.

Als ich das Hotel kurz nach 21 Uhr erreichte, saßen die Anderen noch am Esstisch zusammen und ich gesellte mich gerne zu ihnen. Auf diese Weise klang der Abend angenehm aus.

Es war etwa 22 Uhr, als ich schließlich in meinem Zimmer verschwand und alsbald in Morpheus Armen lag.

 

17. Tag – Sonntag 27.01.2002
Tagesausflug zum Moreno Gletscher im „Los Glaciares Nationalpark“

Ort Temperatur Wind Wolken:
18 °C starke kühle Böen Dichte Bewölkung. Durch den starken Wind reist die Bewölkung im Laufe des Tages auf und es wird deutlich angenehmer.

Dies sollte ein wirklich besonderer Tag werden, denn es stand der Besuch eines Gletschers auf dem Programm. Daher schaute ich sofort nach dem Aufstehen aus dem Fenster, um den Himmel zu inspizieren und ich stellte mit Freude fest, daß der Himmel einen guten Tag zu verheißen schien. Es gab kaum Wolken und auch die Sonne schickte sich an Ihr Antlitz zu zeigen.

Als ich den Frühstückstückstraum betrat fiel mir ein, daß es hier wieder ein argentinisches Frühstück geben sollte. Umso glücklicher war ich, als ich auf die Wurst in meiner Hand schaute, die ich mir ja am Vorabend gekauft hatte. Auf diese Weise kam ich zu einem ordentlichen Frühstück.

Wir verließen das Hotel in Richtung Gletscher etwa gegen 7:45 Uhr. Wir brachen so früh auf, denn wir wollten mit bei den ersten sein, die am Gletscher ankämen, denn die Ausflugsbusse verließen Calafate meist erst gegen 9 Uhr.

Bevor den Ort schließlich ganz verließen, luden wir unsere heutige Begleitung ein, denn wenn Reisegruppen unterwegs waren musste eine offizielle Begleitung mitgenommen werden. Bei unserer Begleiterin handelte es sich um eine Argentinierin und sie hieß Bonny. Anfangs wunderte ich mich über das fast fließende Deutsch, doch klärte sich dieser Umstand bald auf. Sie hatte etliche Jahre in Deutschland gelebt.

Auf der nun folgenden Fahrt fiel es mir gelegentlich etwas schwer mich auf die interessanten Erzählungen von Bonny zu konzentrieren, denn in der Richtung, in die wir Calafate verließen, ließ das Wetter nichts Gutes erahnen. Die Wolken hingen tief und es begann sogar zu regnen. Trotz dieses ernüchternden Eindrucks lauschte ich ihren Erzählungen und erfuhr unter anderem wie Calafate entstanden war.

An jener Stelle, an dem dieser kleine Ort heute zu finden ist, war früher ein außerordentlich guter Platz für die Calafate Pflanze, denn es war hier geschützt und es gab durch den Lago Argentino genügend Wasser Argentiniens größter See, der etwa 3 Mal so groß ist wie der Bodensee). So machte es auch für Reisende Sinn hier zu rasten. Irgendwann gab es schließlich die ersten Beherbergungen und so entstand nach und nach dieser Ort. Heute bringt er es immerhin auf die stattliche Einwohnerzahl von rund 6.000 Personen und was die zukünftige Expansion des Ortes angeht , so ist noch kein Ende in Sicht. Schließlich bietet der Ort, zumindest in der Sommerzeit ein gutes und einträgliches Einkommen und dies obwohl die wirtschaftlichen Probleme, die das gesamte Land ergriffen haben, auch hier deutlich zu spüren sind.

Nicht weit hinter der Stadtgrenze von Calafate, hielten wir, denn dort würden wir das erste Mal die Anden zu sehen bekommen, wenn das Wetter nicht so verdrießlich gewesen wäre. Es tröstete auch nicht, dass dies „typisches patagonisches Wetter“ war. Auch wenn wir nichts sahen, so kamen wir zumindest in den Genuss die Frucht der Calafate Pflanze zu probieren. Wie alle schnell feststellen, sah sie wie unsere Blaubeere aus, doch schmecken tat sie anders. Wenn man mich nun geragt hätte, wie sie schmeckt, könnte ich die Frage nicht beantworten. Ich denke jeder Reisende sollte sich sein eigenes Bild machen.

Als wir die Fahrt fortsetzten, verließen wir langsam jenes Gebiet, welches die Pflanzenwelt der Pampa beheimatet und erreichten eine wesentlich üppiger bewachsene Landschaft. In dieser sah man wieder saftige Wiesen und schließlich tauchten auch die ersten Bäume auf.
Bei diesen Bäumen fiel einem jedoch ins Auge, dass sie irgendwie krank wirkten, denn es gab viele verdorrte und tote Äste. Manchmal schien es so als würde der Baum nur aus solchen Ästen bestehen. Wie wir jedoch erfuhren, waren diese Bäume jedoch keineswegs krank, sondern es war ihre Art des Wachstums.

Je näher wir dem Gletscher kamen, umso verdrießlicher wurde das Wetter und ich befürchtete schon, dass nichts aus der Aussicht auf den Gletscher werden würde. Wie sich schließlich jedoch herausstellte, sollte ich mich mit dieser Annahme täuschen, denn als wir das erste Mal aus einiger Entfernung das Gletschereis zu sehen bekamen, konnte ich das herrliche Blau des Eises gut erkennen. Auch schafften es die ersten zaghaften Sonnenstrahlen sich durch das Wolkendach zu arbeiten.

Von dem sagenhaft schimmernden Blau des Eises war ich nachhaltig beeindruckt und ich überlegte wie es wohl zu Stande kommt. Ich hatte gerade die ersten Gedanken an dieses Problem verschwendet, als die über die Bussprechanlage die Erläuterung kam.

Ich erfuhr, daß die blaue Farbe etwas mit der Höhe des Sauerstoffeinschlusses zu tun hat. Je höher die Kompression des Eises ist, desto weniger Sauerstoff beinhaltet es und umso blauer erscheint es dem Betrachter.

