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Japan (2022/23) – Atami – Die Stadt (熱海市)

Mein Japan Rail Pass neigte sich dem Ende zu, also musste ich etwas unternehmen, das nicht zu weit weg war, leicht zu erreichen und wo ich noch nie gewesen war. So kam ich auf die Idee, Atami zu besuchen.

Meine Reise von Kyoto nach Atami verlief mit dem Shinkansen sehr entspannt und ich konnte lange darüber nachdenken, was mich dort erwarten würde, denn ich hatte mich extra nicht sehr auf den Ort vorbereitet, um alles ohne Bewertung und ohne Erfahrung erkunden zu können. Ich hatte mir nur eine kleine Liste mit Sehenswürdigkeiten gemacht und ein Hotel in der Nähe des Bahnhofs gebucht.

Tag 1

Das Hotel direkt neben dem Bahnhof zu haben, stellte sich sehr schnell als superkluge Entscheidung heraus, denn ich merkte sehr zügig, dass in Atami alles extrem steil war. Der Ort lag an der Küste, von wo aus die Berge direkt dramatisch steil in den Himmel stiegen. Deshalb waren alle Straßen auch für Autos oft extrem steil.

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Wie sich bei meinem Hotel herausstellte lag es super nah, doch war es für mich irgendwie eine Herausforderung, da es zu modern war. Das Einchecken erfolgte an Automaten und auch der Zugang zu den Schließfächern, in denen man sein Gepäck verstauen konnte, bis man sein Zimmer im Hotel beziehen konnte, war nur über diese Automaten möglich.

Leider hatte ich dabei so große Verwirrungen und Probleme, dass ich am Ende doch noch Hilfe brauchte. Erfreulicher weise war menschliche Hilfe sehr leicht zu finden und es wurde mir sehr nett geholfen.

Nachdem ich mein Gepäck in einem Schließfach verstaut hatte, machte ich mich auf den Weg in die Stadt und war gespannt, wie sich die Beschreibung, die ich überflogen hatte, für mich darstellen würde.

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Ich hatte erfahren, dass Atami eine malerische Küstenstadt ist, die für ihre reiche Geschichte und atemberaubende Landschaft bekannt ist. Die Stadt liegt am nordöstlichen Ufer der Izu-Halbinsel mit Blick auf die Sagami-Bucht, nur etwa 100 Kilometer südwestlich von Tokio. Atami ist seit Jahrhunderten ein beliebtes Reiseziel der Japaner.

Die Geschichte Atamis reicht weit zurück. Bereits im 8. Jahrhundert erwähnte ein buddhistischer Mönch die heißen Quellen (Onsen), die in der Gegend sprudelten. Diese natürlichen heißen Quellen wurden zu einem wichtigen Anziehungspunkt für Reisende und Pilger. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich Atami zu einem bedeutenden Kurort, der von berühmten Persönlichkeiten wie dem Dichter Matsuo Basho, der im 17. Seine Lobgesänge auf die Schönheit der Onsen trugen dazu bei, Atami als Kurort bekannt zu machen.

Während der Edo Zeit (1603-1868) gewann Atami weiter an Bedeutung und wurde zu einem beliebten Reiseziel der reichen Elite und der herrschenden Klasse. Die Edo Regierung schätzte die heilenden Eigenschaften der Quellen und nutzte sie als Ort der Erholung und Entspannung für ihre Beamten. Die Region florierte wirtschaftlich und kulturell, wovon heute noch traditionelle Gebäude und Gärten in der Stadt zeugen.

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Mit der Modernisierung Japans im späten 19. Jahrhundert wurde Atami auch für die breite Bevölkerung zugänglicher, da die Stadt durch den Ausbau der Eisenbahnverbindung leichter zu erreichen war. Atami wurde zu einem der ersten Kurorte, die von Tokio aus bequem mit dem Zug zu erreichen waren. Dies führte zu einem deutlichen Anstieg der Besucherzahlen und trug zur weiteren Entwicklung des Tourismus in der Region bei.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Atami wie viele andere japanische Städte bombardiert, wobei einige historische Gebäude beschädigt wurden. Nach dem Krieg erholte sich die Stadt jedoch schnell und baute ihre Tourismusindustrie wieder auf. In den 1950er und 1960er Jahren erlebte Atami einen weiteren Tourismusboom und wurde zu einem beliebten Reiseziel, die die wohltuenden heißen Quellen und die entspannte Atmosphäre zu schätzen wussten.

Japan (2022/23f) - Atami Stadt - 20230203-124347-_A8A4736-BearbeitetDen Boom der 1950er und 1960er Jahre konnte ich in der Stadt sehr schnell erkennen, aber auch die Veränderungen der neuen Zeit konnte ich entdecken. Spannend war auf jeden Fall die Mischung dieser Häusertypen und wie sie an den steilen Bergen erbaut worden waren.

Das erste Highlight meines Aufenthaltes in Atami war der Besuch des Kinomiya Schrein, der sehr bekannt für seinen heiligen, sehr alten Baum ist. Um zum Schrein zu gelangen, musste ich mit einem lokalen Zug fahren und dank einer App war es wirklich einfach für mich, die Fahrten zu finden und für mich zu organisieren.

Als ich am Bahnhof in der Nähe des Schreins ankam, wurde mir noch dramatischer bewusst, wie steil hier alles ist und wie wenig Platz es selbst für Autos gibt.

Auf dem Weg zum Schrein konnte ich zum ersten Mal die Burg Atami sehen, die mein weiteres Ziel für diesen Tag sein sollte.

Der Besuch des Schreins war nicht schlecht und vor allem der Baum war wirklich beeindruckend und mit seinen 2500 Jahren noch in einem guten Zustand. Leider fand an diesem Tag ein Fest statt und es waren viele Menschen dort, was meinen Genuss etwas einschränkte.

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Von Schrein sollte es zur Burg gehen, wo ich mit der Gondel hinfahren wollte. Da es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu lange gedauert hätte, entschied ich mich für ein Taxi. Das war zwar nicht billig, aber eine schnelle und bequeme Art, mein Ziel zu erreichen. Zum Glück war der Taxifahrer so flexibel und nett, meinen Wunsch zu verstehen, denn ich konnte es auf Japanisch überhaupt nicht sagen.

An der Gondel angekommen, erkannte ich sofort die 1950er und 1960er Jahre, aber ich machte mir keine Sorgen um seine Zuverlässigkeit, denn ich hatte ein grundsätzliches Vertrauen in die Art und Weise, wie Dinge in Japan kontrolliert wurden.

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Mit der Gondel ging es langsam in Richtung Atami Burg, aber ich kam nicht direkt dorthin, sondern landete auf einer Aussichtsplattform, von der aus ich einen ersten Überblick über Atami bekam.

Es war schon sehr interessant zu sehen, wie die Stadt und die Umgebung aussahen und hier konnte ich zum ersten Mal der Beschreibung einer malerischen Umgebung zustimmen. Leider war das Wetter nicht so gut und alles sah nicht so leuchtend schön aus.

Von der Aussichtsplattform ging es hinauf zur Burg und es war wirklich schön dort zu sein und die Aussicht zu genießen. Aber wenn ich so nah an solchen Gebäuden stehe, ist mein Genuss nicht immer so groß, sondern ich war meistens viel glücklicher, wenn ich solche Sehenswürdigkeiten aus der Umgebung blickend entdecken konnte und solche Glücksmomente hatte ich während meines Aufenthaltes einige Male.