Weiterhin erfuhr ich, was diesen Gletscher zu etwas wirklich besonderen macht, denn bis zum Jahre 1988 war er nämlich Kulisse für ein mehr oder weniger regelmäßig wiederkehrendes Naturschauspiel, welches sich wie folgt darbot:

Der Moreno Gletscher befindet sich an den Ufer des Lago Argentino. Allerdings nicht an der großen Wasserfläche, sondern an einem seiner Seitenarme. An jener Stelle, an der der Gletscher nun auf den Seitenarm stößt, führt ein Wachstum des Gletschers dazu, daß er sich vorwärts schiebt, bis der Seitenarm wie durch eine Staumauer durchtrennt wird. Nun hat das Wasser, welches dem See und insbesondere dem abgetrennten Seitenarm zugeführt wird, zur Folge, das der Wasserspiegel nach und nach ansteigt. Die Eiswand des Gletschers erweist sich dabei also so stabil, daß der Wasserspiegel durchaus bis auf 35 Meter über seinen normalen Stand hinaus anschwellen kann. Der immense Druck, der durch das Wasser zu Stande kommt, lastet nun vollständig auf der Gletschereiszunge. Irgendwann wird der Druck jedoch so hoch, dass die Eiswand in einem explosionsartigen Knall birst. Der dabei entstehende Knall ist so gewaltig, dass er sogar noch im 80 Kilometer entfernten Calafate deutlich zu hören ist. Die angestauten Wassermassen gerissen sich nun in rund 24 Stunden in den Lago Argentino, der, selbst bei seiner gewaltigen Größe um ganze zwei Meter anschwillt.

So angefüllt mit Informationen war kaum mehr ein Halten, als wir den Gletscher etwa gegen 10:45 erreichten. Bonny, Sandra und Marcus begleiteten uns noch ein Stück und es wurden uns an einer Informationstafel die verschiedenen Aussichtsplattformen vorgestellt. Besondere Belustigung rief es hervor, als wir auf einen etwas weiter weg liegenden Aussichtspunkt hingewiesen wurden und der Hinweis fiel, dass er sehr weit entfernt sei. Wie wir schnell bemerkten, waren es bemerkenswerte 400 Meter die man zurücklegen mußte, um diesen Punkt zu erreichen. Ich taufte daraufhin diesen Weg für mich auf den Namen „Fernwanderweg R 400“.

Nun durften wir uns in alle Winde zerstreuen und jeder den Gletscher auf seine Weise erkunden. Ich hatte mich entschieden mich zuerst einmal den Fernwanderweg zu begeben, denn wer wusste jetzt schon, ob ich zum späteren Zeitpunkt überhaupt körperlich noch in der Lage gewesen wäre diese Strecke zu bewältigen.
Schon der Weg zu Aussichtsplattform eröffnete mir eine Vielzahl an grandiosen Ausblicken auf den Gletscher und so blieb ich oft stehen und bestaunte die gewaltige Eiswand, die sich immer höher empor ragte. Auch wenn es subjektiv nicht ganz den Eindruck hatte, aber die gesamte Wand reckte sich rund 70 Meter in die Höhe.
Schließlich war der Aussichtspunkt erreicht und es war wirklich wunderschön, den Gletscher vor mir liegen zu sehen, insbesondere, da dieser Punkt sich verhältnismäßig nah an der Wasseroberfläche befand und somit die Eiswand noch grandioser wirkte, wie sie gen Himmel ragte Anschließend nahm ich die anderen Plattformen in Angriff und jede bot eine eigene besondere Perspektive auf den Gletscher.

Besonders gespannt waren die Besucher und ich darauf zu erleben, wie der Gletscher kalbte und ein Einsblock in die Tiefe stürzte und mit einem gewaltigen Knall auf die Wasserfläche fiel. Oft kam dieses Ereignis nicht vor und so wartete man die ein oder andere Minute, bis solch ein Ereignis eintrat. Leider schaffte ich es mal wieder den gewaltigsten Abbruch an diesem Tag fast zu verpassen. Zumindest was die fotografische Dokumentation betraf. Denn ich hatte gerade meine Kamera verpackt und mich auf den Weg zu einer der anderen Plattformen gemacht, als ein wirklich gewaltiges Stück Eis von der Gletscherzunge abbrach und in ohrenbetäubendem Getöse nach unten donnerte. Während dieses Stück abbrach und niederdonnerte, riss es immer weitere Teile mit sich und so wurde es ein kaum zu überbietendes Ereignis.

Bis zu unserem Mittagessen, welches gegen 12 Uhr am Fahrzeug gehalten wurde, fielen zwar noch kleinere Eisstücke herab, aber nicht mehr solche Eismassen. Beim Mittagessen ließen sich die Leute weniger Zeit als sonst, denn jeder wollte unbedingt wieder zurück zum Gletscher, um ihn weiter zu beobachten.

Während der zweiten Phase des Besuches beschränkte ich mich darauf von einer der höher gelegenen Plattformen den Gletscher zu beobachten. Auch wenn mir während dieser Zeit kein weiter Abbruch geboten wurde, wurde mir ein anderes Schauspiel geboten.
Ich stand gerade bei Rudy und wir plauderten über den Gletscher, als er oben in den Lüften einen Kondor entdeckte. Da wir die einzigen unserer Gruppe hier oben waren, konnten wir die anderen nicht informieren und wir genossen den majestätischen Flug dieses Tieres. Auch wenn die ca. 3 Meter Spannweite des Vogels nur zu erahnen war, wirkte er wie ein König der Lüfte.

Den Moreno Gletscher verließen wir gegen 14 Uhr. Auf der Fahrt zurück genoss ich besonders die reichhaltige Vegetation und die Stopps, bei den wir die lokale Blumenwelt bewundern konnten. Bevor wir endgültig das Gebiet verließen, hielten wir noch an einer Gedenkstätte für „Günther Plüschow“, einem Helden dieser Region, der diese Gebiet in den 20iger Jahren des 20. Jahrhunderts mit einem Wasserflugzeug und viel Abenteuergeist erkundete und dokumentierte.
Seine erste Expedition in dieses wilde Land beendete er erfolgreich und es gibt bis heute in Ushuaia den von ihm gedrehten Film zu sehen. Leider beschied ihm dasselbe Schicksal wie vielen anderen großen Helden. Von seiner zweiten Exkursion kehrte er nicht mehr zurück. Er zerschellte mit seinem Flugzeug in den Bergen.

In Calafate zurück verabschiedeten wir uns von unserer sympathischen und kompetenten Reisebegleiterin Bonny. Im Hotel angekommen verabredete ich mit Bernd aus Dresden, um gemeinsam einen Zug durch die Gemeinde, d.h. genauer durch die Souvenirgeschäfte zu tätigen. Nachdem ich grob meine Erlebnisse niedergeschrieben und Bernd sich für die Exkursion vorbereitet hatte, brachen wir auf.