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Nachdem ich die Burg verlassen hatte und mit der Gondel wieder am Fuße des Berges angekommen war, machte ich mir Gedanken über meine weitere Fortbewegung. Es gab hier zwar öffentliche Verkehrsmittel, aber leider waren diese nicht in Google Maps eingezeichnet (was in Kyoto perfekt umgesetzt ist) und so war es etwas schwierig, sie zu benutzen. Leider konnte ich auch kein Taxi finden und so machte ich mich zu Fuß auf den Weg in Richtung Innenstadt.

Auf dem Weg dorthin kam ich an einem Schiffsterminal vorbei und da dort gerade ein Schiff anlegte, gab es auch einige Taxis. Das habe ich sofort ausgenutzt und einen Taxifahrer ein wenig in die Enge getrieben. Ich hatte nämlich einen ganz besonderen Wunsch. Es gab nämlich einen Felsen in der Nähe, auf dem ein Baum wuchs und den wollte ich sehen und fotografieren.

Der Fahrer hatte keine spontane Idee, wie er am besten dorthin kommt, aber er fragte in der Zentrale nach und schon fuhren wir dorthin. Dabei lernte ich, dass das Problem war, dass es zwar Straßen gab, aber keine Möglichkeit dort anzuhalten, da die Straßen in die steilen Berge eingebettet waren. Aber der Hinweis, den er bekommen hatte, führte uns zu einem Ort, an dem alles sehr gut möglich war.

Ich war sehr froh, dass ich diesen Besuch noch machen konnte und ließ mich dann zurück zum Hauptbahnhof bringen.

Obwohl sich der Tag schon langsam dem Ende zuneigte, bin ich noch ein wenig durch die nähere Umgebung gelaufen und hatte sehr mit der Steigung zu kämpfen, aber es war spannend, sich durch die engen Gassen zu kämpfen.

An einer Baustelle hatte ich ein echtes Glück, denn es gab einen wirklich tollen Blick auf die Atami Burg, der eines Tages verschwindet, da wieder ein Gebäude errichtet wird.

Mit dieser Besichtigungstour war mein erster Tag zu Ende und ich machte mich auf den Weg ins Hotel. Mein Zimmer erwies sich als sehr modern und übersichtlich und ich konnte den Abend sehr entspannt und in Ruhe genießen.

Tag 2

Der nächste Morgen begann mit dem vom Hotel angebotenen Frühstück. Ich hatte schon vorher gehört, dass es etwas klein ausfallen würde, aber wie klein es wirklich war, hat mich doch sehr geschockt. Zum Glück hatte ich mich schon am Vortag darauf vorbereitet und konnte so ein anständiges Frühstück auf meinem Zimmer genießen und vor allem mit all den Dingen, die ich hier in Japan so liebe.

Ich checkte auch relativ früh aus dem Hotel aus, da ich an diesem Tag meine Erkundungstour noch etwas ausdehnen wollte. Leider durfte ich mein Gepäck nicht im Hotel lassen, sondern musste es zu Schließfächern am Bahnhof bringen. Das fand ich schon sehr ungewöhnlich, denn ich kannte es als völlig normal, dass man sein Gepäck im Hotel lassen kann.

Nachdem ich, glücklicherweise ohne Probleme, ein Schließfach am Bahnhof gefunden und meine Sachen eingeschlossen hatte, machte ich mich auf den Weg zum Taxistand. Leider musste ich feststellen, dass ich zu wenig vorbereitet war, um dem Fahrer mein gewünschtes Ziel zu zeigen. Wir einigten uns auf einen Namen und die Fahrt ging los.

Als wir an einem Eingang zu einem Schrein vorbeikamen, fragte er mich, ob ich dorthin wolle. Ich wusste es nicht, sah die super steile Treppe und sagte „Nein“. Also ging die Fahrt weiter und einen Berg hinauf. Es war so steil, dass der Fahrer in den ersten Gang schalten musste, um überhaupt fahren zu können. Nun ging es immer höher und höher und ich war glücklich, auch wenn ich mir sehr unsicher war, was den Ort anging, den ich besuchen würde.