Schon nach ein paar Minuten landeten wir im ersten Geschäft und da es zudem wohl das größte seiner Art war, dauerte es geraume Zeit, bis wir uns durch das Sortiment gearbeitet hatten. Mich fesselte besonders eine Postkarte, welche durch einen optischen Trick die Gletscher auf dreidimensionale Weise darstellte. Auch wenn ich mir wegen des Transportes etwas Sorge machte, tätigte ich meinen Einkauf. Danach nahm ich den Kauf einer Mate Kalebasse in Angriff. Auch wenn ich mich für das Getränk nicht sonderlich erwärmen konnte, so gehört das Getränk und alles was dazu gehört ebenso zu Argentinien wie die Natur und seine Menschen.
Ich entdeckte auch ein hübsches Gefäß und da ich schon mal dabei war erstand ich einem anderen Laden gleich noch eines, denn mir gefiel das Muster besonders gut. Allerdings bat ich Bernd mich nun etwas in meinem Kaufrausch zu bremsen.

Zum Abschluss dieses Einkaufbummels, bei dem auch Bernd einige Stücke sein eigen nennen konnte, machten wir noch einen Ausflug in einen Supermarkt. Wie ich rasch feststelle, war er wirklich nicht gut bestückt. Ich nahm nun an, daß dies wahrscheinlich an der Tatsache lag, daß heute Sonntag war, doch wie ich später von Marcus und Sandra erfuhr, war dies wohl ein grundsätzliches Problem in diesem Ort. Zudem war wohl durch die angespannte Wirtschaftslage das Angebot noch spärlicher.

Schließlich trennten sich die Wege von Bernd und mir, denn er mußte zum Abendessen, mich hingegen führten meine Schritte mal wieder ins Internet-Cafe. Dieses Mal hatte ich nicht so viel Glück wie an den Tagen zuvor. Ich konnte nicht gleich eine der Maschinen in Beschlag nehmen, denn alle waren in Benutzung. Zudem, musste ich mich in eine Warteliste eintragen. Ganz traurig war ich nicht über diese Wartezeit, denn ich war erstaunlich müde und so nutzte ich die Zeit, um es mir mit einem kühlen Getränk gemütlich zu machen. Es dauerte wohl rund 30 Minuten bis ich an die Reihe kam.

An diesem Abend hatte ich nicht all zu viel zu schreiben und so konnte ich den Laden schon nach einer Stunde wieder verlassen.

Im Hotel fand ich die anderen noch zusammensitzen und natürlich gesellte ich mich gerne zu ihnen. Nicht zu letzt weil ich ja noch erfahren musste, wie der nächste Tag verlaufen würde.
Als mir der erste mitteilte, daß es schon um 6 Uhr Frühstück geben sollte, und ich damit schlussfolgerte wann ich aufzustehen hätte, hoffte ich noch es wäre vielleicht ein Scherz, doch die Information war korrekt und somit wollte ich den Abend nicht all zu lang werden lassen. Wie ich merkte ging es den anderen ebenso.

Um das frühe Aufstehen etwas in Grenzen zu halten, packte ich am Abend fast vollständig meine Sachen zusammen. Was jedoch relativ schnell vonstatten ging und ich somit schon bald in meinem Bett verschwinden konnte.

 

18. Tag – Montag 28.01.2002
Ausflug zum Upsala Gletscher – Zeltplatz am Lago Roca

Ort Temperatur Wind Wolken:
12 – 15 °C starke kühle Briese dichte Bewölkung

Dass dies wohl einer der lustigsten Tage werden sollte, konnte ich am Morgen, als ich mich mühsam aus meinem Bett quälte, nicht ahnen. Erst einmal begann der Tag für mich durch aus mühsam, denn es hieß sich um 5:30 Uhr aus dem Bett zu quälten. Ich war zwar froh am Vorabend fast alles gepackt zu haben, dennoch dauerte es geraume Zeit bis ich mich aus dem durchaus bequemen Bett herausgequält hatte.

Um 6 Uhr gab es Frühstück. Hier hieß es nicht nur eine ordentliche Grundlage für den Tag zu bilden, sondern auch die Brote für die Tagesverpflegung zu schmieren. Wohl wissend, dass ich wieder das Abendessen ausfallen lassen würde und mir bewusst war, dass der heutige Ausflug, samt Wanderung für mich ein hartes Stück werden würde, packte ich sicherheitshalber eine Stulle mehr ins Proviantsäckchen.

Unsere Fahrt startete kurz vor 7 Uhr und nach einem kurzen Stopp an der Bäckerei, ging es ohne nennenswerte Aufenthalte Anlegeort unseres Bootes. Wie ich auf der Fahrt dort hin mit großer Genugtuung feststellte, schien das Wetter heute wesentlich besser zu werden als am Vortag. Es war 8 Uhr, als Punt Bandera unseren Zielort erreicht hatte. Nachdem unser Fahrzeug zum stehen gekommen war, hielt wir uns nicht mehr mit langen Vorreden auf, sondern mit Begeisterung und Tatendrang machten wir uns auf zum Bot.

Bevor die Fahrt begann schmiss ich mir sicherheitshalber eine der Reisekaugummis ein, um überhaupt nicht in die Verlegenheit zu kommen mit irgendwelchen Übelkeiten kämpfen zu müssen. Nachdem dies erledigt war, konnte ich mein Augenmerk über die Landschaft streifen lassen und ich stellte sehr schnell fest wie schön es hier war. Der Lago Argentino war um rahmt von einer herrlichen Bergkulisse und die die warm vom Himmel schien tauchte das Bild in ein herrliches Bild.

Wir waren schon geraume Zeit gefahren, als auf einmal der Ruf „Ein Kondor“ durch das Schiff schallte. Sofort fanden wir uns alle auf Deck ein und tatsächlich entdeckten wir nur wenige Meter von uns entfernt, in einer Felswand sitzend, einen Kondor. Auch wenn er so sitzend nicht so gewaltig wirkte wie wenn er durch die Luft glitt, war er auch so für mich etwas Besonderes. Zu unserer Freude manövrierte der Kapitän das Boot so, dass wir den Vogel so gut wie nur möglich sehen konnten.

Nachdem der Kondor unseren Blicken entschwunden war, verschwanden wir alle einer nach dem Anderen wieder unter Deck denn der Fahrtwind war, trotz Sonnenschein, relativ frisch. Unter Deck war jeder nun in die ein oder andere Unterhaltung verwickelt. Ich für meinen Teil hatte es mir auf einem, in der Mitte des Bootes befindlichen Sitzes gemütlich gemacht und fühlte mich dort ausgesprochen Wohl. Diese Zufriedenheit und mein Outfit, die vor den Brustkorb beschallte Kameratasche, Sonnenbrille, Mütze und volle Bekleidungsmontur führte irgendwie dazu, das ich anscheinend den Eindruck vermittelte, wie ein Herrscher über seine Untertanen zu trohnen, was zu einem ersten Anfall von Heiterkeit führte.

Zu der nun schon deutlich gestiegenen Stimmung kam noch ein besonderes Ereignis. Bernd aus Aachen hatte sich mit Sandra über die Qualität seines Wasserbeutels unterhalten, der durch sein schlichtes Aussehen eher einen zerbrechlichen Eindruck machte. Bernd wies jedoch darauf hin, dass herstellerseitig eine Last von 10 Tonnen und eine lebenslange Garantie wohl eine andere Sprache sprächen. Sandra meinte daraufhin zu Bernd, dass er mich mal auf den Wassersack steigen lassen solle, um seine Qualität zu beweisen. Gesagt getan. Bernd kam auf mich zu, legte den Sack auf den Boden und forderte mich auf den Test durchzuführen. Anfangs wollte ich nicht so recht, doch das Bitten war beharrlich und irgendwie wollte ich es auch wissen, denn ich besaß fast dasselbe Modell wie Bernd und das leckte schon ohne Belastung. So entschloss ich mich diesen ultimativen Test durchzuführen. Da das Boot etwas hin und her wankte, musste ich mich an Bernd festhalten, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Danach stellte mich beherzt auf den Beutel. Ich war noch nicht ganz drauf, als der Beutel nachgab und eine Kaskade an Wasser aus dem Beutel schoss. Anette stand während dieses Experimentes etwas unglücklich und so bekam sie die volle Ladung des Wassersackes ab. Natürlich brach sofort großes Gejohle und Gelächter aus, denn was niemand geglaubt, jedoch vielleicht gehofft hatte, war geschehen. Der Sack hatte ohne nennenswerten Widerstand aufgegeben. Ich für meinen Teil, setzte mich wieder auf meinen Trohn und beobachtete den ausgelösten Tumult.

Erste Ablenkung von diesem Experiment brachten die Eisberge die alsbald auftauchten und an uns vorüber glitten. Obwohl die Eisberge nicht durch die Sonne beschienen wurden, leuchtete sie in dem herrlichen Blau, welches ich noch vom Gletscherbesuch des Vortages kannte. Es waren natürlich keine Tafeleisberge, wie sie am Südpol abkalben, aber es waren teilweise ganz schöne dicke Brocken dabei und ich merkte, dass der Kapitän durchaus gebührenden Abstand hielt.

Während die Eismassen vorüberglitten erläuterte Sandra, das solche Eisberge hier nur möglich waren, da der See zum einen ca. 1000 Meter tief ist, der Gletscher sich zudem nicht über Land vorwärts arbeitete, sondern auf der Wasseroberfläche trieb. Dazu kam, dass die Eisberge nicht auf zerbersten konnten, sondern heil blieben, da sie die größte Anzahl von ihnen unter der Wasseroberfläche gekalbt wurden. Durch die große Tiefe des Sees schlugen die Eisberge auch nicht auf dem Grund auf, sondern sie konnten ganz gemächlich wieder aufsteigen und ihre Reise über den Lago Argentino beginen.

Nach rund 2:30 Stunden Bootsfahrt erreichten wir „Bahía Chistina“, jenen Ort, von dem unsere Wanderung hinauf zum Upsala Gletscher beginnen sollte. Als alle vom Boot gestiegen waren, begann sogleich die Wanderung den Berg hinauf zum Gletscher.

Unser argentinischer Führer bildete die Spitze. Sandra passte am Ende der Wanderschar auf, dass die Nachhut, zu der auch ich gehörte, nicht vollständig verloren ging. Ich war sehr froh, dass ich nicht ganz alleine laufen brauchte. Auch wenn der kontinuierliche Aufstieg für mich als durchaus anstrengend bezeichnet werden konnte, genoss ich die wirklich grandiose Berglandschaft die mich umgab. Am liebsten hätte ich mich hingesetzt und sie stundenlang bestaunt. Auch die Blicke zurück auf den See und die ihn umrahmenden Gipfel entschädigten für jede vergossene Schweißperle.

Anfangs folgten wir noch einem Fußpfad, doch alsbald endete er und wir folgten einem breiten Weg. Sandra hatte uns schon auf ihn vorbereitet und sein Entstehen erläutert. Denn eines der Unternehmen, die einen Ausflug hinauf zum Gletscher anboten, hatten es geschafft, trotz sehr strikter Nationalpark-Gesetze, einen „Straße“ in die Landschaft bauen zu dürfen, damit sie mit Unimogs Touristen den Berg hinauf schaffen konnten. Als besonders verwerflich war diese Tat dadurch einzustufen, das für diesen Weg uralte Bäume abgeholzt wurden. In Anbetracht der klimatischen Bedingungen war nun eigentlich nicht damit zu rechnen, dass sich dieser Einschnitt in den nächsten vielleicht 100 Jahren wieder durch die Natur heilen ließ. Daher sahen wir, die wir den Berg hinaufliefen, die vorbeifahrenden Unimogs eher mit gemischten Gefühlen, als dass wir es als ein Abenteuer anderer Art betrachteten. Doch irgendwie schien die Einstellung der Passagiere in den Fahrzeugen uns gegenüber auch nicht sehr von Anerkennung geprägt zu sein, denn als die Fahrzeuge Vorüberfuhren, blickten uns Dutzende von mitleidigen Blicken an. Als die Fahrzeuge wieder aus unserem Blickfeld verschwunden waren, setzten wir den Weg fort und widmeten uns wieder der uns umgebenden Natur. Es war schon erstaunlich welche Schönheiten es zu Bestaunen gab.