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Oben angekommen, vereinbarten der Fahrer und ich, wann er mich wieder abholen sollte. Zuerst sagte ich 2 Stunden, aber der Fahrer sah etwas irritiert aus, was mich auf die Idee brachte, dass es vielleicht etwas kürzer sein sollte. Also einigten wir uns auf 1 Stunde. Diese Entscheidung erwies sich als perfekt, denn der angefahrene Ort war nicht der ursprünglich geplante Schein, sondern nur ein sehr kleiner Schrein, den ich schon nach 15 Minuten vollständig erkundet hatte.

Auch wenn ich den falschen Schrein angesteuert hatte und neben ihm eine unangenehm laute Baustelle war, war ich sehr glücklich, da ich aus dieser extremen Höhe einen spannenden Überblick über die Küstenlandschaft hatte. Nur das diesige Wetter schränkte alles ein. Aber auch die Bäume und Wälder gefielen mir und so wurde diese Stunde zu einer sehr schönen Zeit.

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Die Abholung durch den Taxifahrer klappte perfekt und er brachte mich ohne Probleme, wenn man von einem Stau auf den Straßen absieht, zu meinem gewünschten Ziel, der Steilküste unterhalb der Burg Atami.

Das Wetter hatte sich im Laufe der Zeit so wunderbar verändert, dass die ganze Landschaft und der Ort in einem herrlichen Licht erstrahlten. Die Steilküste mit ihren Ausblicken war sehr schön und ich konnte auch einen Raubvogel beobachten, der oft über mir kreiste und nach einem Snack suchte. Ich hoffte, dass es nicht ich war, denn ich hatte diese Erfahrung schon einmal gemacht.

Japan (2022/23f) - Atami Stadt - 20230204-120415-20230204_120415-BearbeitetVon diesem Aussichtspunkt ging es nun zu Fuß in Richtung Stadt. Auf dem Weg dorthin hatte ich viele schöne Ausblicke, aber der Weg selbst war mir stellenweise etwas zu gefährlich, da es keinen Fußweg gab und die Straße gut mit Fahrzeugen gefüllt war.

Ich war sehr froh, als ich schließlich den „Atami Water Park“ und den Hafen erreichte. Von hier aus konnte ich über das Meer schauen, die Burg sehen und insgesamt viel entdecken. Leider waren wegen des schönen Wetters nun auch viele Menschen unterwegs und die bequemen Sitzgelegenheiten waren alle besetzt. Aber am Ende hatte ich Glück und bekam noch einen Sitzplatz und so konnte ich die Zeit in Ruhe genießen.

 

Nach der Pause ging es weiter zum „Atami Sun Beach“ (Sonnenstrand), der nur wenige Meter entfernt war und ich kam an wunderschönen Skulpturen vorbei, die von herrlich blühenden Kirschbäumen eingerahmt waren.

 

Langsam musste ich mich in Richtung Bahnhof bewegen. Dabei hatte ich den inneren Wunsch, ein Taxi zu nehmen, denn ich wollte mich nicht den Berg hinauf quälen. Leider gelang es mir überhaupt nicht, ein Taxi für mich zu finden und so arbeitete ich mich langsam den Berg hinauf. Zum Glück fand ich einen Weg, auf dem der Aufstieg ganz akzeptabel war.

Dieser Weg bot mir am Ende nicht nur interessante Ausblicke auf die Stadt und ihre Straßen, sondern ich entdeckte auch eine deutsche Imbissbude. Leider hatte ich keine Zeit für einen Besuch, was ich sehr schade fand, denn so etwas zu testen ist immer sehr spannend.

 

Vor der Rückfahrt habe ich mich am Bahnhof noch mit lokalen Spezialitäten eingedeckt, wie es die Japaner immer machen, und so habe ich mich mit leckeren Sachen für die Zeit nach der Reise, aber auch für die Rückfahrt nach Kyoto eingedeckt.