Je näher wir dem Gletscher kamen, umso karger wurde die Landschaft. Schließlich schien die Gegend nur noch aus Felsen zu bestehen. Da der Gletscher sich in den vergangenen 50 Jahren stark zurückgebildet hatte, konnte man nun deutlich den Weg erkennen durch den er sich Jahrhunderte geschoben hatte, denn die Felsen waren völlig glatt geschliffen und das Tal wirkte wie eine glatt geschmirgelte Röhre. Ich für meinen Teil empfand diese Gewalt der Natur als wirklich bemerkenswert.

Ich war trotzdem froh, als das Ziel nicht mehr all zu weit entfernt lag. Wir waren nur noch wenige Meter vom Gletscher entfernt als ich auf einen Kondor aufmerksam wurde, der genau über dem Aussichtspunkt kreiste, von dem die Anderen schon seit geraumer Zeit den Gletscher bewundern durften. Wir kamen leider etwas zu spät, um den Vogel noch aus der Nähe zu sehen, doch war mir die Landschaft wahrlich genug Lohn für die Mühsal des Aufstiegs.

Bevor ich den eigentlichen Grad erreichte, über den man klettern musste um den Gletscher zu sehen, machte ich mir ein paar Gedanken über seinen Namen. Zwar hatte ich gehört, dass der Name sich auf die Stadt Upsala in Schweden bezog, da ein schwedischer Forscher den Gletscher und seine Umgebung erforscht hatte, doch hegte ich da eher eine andere Theorie. Sie bestand einzig in der Erkenntnis, dass man sich rund 350 – 450 Höhenmeter den Berg hinaufarbeiten musste, um die gesamte Zeit nichts vom Gletscher zu erahnen. Erst wenn an den besagten Grad überschritt, sah man den Gletscher. Und würde nun ein unbedarfter Wanderer hier herauflaufen und den Grad überschreiten, müsste sich sicherlich der Ausruf ergeben „Upsala, da ist ja ein Gletscher“.

Ich verkniff mir zwar jenen Ausruf, doch war es wirklich ein überraschendes Erlebnis, als ich den Grad überschritt und nun den Gletsch, die mit Schnee bedeckten Berge und den Lago Argentino sah. Auch wenn durch die Unimog-Touristen einigermaßen Getümmel auf dem Aussichtspunkt herrschte, ließ sich der Ausblick auf das vortrefflichste genießen. Mittlerweile hatte ich ordentlich Hunger bekommen und so hockte ich mich hinter einen Steine, um mir mein Mittagsmahl schmecken zu lassen. Hier oben wehte nämlich eine steife Briese der man schnellst möglich zu entgehen versuchte, insbesondere da ich völlig durchschwitzt war.

Da die anderen deutlich früher den Aussichtpunkt erreicht hatten, kam schnell der Wusch auf wieder den Abstieg zu beginnen. Wir stoppten zwar noch einmal kurz in der vorhandenen Schutzhütte, um etwas Wärme wiederzuerlangen, doch schon gegen 14 Uhr brachen wir wieder auf. Während unsere argentinischen Führer davon stürmten, stellten wir alsbald fest, dass noch ein paar aus unserer Gruppe fehlten. Dies war ziemlich fatal, denn für Gruppenbesuche in Nationalparks gelten strenge Regeln. Sie besagen unter anderem, dass die Gruppe so geschlossen wie möglich laufen muss. So kam es, dass ich kurze Zeit einmal an der Spitze lief, denn da ich nicht der schnellste bin, lief ich, während andere auf die Nachzügler warteten, schon mal los. Der Vorsprung hielt nicht lange, doch gab er mir viele Möglichkeiten meine Kamera auszupacken und die mich immer wieder aufs neue begeisternde Landschaft festzuhalten.

Wir erreichten die Anlegestelle des Bootes etwa gegen 16:20 Uhr. Was mich jedoch nachhaltig verblüffte war, dass der See allem Anschein nach ganz anders aussah, als am Morgen. Auch hier schien es deutliche Gezeitenbewegungen zu geben. Die Rückfahrt verlief nicht ganz so spektakulär wie die Hinfahrt. Dieses Mal waren die meisten eher daran interessiert sich ausgiebig auszuruhen. Auch ich suchte mir ziemlich schnell eine schöne Ecke und machte es mir gemütlich. Leider stellte ich mal wieder fest, dass die hinter mich gebrachte Anstrengung dazu führte, dass ich keinerlei Ruhe fand. Stattdessen lag ich eher unruhig herum, und gab schließlich auf. Doch war es in diesem Fall nicht von Nachteil, denn ich kletterte an Deck, wo ich nochmals die Eisberge zu Gesicht bekam und da sie nun auch teilweise von der Sonne beschienen waren, war es ein wunderschönes Farbenspiel.

Unser Boot erreichte seinen Ausgangshafen gegen 19:15 Uhr und nachdem der Kapitän den Kampf gegen die Wellen und den Wind gewonnen hatte, die das Anlegen zu verhindern suchten, kletterten wir von Bord und setzten alsbald unsere Reise zu dem Ort fort an dem wir für die heutige Nacht unsere Zelte aufschlagen sollten. Die Fahrt führte uns zum See Roca, was bedeutete, rund 1 Stunde Schotterpiste zu fahren. Doch zeichnete sich durch einen Blick aus dem Fenster alsbald ab, dass es ein ganz besonderes Plätzchen werden sollte zu dem man uns brachte. Tatsächlich erwies sich unser Zielort als ein wahres Juwel. Unser Zeltplatz befand sich in mitten eines kleinen Waldes aus Süd-Buchen nicht weit vom See Roca entfernt und rief daher wirkliche bei allen große Begeisterung hervor.

Während das Abendessen gemacht wurde, wollten wir schon einmal eine ausgiebige Körperreinigung einleiten. Und auch hier erwies sich der Platz als etwas besonderes, denn die Duschen waren super in Schuss, sauber und es gab für jeden genügend warmes Wasser. Da spielte es auch kaum eine Rolle, dass warmes Wasser nur am Abend zwischen 19 – 23 zur Verfügung stand. Warum dies so war, war auch schnell herausgefunden, denn für die Warmwasserproduktion musste extra ein Dieselaggregat angeworfen werden und diesen den gesamten Tag laufen zu lassen wäre wirklich ein Verbrechen an diesem herrlichen Ort gewesen.

Nachdem die anderen gegessen hatten und das Tagesprogramm für den kommenden Tag bekannt gegeben worden war, wollte ich nur noch alsbald ins Bett. Bevor ich im Schlafsack verschwand nahm ich noch eine meiner Magnesium-Tabletten, in der Hoffnung, am kommenden Tagen nicht die befürchteten Muskelkrämpfe und Versteifungen zu erhalten. Lange dauerte es nicht bis ich einschlief.

 

19. Tag – Dienstag 29.01.2002
Aufenthalt am Lago Roca

Ort Temperatur Wind Wolken:
Lago Roca 21 °C leichte kühle Briese Bedeckt mit Phasen von Sonnenschein, gegen Abend abziehende Bewölkung

Dieser Tag wurde von den meisten von uns zum Ruhetag erklärt und so kam es, dass von uns 12 nur 4 mit Marcus den 1.202 m hohen Cordon de los Cristales erklimmen wollten.

Das Frühstück war für 8 Uhr angesetzt und so konnte ich etwas länger in meinem Schlafsack liegen bleiben. Nachdem die Wanderer ihre Brote für den Tag geschmiert hatten, brachen sie etwa gegen 9 Uhr auf. Die anderen traten ihre geplanten Aktivitäten an. Rudi und ich machten uns über die Kartoffeln her, denn sie sollten Grundlage für den Kartoffelsalat sein, den es an diesem Abend geben sollte. Zudem sollte es noch Kohl geben dem fachmännisch zu Leibe gerückt werden sollte. Als wir uns ihm gerade witmen wollten, gesellte sich noch Bernd unserer kleinen Gruppe hinzu.

Als ich meinen Kartoffelberg abgearbeitet hatte, begann ich mich auch mit dem Kohl auseinanderzusetzen. Eigentlich machte ich bei dieser Tätigkeit auch keine all zu schlechte Figur, doch irgendwie schaffte ich es eine Sekunde nicht aufzupassen und schon fehlte mir ein nicht unbeträchtlicher Teil einer meiner Fingernägel und Fingerkuppe. Das ganze war so schnell gegangen und das Messer war so scharf, dass ich erst kurze Zeit später den Verlust bemerkte. Auch wenn ich es schaffte, den Salat nicht mit Blut voll zusauen und den Fingernagel, samt Haut aus dem Salat zu fischen, sorgte diese Aktion über den gesamten Tag für ein gewisses Maß an Erheiterung. Denn dass ich meine Körperbestandteile entfernt hatte, hatte sich nicht herumgesprochen und so meinte jeder, Opfer meines Fingernagels oder Haut zu werden.

Nachdem der Salat geschnitten war, verließen die letzten den Zeltplatz. Ich wollte diesen Tag ganz ruhig angehen lassen, denn auch wenn ich am Vortag zwar nicht Seekrank geworden war, so schmerzte mein Knie doch etwas. Um das Problem nicht zu verschärfen wollte ich so wenig wie möglich an diesem Tag unternehmen.

Ich begann meinen Ruhetag damit, dass ich die 500 Meter hinunter zum See ging und mich dort in die Wiese legte. Anfangs bestaunte ich noch das tolle Bergpanorama und das glitzernde Blau des Sees, doch dann lehnte ich mich vollends zurück und genoss die mich umgebende Ruhe. Ich hörte lediglich den Wind, Vögel, das Wasser des Sees und ab und zu das Kalben von Gletscherblöcken des Moreno Gletschers.

Gegen 12 Uhr kehrte ich zum Zeltplatz zurück. Dort befand sich im Moment jedoch nur noch Bernd, der den Morgen über geschlafen hatte, um seiner Krankheit endgültig den Garaus auszumachen. Wir plauderten kurz – dann startete er zu einer kleinen Exkursion hinunter an den See. Ich blieb zurück und widmete mich meinen Urlaubskarten und dem Tagebuch.

Es war 14 Uhr als die ersten Ausflügler wieder auftauchten und ihre Erzählungen von Vögeln und anderen Tieren motivierte auch mich eine kleine Exkursion am See entlang zu starten. Als ich schließlich aufbrach, konnte ich nicht ahnen, dass ich nun tatsächlich knapp 3:30 Stunden unterwegs sein würde. Doch begeisterten mich eine Gruppen von Ibisen (Vögel) aufs äußerste und ich betrachtete es als persönliche Herausforderung mich an sie heranzuarbeiten, um sie aus nächster Nahe beobachten zu können. Meist endeten meine Bemühungen bei rund 30 Meter Entfernung. Erst als ich auf eine Gruppe von rund 25 Tieren stieß, gelang es mir, mich an einige von ihnen bis auf 15 Metern zu nähern. Allerdings entdeckten sie mich und flogen davon. Die anderen ignorierten mich und spazierten lustig davon. Da mich ein Stacheldrahtzaun von ihnen trennte, startete ich keinen Versuch ihnen weiter zu folgen.

Kurz vor 18 Uhr kehrte ich zum Zeltplatz zurück. Da einige der anderen sich zusammengesetzt hatte, gesellte ich mich gleich zu ihnen. Doch wurde mir alsbald kalt und ich zog es vor in meinem Zelt zu verschwinden, um etwas Wärme zu tanken. Da ab und zu die Sonne schien, erwärmte sich das innere des Zeltes wunderbar, und so fühlte ich mich bald wieder frisch und herrlich aufgewärmt. Als ich aus meinem Zelt kroch hatte Marcus schon im, zum Lagerplatz gehörenden Grill, ein Feuer entfacht, denn an diesem Abend stand ein Essen besonderer Art auf dem Programm. Es sollte Fleisch vom Grill geben.
Ronnie hatte zu diesem Zwecke das Fleisch am Vortag fachmännisch eingelegt und widmete sich auch heute mit ausgesprochener Professionalität der weiteren Zubereitung.

Als das Fleisch auf dem Grill brutzelte war es wirklich ein Augenschmaus und mir lief das Wasser im Mund zusammen – auch wenn ich wusste, dass ich diesem Genuss an diesem Abend entsagen würde, wusste ich, dass Sandra ein Stück Fleisch und Salat für mich bei Seite legen würde, welches ich am kommenden Tag zum Frühstück verspeisen konnte.

Nach dem Essen kam ich mit Wolfgang ins Gespräch, der mich vortrefflich von meinen Unmassen an Filmen befreite, denn er hatte wohl die Grandiosität der Landschaft, der Tiere und der Reise unterschätzt, so dass ihm alsbald die Filme ausgegangen waren. Mir war es recht, denn so wurde ich die Filme los, denn 120 Filme, die ich aus Versehen erworben hatte (eigentlich wollte ich nur 60), waren selbst für mich eine fast unlösbare Aufgabe sie alle zu verbaruchen.

Es war etwa gegen 22:30 als wir uns entschieden jeder in seinem Zelt zu verschwinden. Auch begann es merklich kühler zu werden, denn die Wolken waren nach und nach verschwunden. Im Zelt verschwand ich auch sofort im Schlafsack – merkte jedoch bald, dass es wirklich kühler zu werde drohte. Daher legte ich bald mehr Kleidung an. Danach verschwand ich doch alsbald im Tal der Träume.

 

20. Tag – Mittwoch 30.01.2002
Lago Roca – Calafate – Rio Gallegos

Ort Temperatur Wind Wolken:
Nacht: 4°C
Tag: 24°C
leichte kühle Briese fast wolkenfrei

Als hätte es am Vortag nicht gereicht mir einen Teil des Fingers abzusäbeln, war ich wohl der Ansicht, dieses Ereignis muss unbedingt getoppt werden. Doch eins nach dem Anderen.

Wie sich die Nacht zuvor angekündigt hatte, setzte sie sich fort. Es wurde immer kühler und ich verkroch mich daher immer tiefer in meinem Schlafsack, doch so richtig konnte ich den Temperaturen nicht entkommen. Als eine Ursache sah ich die Tatsache, dass ich den Schlafsack noch immer nur als Decke verwendete und nicht vollends in schlüpfte, doch hatte ich halt ein paar Probleme beim Schließen des Schlafsackes und ich fühlte mich als „Presssack“; nicht so wohl. Trotzdem überstand ich die Nacht ohne größere Unterbrechungen.

Als ich das Zelt gegen 6:30 verließ nahm ich sofort zur Kenntnis, dass die Wolken sehr hoch waren. Auch meinte ich zu erkennen, dass die mit Schnee bedeckten Berggipfel der Anden, die am Vortag meist von Wolken eingehüllt waren, zu sehen waren. So schnappte ich mir sofort meinen Fotoapparat und marschierte zum See. Dort angelangt stellte ich fest, dass ich mich nicht getäuscht hatte. Noch beschien die Sonne lediglich die Gipfel, doch selbst das war ein wunderschönes Spiel an Licht und Farben. Obwohl ich nicht all zu viel Zeit hatte, nutzte ich so viel wie nur möglich davon, um mir die Bergkulisse anzusehen. Schließlich ging es zurück zum Zeltplatz und sofort musste mich mit dem Ausräumen des Zeltes und dem Verpacken all meiner Utensilien beginnen.

Pünktlich war ich zum Frühstück fertig. Doch mein Zelt hatte ich bis jetzt noch nicht abgebaut – stattdessen hatte ich es zwischen zwei Bäume gehangen, so dass es nun frei in der Luft schwebte und der Zeltboden, der etwas feucht geworden war, auch trocknen konnte. Es sah zwar etwas merkwürdig aus, doch erfüllte es perfekt seinen Zeweck.

Wie am Vorabend versprochen bekam ich zum Frühstück mein Fleisch und den Salat. Wie sich herausstellte war das Bild, welches ich mir vom Geschmack gemacht hatte nicht falsch. Alles mundete wunderbar. Ich beendete mein Frühstück etwas früher als die anderen, denn schließlich musste ich mein Zelt noch abhängen und verstauen. Nachdem das erledigt war, dauerte es nicht mehr lange bis die Abfahrt beginnen konnte.

Da an unserem Fahrzeug auf der Rückseite noch die Leiter für das Verstauen des Gepäcks heruntergelassen war, wollte ich diese in die vorgesehene Halterung schieben. Zu diesem Zwecke musste man sie anheben und unter das Fahrzeug verstauen. Zu meinem Leidwesen packte ich die Leiter falsch und zog sie in einem beherzten Ruck nach oben. Etwas zu spät merkte ich, dass ich die Leiter falsch angefasst hatte und mir mit voller Wucht den Mittelfinger der rechten Hand eingequetscht hatte.

Vielleicht war es ein Glück, dass meine Finger von der Nacht noch kalt waren, so merkte ich nicht gleich mit voller Wucht was mir da widerfahren war. Ich sah lediglich unter meinem Fingernagel das Blut empor quellen und der Rest des Fingers wurde Blau und Gelb. Viele Möglichkeiten was nun zu tun war gab es nicht. Als Ronnie das Malöhr sah, meinte er, dass er in solch einem Falle ein Loch in den Fingernagel bohre, um das Blut abzulassen um den Druck zu vermindern. Diese Vorstellung ließ mich eher zusammenzucken als das es für mich zum jetzigen Zeitpunkt in Frage käme.

Da die Abfahrt nun unmittelbar bevorstand, blieb mir nichts anderes übrig als einzusteigen und mit den anderen die Fahrt zu beginnen. Je mehr nun während der Fahrt die Kälte aus meinen Fingern wich und das Leben in sie zurückkehrte, umso mehr steigerte sich auch der hämmernde und pulsierende Druck im Finger. So dauerte es nicht lange, bis ich die Entscheidung fällte, doch das Loch zu bohren. Jedoch musste ich damit warten, bis wir die Schotterstrasse verlassen hatten, damit ich mir nicht noch andere Schnitt- /Stich usw. Wunden zuzog.

Etwas Ablenkung von den Schmerzen verschaffte mir nur der Blick aus dem Fenster, denn nun lagen die Berge in ganzer Pracht, beschienen von der Morgensonne vor uns. Und so blieb es nicht aus, dass der ein oder andere Fotostopp eingelegt wurde. Dennoch war ich irgendwie erleichtert, als die geteerte Strasse erreicht war und ich zu schaben beginnen konnte. Es dauerte nicht all zu lange bis ein Loch vorhanden war und aus dem dann das Blut vorsichtig austreten konnte. Doch leider war es noch nicht groß genug, dass es gleichmäßig fließen konnte. Stattdessen musste ich immer etwas nachhelfen. Als der erste Druck aus dem Finger wich ging es mir zusehends besser und ich konnte das Auftauchen von mehreren Kondoren mehr genießen, wenngleich ich bei der Verwendung des Fingers sehr vorsichtig sein musste.

Gegen 10:45 Uhr erreichten wir Calafate wo sich ein etwa 30-minütiger Halt ergab. Ich nutzte diese Zeit, um ein paar Briefmarken zu erstehen und dann noch schnell meine E-Mails zu überprüfen. Pünktlich verließen wir Calafate und lernten alsbald, dass die Fahrt auf einer geteerten Strasse nicht zwangsläufig bedeutet auch schnell vorwärts zu kommen, denn die Strasse machte stellenweise einen erbärmlichen Eindruck und Marcus legte so manchen Slalom ein, um nicht von einem Loch ins nächste zu fahren.

Grosse Aufregung brach während der Fahrt aus, als jemand auf einmal den Mt. Fitz Roy entdeckte, wohl einer der bekanntesten Berge Südamerikas. Er war zwar viele Kilometer von uns entfernt, doch fand es jeder toll dieses Monument bergsteigerischer Herausforderung gesehen zu haben.

Auf Grund des guten Wetters legten wir unseren Mittagsstopp an einem ganz besonderen Aussichtspunkt ein, von dem aus uns die Anden zu Füßen lagen. Es war wohl mit Abstand der schönste Platz, an dem man essen konnte. Dass jedoch nichts perfekt ist, merkten wir bald, als wir bemerkten, dass wir mit Heerscharen von kleinen Fliegen um das Essen wetteifern mussten. Dieser Kampf erwies sich als durch ausschwierig, denn all zu leicht landete nicht nur die Nahrung, sondern auch die Fliegen im Mund.

Die Pause beendeten wir mit einem Gruppenfoto, welches zuvor einiges an Phantasie, was die Aufstellung und Befestigung der Kamera erforderte. Uns stand nämlich nur ein Einbeinstativ zur Verfügung und es bedurfte einiger Zeit des Suchens bis ein Ort gefunden war, an dem es für das Bild aufgebaut werden konnte ohne dass es sofort umfiel.

Eigentlich hatten wir den Wunsch bei diesem Bild nicht nur die Gruppe, sondern auch die schöne Bergkulisse festzuhalten, doch ob dieses Vorhaben wirklich geglückt ist, wird sich wohl erst herausstellen, wenn die Bilder entwickelt worden sind.

Mit Beendigung dieser Rast verließen wir langsam die Bergwelt und näherten uns wieder der Pampa mit seinen unendlichen Weiten.

Was meinen Finger betraf, so pumpte er wieder stärker und so ließ ich noch einmal etwas Blut ab. Doch erst nachdem ich während einer Kaffeepause das Loch noch weiter vergrößert hatte und wir den Finger vollends mit Pflaster und Jod versiegelt hatten, ging es mir wirklich besser.

Kurz bevor wir Rio Gallegos erreichten wurden wir von Sandra wieder auf eine besondere Stätte aufmerksam gemacht. Es handelte sich um eine jener Gedenkstätten, die an ein Wunder erinnerten und seither verehrt wurden. In diesem Fall hatte sich folgendes zugetragen:

Ein Estancia-Besitzer hatte einen Sohn. Dieser konnte von Kindesbeinen an nicht laufen und stand daher der Farm nicht als Arbeitskraft zur Verfügung. Damit die Arbeit erledigt wurde, stellte der Vater einen Gaucho ein. Da der Vater regelmäßig mit der Arbeit des Gauchos nicht zufrieden war, züchtigte er ihn bis eines Tages die Züchtigen so drastisch ausfielen, dass der Gaucho meinte „Herr, wenn ihr weiter auf mich einschlagt sterbe ich. Wenn ihr das tut, wird zur Erinnerung dieser Schandtat euer Sohn laufen können“. Der Vater lies nicht von seinem Tun ab und so starb der Gaucho und tatsächlich, wie vorausgesagt worden war, konnte der Junge fortan wieder laufen.
Da dies ein grosses Mysterium war, wurde der Gaucho zu einem Art Heiligen. Und heute findet man an verschiedenen Orten eine Gedenkstätte zu ehren von „Gauchico A. Gill“.

Kurz nach 17 Uhr erreichten wir Rio Gallegos. Eine Stadt mit rund 70.000 Einwohnern und einem für patagonische Verhältnisse hohes Alter von 115 Jahren. Wie wir erfuhren lebte die Stadt früher von seiner Schafzucht, denn es gab viele durchaus als reich zu bezeichnende Estancien in seiner Umgebung. Doch der Reichtum hielt nicht lange an und so spielt dieser Wirtschaftszweig heute keine all zu große Rolle mehr. Aufschwung brachte ein etwas unerfreuliches Ereignis: Der Falklandkrieg. Da der Ort für die Logistik günstig liegt, wurde er stark militärisch ausgebaut und dies ist bis heute eigentlich nicht zu übersehen – auch wenn die militärischen Aktivitäten nicht mehr von solch großem Einfluss sind.

Im Hotel angelangt nahmen Bernd und ich unser Zimmer in Beschlag und nachdem ich mich weitestgehend eingerichtet hatte, brach ich auf, um mir ein Internet-Cafe zu suchen. Es gab nämlich viel zu berichten, zudem war dies wahrscheinlich die letzte Möglichkeit, bevor ich wieder Buenos Aires erreiche, um Berichte abzusetzen.

Bernd schloss sich mir an, denn auch er wollte ein paar Zeilen über das Internet in die Heimat senden. Auch wenn ich mich mit dem Suchen des Internet Cafes nicht sonderlich geschickt anstellte und mir dabei ein Zufälliges Zusammentreffen mit Marcus und Sandra half, war diese Stätte der Arbeit alsbald gefunden.

Das Schreiben dauerte mit runden 5:30 Std. extrem lang und so wurde es fast Mitternacht bis ich wieder in mein Hotel zurückkehrte. Im Grunde war es viel zu spät, denn der folgende Tag sollte sehr lang werden und würde viele Grenzformalitäten mit sich bringen, denn wir würden aus Argentinien ausreisen, und in Chile einreisen, kurze Zeit später aus Chile wieder ausreisen um dann in Argentinien wieder einzureisen. Neben diesem formalen Stress gab es noch eine unangenehme Prozedur, denn man durfte keine irgendwie frischen Lebensmittel mitführen. Es bedeutete, wollte man keinen Ärger bekommen, dass man sich von allen Lebensmitteln rechtzeitig trennen musste. Doch es brachte nichts jetzt darüber nachzudenken. Ich zog es vor im Bett zu verschwinden.